Uniklinikum Jena fördert Wissenschaftlerinnen

Zahnmedizinerin Ulrike Schulze-Späte überzeugt internationale Jury mit ihrem Projektvorschlag – 100.000 Euro jährlich für die Bearbeitung von Forschungsprojekten

Mit Habilitationsstipendien, die künftig jährlich fördert die Uni Jena Frauen sowohl in der Grundlagen- als auch in der klinischen Forschung. Foto: Shutterstock/science_photo

Mit Habilitationsstipendien fördert die Uni Jena Frauen sowohl in der Grundlagen- als auch in der klinischen Forschung. Foto: Shutterstock/science photo

Mit einem neu aufgelegten Programm fördert die Medizinische Fakultät die wissenschaftliche Karriere von Frauen am Uniklinikum Jena. Die Neurologin Alexandra Kretz, die Zahnmedizinerin Ulrike Schulze-Späte und die Biologin Geraldine Zimmer konnten die internationale Jury mit ihren Projektvorschlägen überzeugen. Sie erhalten jetzt je 100.000 Euro jährlich für die Bearbeitung dieser Projekte in einer eigenen Forschergruppe.

Drei junge Mütter, die als Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen am Universitätsklinikum Jena arbeiten, können sich in den kommenden zwei bis drei Jahren der Forschung in einer eigenen Arbeitsgruppe widmen. Die Neurologin Alexandra Kretz, die Zahnmedizinerin Ulrike Schulze-Späte und die Biologin Geraldine Zimmer erhalten die ersten Habilitationsstipendien, mit denen die Medizinische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena die wissenschaftliche Karriere von Frauen nach der Promotion fördert.

Nach der Promotion nimmt der Anteil von Frauen mit Lehrbefähigung rapide ab

„In der Zeit der Familiengründung, meist kurz nach der Promotion, rückt die Forschung in den Hintergrund, bei den Ärztinnen zumal, denn sie absolvieren in dieser Phase die anspruchsvolle Ausbildung zum Facharzt“, weiß Prof. Dr. Otto Witte, Direktor der Klinik für Neurologie und Vorsitzender des Zentrums für Klinische Forschung aus Erfahrung. Diese Entwicklung lässt sich beziffern: Während der Frauenanteil zu Studienbeginn über das Examen bis zur Promotion etwa zwei Drittel beträgt, nimmt er dann rapide ab – auf ein Fünftel bei den Medizinern mit Lehrbefähigung und noch weniger bei den Professoren.

Begeistert von der wissenschaftlichen Qualität

Mit dem Förderprogramm speziell für Frauen möchte die Fakultät dem Schwund entgegenwirken. Bestätigt wird dieser Ansatz von der Zahl der Bewerbungen und deren Niveau. Die international besetzte Jury war begeistert von der wissenschaftlichen Qualität und hatte große Mühe, aus den sechzehn eingereichten Projektanträgen die besten auszuwählen. Mit dem Abbau von Nervengewebe im Alter oder bei Erkrankungen beschäftigt sich die Neurologin Dr. Alexandra Kretz. In ihrem Projekt untersucht sie, wie sich Störungen des Molekültransports in und aus dem Zellkern auf Gleichgewichtsprozesse von Nervenzellen auswirken und so zum Funktionsverlust und Abbauprozess beitragen.

Leiterin der Sektion Alterszahnmedizin

Auch Dr. Geraldine Zimmer erforscht neuronale Alterungsprozesse. Das Augenmerk der Biologin im Institut für Humangenetik liegt auf einem Enzym, das durch Modifikationen der DNA die Genaktivität in bestimmten Nervenzellen reguliert und damit die Funktionstüchtigkeit und das Altern dieser Zellen beeinflusst.

Dr. med Ulrike Schulze-Späte leitet die Sektion Alterszahnmedizin und ist Oberärztin in der Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. In ihrem Projekt analysiert sie den Einfluss der Fettleibigkeit auf den Knochenstoffwechsel. Übermäßig gespeicherte gesättigte Fettsäuren stehen im Verdacht, die Widerstandskraft des Knochens bei Zahnfleischentzündungen, die vermehrt im Alter vorkommen, zu schwächen und so den Knochenabbau im Kiefer zu begünstigen.

Grundlagen- und klinische Forschung wird gefördert

„Mit den Habilitationsstipendien, die künftig jährlich ausgeschrieben werden sollen, fördern wir die Frauen sowohl in der Grundlagen- als auch in der klinischen Forschung. Dass die ausgewählten Themen unseren Altersschwerpunkt stärken, freut uns besonders“, so Witte. Die Wissenschaftlerinnen streben die Habilitation an, die als formale Voraussetzung für die Berufung auf eine Professur angesehen werden kann. Sie werden jeweils mit 100.000 Euro jährlich für bis zu drei Jahre gefördert. Für die Realisierung des Stipendienprogramms konnte die Medizinische Fakultät zusätzliche Mittel des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft einwerben.

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