Generation Y – Fünf Tipps zur erfolgreichen Praxisführung mit jungen Mitarbeitern

Eine gute Mitarbeiterführung ist für die eigene Praxis das A und O. Doch was gehört alles zu einer erfolgreichen Personalführung? Dr. Susanne Klein erläutert die fünf Prinzipien für den Erfolg.
Ein Beitrag von Dr. Susanne Klein

Die Generation Y ist in den Zahnarztpraxen vertreten. Junge Mitarbeiter möchten ihre Zeit effektiv nutzen. (© proDente e.V.)

Die Generation Y ist in den Zahnarztpraxen vertreten. Junge Mitarbeiter möchten ihre Zeit effektiv nutzen. (© proDente e.V.)

„Und dann habe ich ihr gekündigt, damit die anderen sehen: Man kann hier nicht einfach zu spät kommen. Kurzzeitig waren die anderen Mitarbeiterinnen dann auch pünktlich. Aber nach zwei Wochen war alles wie zuvor –  nur, dass mir eine Mitarbeiterin fehlte.“ Pünktlichkeit ist doch nichts Besonderes. Man muss sich einfach darauf verlassen können, dass die Mitarbeiterinnen rechtzeitig erscheinen, könnte man meinen. Und es ist durchaus sinnvoll, eine halbe Stunde vor dem Eintreffen der Patienten in der Praxis zu sein, denn es gibt immer etwas zu tun oder zu besprechen.  Das klingt sehr logisch und ist auch für jede Mitarbeiterin nachvollziehbar.

Generation Y nicht umsonst
Und weshalb funktioniert es dann nicht?  Junge Mitarbeiterinnen möchten ihre Zeit effektiv  einsetzen und nutzen. Deswegen möchten sie gerne wissen, weshalb sie pünktlich sein sollen, und das hat der Chef auch erklärt: „Wir setzen uns jeden Morgen um 8 Uhr zusammen und besprechen den Tag, bevor die ersten Patienten kommen. Dann weiß jeder, was auf ihn zukommt und was heute von ihm erwartet wird“. Das leuchtet ein, und das versteht auch Generation Y (Why?), die nicht umsonst so heißt. Denn alles, was sie verstehen und nachvollziehen können, setzen sie auch gerne um. Aber dann kommt der Praxisalltag, das morgendliche Meeting fällt häufiger aus, weil der Drucker kaputt ist oder weil es noch Arbeiten im Steriraum gibt, Material bestellt werden muss oder ein paar Briefe schnell abgeschickt werden sollen.

Unverständnis auf beiden Seiten
Das Team braucht nur fünf Minuten für die Abstimmung, oder es gibt andere, dringende Dinge, die der Chef selbst erledigen möchte. Die Mitarbeiterinnen wissen nach einiger Zeit nicht mehr genau, wie sie die freie Zeit am Morgen sinnvoll einsetzen sollen. Gefühlt stehen sie eine halbe Stunde in der Praxis herum und unterhalten sich, während der Chef dies und das erledigt. „Da drehe ich mich doch lieber nochmal im Bett um und fahre eine S-Bahn später“, lautete ihr Schluss. Und so kommt es zu Unpünktlichkeit und Unverständnis auf beiden Seiten. Generation Y (1980 bis 1999 Geborene) gründen im Moment Praxen, übernehmen oder suchen alternative Modelle, weil sie besondere Anforderungen an ihren Arbeitsplatz haben. Die DZW hat bereits berichtet, dass diese Zielgruppe ihre Work-Life-Balance anders gestalten möchte und nicht wie ihre Elterngeneration (Baby Boomer und Generation X) ihren Lebensfokus auf die Arbeit legen möchte.

Generation X versus Generation Y
Generation Y stellt einen großen Teil der Mitarbeiterinnen in einer Zahnarztpraxis. Oft gehört die Praxismanagerin zu  Generation X, viele andere Mitarbeiterinnen aber gehören der neuen Generation Y an und stellen ebenso wie die jungen Ärzte besondere Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. So kommt es, dass altbekannte Maßnahmen nichts mehr nützen und sich die zahnärztlichen Chefs auf andere Ansprüche und Erwartungen einstellen müssen. Denn gutes Personal ist rar, und jeder Praxisinhaber schätzt sich glücklich, wenn er ein funktionsfähiges Team hat, in dem die Stimmung stimmt.

Generation Y mit anderem Wertesystem
Was ist nun das Besondere an der Führung von Generation Y? Eigentlich sind es ganz normale junge Menschen, die sich, wie alle anderen Generationen vor ihnen auch, von der Elterngeneration abheben wollen. Darüber hinaus sind sie in einem Umfeld groß geworden, in dem moderne Medien eine weitreichende Rolle spielen. Das Besondere ist, dass ihr Wertesystem in Bezug auf Arbeit ein anderes ist als das der beiden Generationen zuvor. Und das bringt Konflikte mit sich. Das andere Wertesystem zeigt sich besonders in folgenden Bereichen:

  • Work-Life-Balance: höhere Wertigkeit von Privatleben in Relation zur Arbeit,
  • Sinn: ein ausgeprägtes Gefühl für sinnhaftes Handeln,
  • Effektivität: ein ausgeprägtes Gefühl für Effektivität und Zeitgestaltung,
  • Anspruchshaltung: hohe Ansprüche an den Arbeitgeber aufgrund der günstigen    Arbeitsmarktlage für Mitarbeiterinnen,
  • Anerkennung: hohe Erwartung an Feedback und Wertschätzung.

