Millerpreis für Wissenschaftlerinnen aus Greifswald

Strahlende Gewinnerinnen: Christiane Pink und Dr. Birte Holtfreter von der Universität haben für ihre Arbeit „Longitudinal effects of fibrinogen levels and white blood cell counts on periodontitis“ den Miller-Preis verliehen bekommen.

Dr. Birte Holtfreter (rechts) und Christiane Pink erhielten den Miller-Preis der DGZMK. (Fotos: privat)

Dr. Birte Holtfreter (rechts) und Christiane Pink erhielten den Miller-Preis der DGZMK. (Fotos: privat)

Beim Festakt zur Eröffnung des Deutschen Zahnärztetages 2015 in Hamburg wurde am 29. Oktober traditionell der Millerpreis der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) verliehen. Der seit 1908 durch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (www.dgzmk.de) vergebene Preis zu Ehren des Pioniers der Zahnheilkunde, Professor Willoughby Dayton Miller (1853-1907), geht in diesem Jahr an eine Greifswalder Forschergruppe.

Deutscher Miller-Preis ist der renommierteste wissenschaftliche Preis

Der Deutsche Miller-Preis ist der wertvollste und renommierteste wissenschaftliche Preis, den die DGZMK zu vergeben hat. In diesem Jahr teilen sich zwei Wissenschaftlerinnen der Universitätsmedizin Greifswald das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro: Christiane Pink (Foto rechts) und Dr. Birte Holtfreter (Foto links) vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Preisträgerinnen Christiane Pink  und Dr. Birte Holtfreter

Der deutsche Millerpreis wird vom Vorstand der DGZMK jährlich zur Würdigung der besten wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgelobt. Allein die Leistung und Bedeutung für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sind die entscheidenden Kriterien für die Vergabe des Preises.

SHIP lieferte wertvolle Datenbasis

Chronisch erhöhte Entzündungswerte können als Folge verschiedenster Erkrankungen auftreten, aber umgekehrt auch die Entwicklung zahlreicher Erkrankungen begünstigen. Da Parodontitis eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats ist, ist ein Einfluss der Entzündungswerte auf die Entwicklung und das Voranschreiten dieser Erkrankung zwar denkbar, bisher jedoch noch nicht sicher nachgewiesen.

Langzeiteinfluss von Entzündungswerten  auf  Entwicklung und  Voranschreiten von Parodontitis untersucht

In der ausgezeichneten Greifswalder Studie wurden erstmals der Langzeiteinfluss von Entzündungswerten (Fibrinogen und Leukozyten) auf die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis untersucht. Insgesamt wurden dabei medizinische Daten von 1.784 Teilnehmern der Study of Health in Pomerania (SHIP) ausgewertet. Alle Teilnehmer waren zu Beginn der Studie und ca. elf Jahre später erneut untersucht worden.

Untersuchungszeitraum von elf Jahren

Es zeigte sich, dass über den Untersuchungszeitraum von elf Jahren erhöhte Entzündungswerte mit einem leichten Voranschreiten von Parodontitis verbunden waren. Dieser Einfluss der Entzündungswerte trat dabei unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchverhalten, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Übergewicht oder Diabetes auf.

Rolle der Entzündungswerte in Zukunft mehr berücksichtigen

Allerdings sind die erhöhten Entzündungswerte selbst nicht die Ursache, sondern vielmehr ein Mechanismus, über den andere Risikofaktoren ihren Einfluss auf Parodontitis ausüben. Zur Verbesserung der Prävention und Behandlung von Parodontitis ist es aber sinnvoll, die Rolle der Entzündungswerte in Zukunft mehr zu berücksichtigen. Die Wissenschaftlerinnen wollen das Preisgeld auch nutzen, um ihre Forschungen weiterführen zu können.

Kurz und knapp: Zusammenfassung der Ergebnisse:

Chronische systemische Entzündung gilt als klinische Manifestation verschiedenster Erkrankungen und hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung für die Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands gewonnen. Vor diesem Hintergrund rückt auch der Zusammenhang zwischen systemischer Entzündung und Parodontitis, als hochprävalente und ebenfalls entzündliche Erkrankung, immer mehr in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen. Von besonderer Wichtigkeit für die Prävention von Parodontitis könnte sich dabei der Einfluss erhöhter systemischer Entzündungsparameter auf die lokale Entzündungsreaktion im Parodontium erweisen.

Ziel unserer Studie war es daher, anhand der Study of Health in Pomerania (SHIP), potenzielle Langzeiteffekte von Fibrinogenkonzentration und Leukozytenzahl auf die Progression von Parodontitis zu untersuchen. Letztere wurde anhand der Veränderung der Taschentiefe und des klinischen Attachmentverlusts erhoben.

Insgesamt wurden Daten von 1784 SHIP-Teilnehmern ausgewertet. Zwischen der ersten Untersuchung, SHIP-0, und der zweiten Nachfolgeuntersuchung, SHIP-2, lagen etwa elf Jahre. Für die Analyse möglicher Langzeiteffekte wurden multivariate lineare Mehrebenenanalysen genutzt. Hierbei wurden probandenspezifische Basiswerte und Einflüsse der Entzündungsparameter mit einbezogen.

Der Einfluss relevanter Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchverhalten, physische Aktivität, Alkoholkonsum, Fettleibigkeit oder Diabetes, wurde in den Berechnungen ebenfalls berücksichtigt.

Sowohl die Fibrinogenkonzentration als auch die Leukozytenzahl wiesen einen signifikanten Langzeitzusammenhang mit allen parodontalen Messgrößen auf. Ein Anstieg der Fibrinogenkonzentration um 1 g/l war beispielsweise mit einer Erhöhung der mittleren Taschentiefe und des mittleren Attachmentverlusts um 0,1 mm assoziiert. Darüber hinaus war der Einfluss der Entzündungsparameter bei Ausschluss der Probanden mit entzündungsreduzierender Medikation um bis zu 18 Prozent höher.

Für einen ähnlichen Zusammenhang von systemischen Entzündungsparametern mit anderen, nicht-entzündlichen, oralen Erkrankungen, wie Karies, wurden dagegen keinerlei Hinweise gefunden.

Es scheint, dass die Progression von Parodontitis durch den andauernden Einfluss erhöhter systemischer Entzündungsparameter begünstigt wird. Die systemische Entzündung selbst ist dabei aber vermutlich nicht als ursächlich anzusehen, sondern vielmehr als Pfad für Effekte anderer Konditionen.

Zur Optimierung von Präventions- und Behandlungsstrategien ist es daher anzuraten, die Rolle der systemischen Entzündung in Zukunft mehr zu berücksichtigen.

This page as PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*