Aligner für Erwachsene – Ein ästhetischer Gewinn

Aligner für Erwachsene werden in zunehmendem Maße von Erwachsenen aller Altersgruppen nachgefragt. Deshalb spielen sie auch für jungen Zahnmediziner eine immer größere Rolle in ihrem Praxisalltag.

Das Lingualsystem Incognito für den Oberkiefer … (Foto: Hinz)

Abb. 1: Das Lingualsystem Incognito für den Oberkiefer … (Foto: Hinz)

Während Kieferorthopäden und Zahnärzte die optimale Funktion des gesamten Gebisses und deren Reinigungsmöglichkeiten im Blick haben, steht für die Patienten der ästhetische Gewinn durch Stellungsverbesserung der sichtbaren Zähne im Fokus. Denn wohlgeformte Zahnreihen haben einen hohen Stellenwert für die Menschen, lassen sie doch das Lächeln gesund, frisch und vital erscheinen. Im Gegensatz dazu machen schief stehende Zähne oder lückenhafte Zahnreihen viele Menschen unsicher, wenn sie den Mund öffnen. Hier können kieferorthopädische Maßnahmen auch bei Erwachsenen helfen, denn Zähne lassen sich lebenslang bewegen, egal mit welchen Behandlungsmitteln.

Von „Kosmetik“, wie häufig kritisiert wird, ist hierbei jedoch nicht die Rede, denn diese umfasst nur das Anwendungsgebiet von äußerlichen Verschönungsmitteln wie Make-up, Farb- und Lippenstifte sowie Botox. Damit haben wir nichts zu tun!

Neuartige Behandlungsmethoden erfüllen Patientenwünsche

Für die meisten Patienten steht der Wunsch nach möglichst „unsichtbaren Spangen“ im Vordergrund – die finanziellen Aufwendungen der Privatbehandlung rücken dabei eher in den Hintergrund. Diesen Wunsch nach „unsichtbaren Behandlungsmitteln“ können wir durch verschiedene neuartige Behandlungsmethoden erfüllen – sowohl festsitzende als auch herausnehmbare:

Lingual-Brackets

Sogenannte Lingual-Brackets sind zungen- und gaumenseitig angebracht und daher nicht sichtbar. Sie erlauben jegliche Art von notwendigen Zahnbewegungen, um „schiefe Zähne“ zu beseitigen (Abb. 1 und 2: Lingualsystem Incognito).

… und den Unterkiefer. (Foto: Hinz)

Abb. 2: … und den Unterkiefer. (Foto: Hinz)

Die Klebebasis der einzelnen Brackets ist individuell an die jeweiligen anatomisch vorgegebenen Zahnformen angepasst. Die orthodontischen Bögen werden durch einen Biege-Roboter angefertigt. Die aufwendigen Kosten können für „ästhetische“ Behandlungen im Frontzahnbereich durch nur sechs oder acht Brackets gemindert werden. Dieses Behandlungsmittel ist sicher für die Zungen etwas gewöhnungsbedürftig – aber wer schön sein will, muss manchmal doch ein wenig leiden.

Invisalign- und Clear Aligner-Methode

Weniger belastend und etwas preisgünstiger ist die Anwendung hochelastischer dünner Kunststoffschienen, als Invisalign-Methode bekannt, die im Ausland konstruiert und hergestellt werden.

Zeitlich parallel dazu ist die Clear Aligner-Methode entwickelt worden, die im Gegensatz zu Invisalign im Praxis- oder gewerblichen Labor durch Tiefziehgeräte hergestellt werden können. Bei der Clear Aligner-Behandlung muss zur Herstellung eines Schienensatzes nach sechs bis acht Wochen eine neuer Abdruck genommen werden, während bei Invisalign alle erforderlichen Schienen anhand eines Kiefermodellpaars geliefert werden.

Da bei diesen beiden und ähnlichen anderen Methoden drei bis vier Schienen erforderlich sind, um eine Zahnbewegung von einem Millimeter zu erreichen, ist der Schienenaufwand generell groß und entsprechend teuer.

