Bruxismusbehandlung 3.0

Die intelligente Zahnschiene zur Diagnose und Therapie von Zähneknirschen

Bruxismus ist das nicht funktionelle Knirschen, Pressen, Reiben und Klappern mit den Zähnen. Zwischen 5 und 10 Prozent der Erwachsenen leiden heute unter Bruxismus. Bruxismus tritt sowohl am Tag wie auch in der Nacht auf und geschieht hauptsächlich unterbewusst. Die Ursachen des Zähneknirschens sind meist psychisch: Bruxismus stellt eine Art Kompensation für Stress, Angst oder Depression dar.

Zahnschiene mit integriertem Sensor-Chip (Foto: Technische Universität München)

Zahnschiene mit integriertem Sensor-Chip (Foto: Technische Universität München)

Die Symptome reichen von abgeriebenen Zähnen bis hin zu Schmerzen der Muskulatur und des Kiefergelenks, aber auch Kopf- und Nackenschmerzen sind die Folge. Als Initialtherapie wird häufig für den Patienten individuell eine Kunststoffzahnschiene angefertigt, um die Zähne zu schützen.

An unserem Lehrstuhl wurde im Rahmen einer Exist-Seed Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ein drahtloses Messsystem für Bruxismus (SensoBite) entwickelt, das sich aufgrund seiner geringen Größe in eine herkömmliche Zahnschiene integrieren lässt (siehe Abb.1).

Komplettes System mit: Zahnschiene (1), taktiles Biofeedback (2), Frontend (3; Foto: Technische Universität München)

Komplettes System mit: Zahnschiene (1), taktiles Biofeedback (2), Frontend (3; Foto: Technische Universität München)

Die Kauaktivitäten werden mittels eines piezoelektrischen Sensorsystems gemessen. Ein Funktransmitter sendet die Messdaten drahtlos an einen Empfänger, der die Größe einer Streichholzschachtel hat und sich am Schlafplatz oder am Körper des Patienten befinden kann. Der Empfänger speichert die über mehrere Monate empfangenen Messdaten. Über eine USB-Schnittstelle können die gespeicherten Daten auf den Computer des behandelnden Arztes übertragen werden. Das System erlaubt eine Überwachung der Bruxismusaktivität sowohl am Tag als auch in der Nacht, ohne eine Störung des Patienten hervorzurufen.

Eine Software, die eine Analyse hinsichtlich Zeitpunkt, Intensität und Häufigkeit der Knirschaktivitäten erlaubt, unterstützt das System. Anhand der aufgezeichneten Messdaten lassen sich individuelle Ursachen von Bruxismus identifizieren und eine entsprechende, personalisierte Therapie ableiten. Gleichzeitig ist ein sofortiges taktiles (Vibration) oder akustisches Biofeedback über den Empfänger möglich. Dieser Reiz führt langfristig zu einer Konditionierung des Patienten und damit zu einer Reduktion der Bruxismusaktivität.

 

Zahnschiene SensoBite: Ein Sensor misst den Druck bei nächtlichem Zähneknirschen. Aus den aufgezeichneten Daten lassen sich Therapieansätze ableiten. Foto: Bernhard Schmidt/TU München

Zahnschiene SensoBite: Ein Sensor misst den Druck bei nächtlichem Zähneknirschen. Aus den aufgezeichneten Daten lassen sich Therapieansätze ableiten. Foto: Bernhard Schmidt/TU München

Mehr zu SensoBite und weiteren aktuellen Entwicklungen in der Medizin lesen Sie auch in unserem Artikel

Big Data in Medizin und Zahnmedizin

Das System wird in Kürze über das „Steinbeis-Transferzentrum Medizinische Elektronik und Lab on Chip-Systeme“ zu beziehen sein (www.stw-med-chip.de).
Dr.-Ing. Johannes Clauss, Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Bernhard Wolf, München

  • Projekttitel: „System zur Diagnose und Therapie von Bruxismus“
  • Projektlaufzeit 1. Mai 2005 bis 30. April 2006

Publikationen:

  1. Vahle-Hinz, J. Clauss W.-D. Seeher, B. Wolf, A. Rybczynski, M.O. Ahlers, „Development of a wireless measuring system for bruxism integrated into occlusal splint“. Journal of Craniomandibular Function vol. 1, No. 2, pp. 125, 2009
  2. Clauss, M. Sattler, W.-D. Seeher, B. Wolf, „In-vivo monitoring of bruxism with an intelligent tooth splint –Reliability and validity“. World Congress on Medical Physics and Biomedical Engineering 2009, IFMBE Proceedings 25/XI, pp.108.
  3. Vahle-Hinz, J. Clauss, B.Wolf, O.Ahlers, „Vergleich eines drahtlosen Bruxismussensors zur Integration in eine Okklusionsschiene mit EMG-Messungen“, DGFDT 2008 – 41. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und Therapie – Bad Homburg, 28.11-29.12.2008.
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