Fünf Prinzipien für erfolgreiche Praxisführung:
Wenn Sie in Ihrer Führung und Praxisorganisation diese fünf Punkte berücksichtigen, umgehen Sie geschickt einen großen Teil des Konfliktpotenzials zwischen den Generationen. Darüber hinaus hilft es auch Ihnen, Ihre Prozesse zu überdenken und manche Routinen, die sich eingeschliffen und auch bewährt haben, nochmals an den aktuellen Anforderungen zu überprüfen.

Abläufe effektiver gestalten
Mancher Ablauf kann effektiver gestaltet und Zeitfenster besser genutzt werden, und den Umgang miteinander können Sie in Ihrer Vorbildrolle maßgeblich beeinflussen. Darüber hinaus ist die junge Generation höchst technikaffin, was es einfach macht, eine vernetzte Praxis aufzubauen und weiterzuentwickeln. Im Folgenden daher einige konkrete Führungsmethoden, die sich bewährt haben.

Work-Life-Balance
Mitarbeiter möchten als „vollständige“ Menschen wahrgenommen werden und sich nicht nur auf ihre Rolle und Funktion in der Praxis reduziert fühlen. Wenn Sie sich für die private Seite Ihrer Mitarbeiterinnen interessieren und sich mit ihnen gemeinsam an ihren persönlichen Erfolgen freuen, gewinnen Sie das Engagement und die Loyalität Ihrer Mitarbeiterinnen. Überprüfen Sie Ihre Praxisabläufe und versuchen Sie, gute Kompromisse zu schließen, die Ihnen die Effektivität in der Praxis sichern und gleichzeitig den Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen entgegenkommen. Achten Sie bei allen Zugeständnissen darauf, dass insgesamt eine gute Balance aus Geben und Nehmen entsteht. Vielleicht können Sie von Ihren Mitarbeiterinnen lernen, Ihre eigene Freizeit genauso wichtig zu nehmen, wie sie es ganz selbstverständlich tun?

Ausgeprägtes Gefühl für sinnhaftes Handeln
Zu erwarten, dass Mitarbeiterinnen Dinge einfach deswegen tun, weil die Chefin oder der Chef es so will, führt zu Enttäuschungen. Sich Zeit zu nehmen, um die Dinge gut zu erklären und gleichzeitig den Raum für Mitbestimmung zu öffnen, führt zu guten Prozessen, die miteinander gelebt werden können. Die Frage „Warum“ sollte immer ausreichend gut beantwortet werden können. Nur weil der Chef etwas sagt, wird eine Anweisung noch lange nicht als sinnvoll empfunden und umgesetzt. Die  Generation Y hat keinen besonderen Sinn für Hierarchie.

Ausgeprägtes Gefühl für Effektivität und Zeitgestaltung
Halten Sie zugesagte Termine ein und lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen nicht warten. Nehmen Sie diese genauso wichtig wie Ihre Patienten. Wenn Sie ein Teammeeting ansetzen, führen Sie es pünktlich durch. Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiterinnen an der Gestaltung der Meetings und fordern sie deren aktiven Input ein. Gestalten Sie die Agenda für Ihre Meetings gemeinsam. Ein einfaches „Absitzen“ der Arbeitszeit kommt für diese Generation nicht in Frage.

Hohe Ansprüche an den Arbeitgeber aufgrund der günstigen Arbeitsmarktlage
Erwarten Sie nicht, dass sich Ihre Mitarbeiterinnen an Sie anpassen. Nehmen Sie sie als starke Individuen wahr und arbeiten Sie daran, dass Sie gemeinsam eine gute Basis schaffen. Jede neue Mitarbeiterin bietet wieder die Möglichkeit, feste Strukturen zu hinterfragen und optimalere Prozesse und Lösungen zu überlegen. So entwickeln sie einen guten Teamspirit und nutzen effektiv die Erfahrungen, die aus anderen Praxen mitgebracht werden.

Wenn die Mitarbeiterin das Gefühl hat, dass sie als Person nicht zur Führung, nicht zum Team oder auch nicht zu der Art und Weise passt, wie gearbeitet wird, dann sucht sie sich lieber eine neue Praxis, als dass sie sich anpasst. Deswegen ist es besonders wichtig, Dienst- und Tagespläne gemeinsam abzustimmen und zu verabschieden.

Hohe Erwartung an Feedback, Wertschätzung und Anerkennung
Beim Thema Wertschätzung und Anerkennung ist besondere Großzügigkeit gefragt. „Nicht geschimpft ist schon fast gelobt“ reicht heute nicht mehr. Im Gegenteil, wenn Sie nichts sagen, verunsichern Sie Ihre Mitarbeiterinnen, die viel Lob und Anerkennung gewöhnt sind. Beziehen Sie Ihre Anerkennung direkt auf die erbrachte Leistung.CDann können sie später auch eine Kritik auf die Leistung beziehen. Dem Gefühl, persönlich angegriffen worden zu sein, beugen Sie so vor. Die Generation Y ist eine intelligente und anspruchsvolle Generation mit hohen Erwartungen an ihr Leben und an ihren Arbeitsplatz. Eine intensive Auseinandersetzung mit diesen jungen Menschen lohnt sich, um die eigene Praxis und sich selbst systematisch weiterzuentwickeln.

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