Modifizierte Clear Aligner-Schienen

Die besonders zur Erwachsenenbehandlung geeigneten Clear Aligner-Schienen haben wir durch Einbau von Druckschrauben modifiziert. Unser Ziel war es dabei, die durchlaufenden Fremdlaborkosten zu vermindern. Dies gelang durch:

  • geringere Schienenanzahl
  • Einsparung hoher Laborkosten
  • Verkürzung der Behandlungszeiten
  • weniger Zahnschmelzreduzierung

In die neu entwickelten Schienen werden Dehnschrauben eingearbeitet, die als erstes den notwendigen Platz in der Breite schaffen, um die außerhalb des normalen Zahnbogens stehenden Zähne einordnen zu können. Gaumenwärts stehende Zähne werden mithilfe nur einer Schiene und sehr kleinen Federbolzen-Druckschrauben in relativ kurzer Zeit eingeordnet, da die Schrauben alle ein bis zwei Tage weitergestellt werden können (Abb. 3 bis 5).

Gaumenwärts stehende Zähne werden mithilfe nur einer Schiene und sehr kleinen Federbolzen-Druckschrauben … (Abb. Hinz)

Gaumenwärts stehende Zähne werden mithilfe nur einer Schiene und sehr kleinen Federbolzen-Druckschrauben … (Abb. Hinz)

Gaumenwärts stehende Zähne werden mithilfe nur einer Schiene und sehr kleinen Federbolzen-Druckschrauben … (Foto: Hinz)

Gaumenwärts stehende Zähne werden mithilfe nur einer Schiene und sehr kleinen Federbolzen-Druckschrauben … (Foto: Hinz)

… da die Schrauben alle ein bis zwei Tage weitergestellt werden können. (Foto: Hinz)

Abb: 5: … da die Schrauben alle ein bis zwei Tage weitergestellt werden können. (Foto: Hinz)

TurboAligner verkürzen die Behandlungszeit

Diese Methode wurde auch im nachfolgenden Behandlungsfall angewandt: Hier wurde als erstes ein Aligner mit einer Dehn- und Federbolzenschraube etwa sechs Wochen getragen.

Danach folgte etwa acht Wochen lang nur ein Aligner mit Federbolzenschraube (Abb. 6), und daran anschließend zwei Steps (= sechs Clear Aligner-Schienen) zur Feineinstellung.

Im vorgestellten Behandlungsfall wurde als erstes ein Aligner mit einer Dehn- und Federbolzenschraube etwa sechs Wochen getragen. Danach folgte etwa acht Wochen lang nur ein Aligner mit Federbolzenschraube, daran anschließend zwei Steps (= sechs Clear Aligner-Schienen) zur Feineinstellung. (Foto: Hinz)

Abb. 6: Im vorgestellten Behandlungsfall wurde als erstes ein Aligner mit einer Dehn- und Federbolzenschraube etwa sechs Wochen getragen. Danach folgte etwa acht Wochen lang nur ein Aligner mit Federbolzenschraube, daran anschließend zwei Steps (= sechs Clear Aligner-Schienen) zur Feineinstellung. (Foto: Hinz)

Nach einer Gesamtbehandlungszeit von knapp fünf Monaten konnte die Behandlung mit Einsetzen eines Lingualretainers abgeschlossen werden (Abb. 7 bis 10).

Abb. 7 bis 10: Nach einer Gesamtbehandlungszeit von knapp fünf Monaten konnte die Behandlung mit Einsetzen eines Lingualretainers abgeschlossen werden. (Fotos: Hinz)

Abb. 7: Nach einer Gesamtbehandlungszeit von knapp fünf Monaten konnte die Behandlung mit Einsetzen eines Lingualretainers abgeschlossen werden. (Foto: Hinz)

Abb. 8

Abb. 8 (Foto: Hinz)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 9 (Foto: Hinz)

Abb. 9 (Foto: Hinz)

Abb. 10 (Foto: Hinz)

Abb. 10 (Foto: Hinz)

Das System TurboAligner verkürzt die Behandlungszeit um die Hälfte und benötigt nur halb so viele Aligner wie alle anderen Schienen-Systeme. Sie können als alleiniges Initialgerät vor jeder anderen Schienenmethode angewandt werden, um die Vorteile der schraubenaktiven Aligner zu nutzen.
Prof. Dr. Rolf Hinz, Herne

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