Pläne von „sehr konkret“ bis „offen für alles“ – ladies dental talk career Hannover

Die Teilnehmerinnen des 1. ladies dental talk career in Hannover genossen den Austausch. Foto: Samya Bascha-Döringer

Die Teilnehmerinnen des 1. ladies dental talk career in Hannover genossen den Austausch. Foto: Samya Bascha-Döringer

Die väterliche Praxis übernehmen, mit dem Freund eine Gemeinschaftspraxis führen, erst einmal den Abschluss schaffen, vielleicht ins Ausland, vielleicht an die Uni, vielleicht eine eigene Praxis, auf jeden Fall Beruf und Familie: Die Zukunftspläne der Studentinnen und Assistenzzahnärztinnen in Hannover bewegten sich von „sehr konkret“ bis „offen für alles“.

Zum ersten ladies dental talk career in Hannover hatten EU-Unternehmensbotschafterin Dr. Karin Uphoff und Prof. Dr. Meike Stiesch, Direktorin der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde an der Medizinischen Hochschule Hannover, geladen. Die Studentinnen und Assistenzzahnärztinnen berichteten im Szenelokal Miles von ihren Wünschen und Zielen und holten sich Tipps und Impulse von den erfahrenen Zahnärztinnen Dr. Kerstin Schoeneberg und Dr. Sabine Wolter (KfO). Besonders spannend fanden sie, an welchen Herausforderungen die beiden Zahnärztinnen gewachsen sind. Die unglückliche Trennung aus einer Gemeinschaftspraxis etwa veranlasste Schoeneberg, ihre heutige Kooperationsform mit einer Kollegin genau zu überdenken und sich durch Verträge abzusichern (siehe Kasten). „Es ist wie in einer Ehe. Sie machen Verträge für den Worst Case in der Hoffnung, dass dieser nicht eintritt, und sichern sich dadurch finanziell ab“, erklärte auch Sabrina Lappe, Beraterin selbstständige Heilberufe bei der ApoBank. Auch Schoeneberg hat aus ihren Erfahrungen gelernt. Mit ihrer heutigen Praxispartnerin, die wie sie eine zehnjährige Tochter hat, trifft sie sich einmal im Monat außerhalb der Praxisräume, um immer im Gespräch zu sein und ein positives Arbeitsklima zu fördern. Den Studentinnen legte sie ans Herz: „Haben Sie keine Angst vor großen Zahlen.“ Nur wer groß denke, könne auch Großes erreichen.

Was ist eigentlich …… der Unterschied zwischen einer Gemeinschaftspraxis und einer Praxisgemeinschaft?Bei einer Gemeinschaftspraxis (neu: Berufsausübungsgemeinschaft) gibt es nur eine Abrechnungsnummer. Alle Einnahmen und Ausgaben gehen in einen Topf. Die Patienten können gleichermaßen von den beteiligten Partnern behandelt werden. Der Gewinn wird nach bestimmten Maßstäben aufgeteilt, die die Mitglieder der Gemeinschaftspraxis vorher vertraglich festlegen (etwa jeweils anteilig gemäß der Beteiligungsquote oder nach dem jeweils erzielten Honorarumsatz).

Bei einer Praxisgemeinschaft hat jede Teilhaberin und jeder Teilhaber eine eigene Abrechnungsnummer, seine eigenen Patienten und wirtschaftet „in die eigene Tasche“. Die Praxisgemeinschaft ist lediglich eine Kostengemeinschaft. Die Partner teilen sich die Kosten für Personal, Räumlichkeiten, die technische Ausstattung usw. in einem zuvor vertraglich festgelegten Verhältnis (etwa nach zeitlicher Nutzung der Infrastruktur oder jeweils anteilig gemäß der Beteiligungsquote).

Der Schritt hin zur eigenen Praxis war auch für die Kieferorthopädin Wolter eine große Herausforderung: „Es war ein Sprung ins kalte Wasser, denn man macht sich vorher kein Bild davon, was es bedeutet, neben der Arbeit am Stuhl auch Finanzen zu regeln, Mitarbeiter zu führen und Patientenkommunikation zu betreiben.“ Ihr Tipp an die Studentinnen lautete: „Seien Sie mit Herz und Seele bei Ihrem Job und trauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Dann gelingt Ihr Vorhaben auch.“

Ein Netzwerk spannen, auch symbolisch mit dem Wollknäuel. Fotos: Samya Bascha-Döringer

