Studentische Initiative in „Luthers Waschsalon“ ausgeichnet

Auch die Studierenden profitieren von der Arbeit in Luthers Waschsalon. (Foto: UWH)

Auch die Studierenden profitieren von der Arbeit in Luthers Waschsalon. (Foto: UWH)

Die Studierenden der Universität Witten/Herdecke (UWH), die sich für die Einrichtung „Luthers Waschsalon“ engagieren, sind von der Landesregierung NRW im Rahmen des Wettbewerbs „Orte des Fortschritts 2015“ ausgezeichnet worden. Luthers Waschsalon ist eine Einrichtung der Diakonie Mark-Ruhr in der Nähe des Hagener Hauptbahnhofs und bietet wohnungslosen oder von Wohnungsverlust bedrohten Menschen eine Anlaufstelle ebenso psychisch, Sucht- oder chronisch Erkrankten sowie Menschen mit geringem Einkommen.

In geschützter Atmosphäre können die Besucher dort frühstücken, sich selbst und ihre Wäsche waschen, Ersatzkleidung erhalten und sich untereinander austauschen. In Kooperation mit der UWH bietet ihnen Luthers Waschsalon zudem kostenlose medizinische und zahnmedizinische Behandlungen. Seit 1999 gibt es dort die medizinische Ambulanz, seit 2003 sind die Studierenden der Uni ins Projekt eingebunden. Sie unterstützen dort die ehrenamtlichen, voll ausgebildeten Kollegen als Ärzte und Zahnärzte. Einmal in der Woche gibt es zudem ein mobiles medizinisches Angebot an zwei weiteren Standorten in Hagen. Im Jahr 2013 entstand an der UWH die ebenfalls mit dem Waschsalon kooperierende Initiative „Zusammenwachsen“. Psychologie-Studenten pflanzten mit den Besuchern im Hinterhof des Waschsalons einen kleinen Gemüsegarten an. An den Ernteerfolgen dürfen sich die Gäste zur passenden Jahreszeit selbst bedienen. Zudem bietet die gemeinsame Pflege des Gartens die Möglichkeit zum Gespräch, bei dem es hauptsächlich ums Zuhören und das Gefühl des „Gehört-Werdens“ geht.

Dr. Hans Ritzenhoff: „Viele Besucher der Einrichtung trauen sich aus Scham nicht in eine normale Praxis.“ (Foto: UHW)

Dr. Hans Ritzenhoff: „Viele Besucher der Einrichtung trauen sich aus Scham nicht in eine normale Praxis.“ (Foto: UHW)

Die studentischen Initiativen möchten helfen, das Leben der Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, lebenswerter zu machen. „Viele Besucher der Einrichtung trauen sich aus Scham nicht in eine normale Praxis, haben keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland oder vernachlässigen ihre Gesundheit aufgrund von Drogen- oder psychischen Problemen“, erzählt Dr. Hans Ritzenhoff, der eigentlich schon im Ruhestand ist, nun aber ehrenamtlich die Zahnmedizin-Studierenden bei ihrer Arbeit betreut.

Die Behandlung unter Aufsicht von ausgebildeten Ärzten und Zahnärzten in Luthers Waschsalon erfolgt fürsorglich und auf Augenhöhe. Ziel ist es, die Patienten zu unterstützen, sie ernst zu nehmen, ihnen dabei zu helfen, das Gefühl der Scham zu überwinden und ihre gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. „Allerdings profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch wir Studierenden von der Arbeit in Luthers Waschsalon“, sagt Sören Schulz, der das Projekt für die Medizinstudierenden organisiert. „Wer sich beteiligt, lernt, für andere und für die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und sammelt Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die ihm in seinem persönlichen Umfeld vermutlich nicht begegnet wären.“ Besonders wichtig ist für ihn auch die Kooperation mit den Sozialarbeitern vor Ort. „Die Schnittstelle zwischen Medizin und Sozialarbeit führt oftmals zu großen Reibungsverlusten. Ist der Patient wohnungslos oder nicht krankenversichert, kommen diese Probleme bei der Behandlung im Waschsalon direkt zur Sprache. Dann können wir direkt einen Sozialarbeiter zurate ziehen. Nach der medizinischen Behandlung kann so nur eine Tür weiter die ‚Behandlung‘ der sozialen Notlage erfolgen. Die ist nämlich oft die eigentliche Ursache des gesundheitlichen Problems.“

„Durch die Mitwirkung der Studierenden in diesen Initiativen bringt die UWH junge Ärzte, Zahnärzte und Psychologen hervor, die Erfahrung in der Behandlung dieser Patienten haben und ihnen ohne Vorurteile begegnen“, sagt Prof. Dr. Stefan Wirth, Dekan der Fakultät für Gesundheit der Uni.

Im Waschsalon können sich übrigens auch Nicht-Studierende oder Studierende anderer Fakultäten einbringen. Derzeit sind dort bis zu 25 Freiwillige in unterschiedlichen Arbeitsbereichen tätig. Sie gestalten ein gezieltes Freizeitangebot, Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, sie kochen oder bieten ein Sportprogramm für die Gäste des Waschsalons an. Die Finanzierung der Einrichtung basiert zu großen Teilen auf dem „Konzept zur Medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen in NRW“. Die Kosten werden gemeinsam von den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und den teilnehmenden Städten getragen. In der Zahnmedizin werden die meisten Materialien durch Spenden unter anderem des zahntechnischen Labors Löring & Orlet bereitgestellt.

Ein ausführliches Interview zu „Luthers Waschsalon“ mit Prof. Dr. Stefan Zimmer, Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der UWH, gibt es auf dzw-tv unter dzw.de/FZFCG.

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