Ein Netzwerk spannen, auch symbolisch mit dem Wollknäuel. Fotos: Samya Bascha-Döringer

Mit Leidenschaft bei der Sache ist auch Prof. Dr. Meike Stiesch. Zunächst war sie in der Zahnerhaltung aktiv, dann merkte sie, dass ihr Herz für Prothetik schlägt. Also spezialisierte sie sich, „weil man nicht nur einen kleinen Teil, sondern die gesamte Behandlung sieht“. Auch wenn – oder gerade weil – Führungspositionen an den zahnmedizinischen Universitäten noch oft in Männerhand liegen, möchte sie jungen Frauen Mut zu einer Universitätskarriere machen: „Wenn Sie etwas möchten, schaffen Sie es auch.“ Aus eigener Erfahrung und der vieler Kolleginnen weiß sie, dass Karriere plus Familie funktionieren kann. „Mütter sind oft sehr gut organisiert.“

Ein weiteres Thema, das die Studentinnen an dem Abend beschäftigte, war die Frage nach einer Spezialisierung. „Wenn Frauen implantieren, machen sie dies besonders präzise und legen großen Wert auch auf die Ästhetik“, berichtete Anette Emke, Gebietsverkaufsleiterin bei Straumann, aus ihrer Erfahrung, „und sie nutzen Netzwerke, um sich auszutauschen und noch sicherer zu werden.“

Wichtige Netzwerkpartner, besonders in Fragen der Prothetik, sind auch die Dentallabore: „Über geführte Navigation ist heute viel möglich. Wir unterstützen unsere Zahnarztpraxen und erleben es als für alle Seiten hilfreich, wenn sie uns früh in die Behandlung einbinden“, waren sich die Zahntechnikermeisterinnen Claudia Wassermann und Dagmar Günther einig. „In der Zahnarztpraxis wie auch in der Universität haben es die Patienten gerne, wenn die Zahntechnikkompetenz mit am Stuhl ist und etwa Tipps zu Form, Materialien oder zur Zahnfarbe gibt. Das bestätigte auch ZTM Silvia Rothkegel, Mitarbeiterin im Team von Stiesch.

Wie wichtig Netzwerke auch fachlich sind, betonte Dr. Tilli Hanßen als Vertreterin der Zahnärzte für Niedersachsen e.V. (ZfN). „Der kollegiale Austausch ist immer bereichernd. Viele Kollegen sind über die Jahre Freunde geworden.“ Sie selbst engagiert sich als Mitglied der ZfN, als Delegierte der Bundeszahnärztekammer und der niedersächsischen Zahnärztekammer und ist Mitglied der KZV Niedersachsen: „Die Zahnmedizin wird immer weiblicher. Da ist es besonders wichtig, dass Frauen sich auch standespolitisch einbringen, um sich selbst und dem Berufsstand etwas Gutes zu tun“, sagte die engagierte Zahnärztin.

Die Teilnehmerinnen des 1. ladies dental talk career in Hannover genossen den Austausch. Foto: Samya Bascha-Döringer

Die Teilnehmerinnen des 1. ladies dental talk career in Hannover genossen den Austausch. Foto: Samya Bascha-Döringer

„Wir haben einen tollen Beruf“, waren sich die erfahrenen Zahnärztinnen bei dem Abend in Hannover einig. Und auch die jungen Zahnärztinnen zeigten sich rundum mit ihrer Entscheidung für die Zahnmedizin zufrieden, auch wenn die Motivation dafür recht unterschiedlich gelagert ist. Einige sind über den Wunsch, Humanmedizin zu studieren, dazu gekommen. Andere, weil sie „etwas Handwerkliches“ machen, „Beruf und Familie vereinbaren“ oder „Geld verdienen“ wollten. Und eine Studentin, deren Vater Zahnarzt ist, war von der gesellschaftlichen und sozialen Komponente des Berufs angetan. Sänger, Schauspieler, Sozialarbeiter, Arbeitslose, Professoren: Ihr Vater habe Menschen aus allen sozialen Schichten behandelt und sei oft zu Veranstaltungen eingeladen worden. „Das Leben setzt sich zu Dir auf den Stuhl. Das hat mich begeistert.“

Im Sommersemester 2016 wird es wieder einen Netzwerkabend geben. Nähere Informationen folgen. Wer einen Eindruck des vergangenen Abends gewinnen möchte, kann dies tun unter der Rubrik „Career“ auf www.ladies-dental-talk.de.

 

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