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- Praxissoftware: lokal gegen Cloud
- Wie KI die Diagnostik verändert
- Blutungsfreie Intraoralscans: neue Hardware, neue Möglichkeiten
- Fertigung: Fräsen und vorgesintertes Zirkonoxid
- Provisorische Lösungen bei Implantatbehandlungen
- 3‑D‑Druck: mehr Farbe, mehr Einsatzfelder
- Adhäsion: kleben bleibt Präzisionsarbeit
Auf dem diesjährigen Cerec-Treffen, das unter dem Schlagwort „Chairside Days“ neue Technologien für die Zahnarztpraxis in den Mittelpunkt rückte, zeigte sich deutlich: Cloud‑lösungen und KI verändern Abläufe am Behandlungsstuhl – von Diagnose über Planung bis zur Fertigung. Für Praxen bedeutet das schnellere Entscheidungen, geringere IT‑Kosten und neue Möglichkeiten in der Patientenkommunikation.
Praxissoftware: lokal gegen Cloud
Dr. Andreas Kurbad aus Viersen stellte die traditionelle, serverbasierte Praxissoftware der cloudgestützten Plattform gegenüber. Die Cloud übernimmt Patientenverwaltung, Bilddaten (DICOM) und Abrechnung – und erlaubt den Zugriff auf Behandlungsdaten von unterwegs.
Der Vorteil liegt nicht nur in der Mobilität: Durch ausgelagerte Speicherung in zertifizierten Rechenzentren entfallen laufende Wartungskosten für eigene Server, automatische Backups und Updates reduzieren Ausfallrisiken. Kurbad empfiehlt Einsteigern die webbasierte Version, da künftige Weiterentwicklungen offenbar primär cloudbasiert geplant sind.
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Wie KI die Diagnostik verändert
In Zürich hat Dr. Alessandro Devigus seine Praxis vollständig digitalisiert und schilderte, wie KI die Befundung künftig ergänzen kann. Röntgenaufnahmen werden automatisiert analysiert, prothetische und implantologische Planungen lassen sich simulieren – inklusive Vorschlägen für Abutments und Prüfung des Gegenbisses.
Devigus betont zwei konkrete Effekte: Zum einen sinkt das Risiko übersehener Befunde, zum anderen wird die Befunddokumentation reproduzierbarer. Visuelle Simulationen verbessern außerdem die Aufklärungsgespräche mit Patientinnen und Patienten.
Blutungsfreie Intraoralscans: neue Hardware, neue Möglichkeiten
Ein Beispiel für KI‑gestützte Hardware präsentierte Kurbad mit dem Intraoralscanner MasterScan Lilivis. Das Gerät kombiniert kohärenztomografische Lichttechnik mit KI‑Filtern, um Zahnsubstanz und Weichgewebe in einem farbigen 3‑D‑Videostream darzustellen.
Wichtig für die klinische Praxis: Der Scanner erkennt Blutungsartefakte während der Aufnahme und kann diese ausblenden, sodass Präparationsgrenzen trotz Sulcusblutungen sauber erfasst werden. Für die Bildverarbeitung sind leistungsstarke Grafikeinheiten und ausreichend Arbeitsspeicher vorgesehen; als Exportformate stehen gängige Dateitypen wie STL, OBJ und PLY zur Verfügung.
Fertigung: Fräsen und vorgesintertes Zirkonoxid
Zum Chairside‑Workflow gehört die computergestützte Fertigung. Die Fräseinheit DCS MasterMill arbeitet mit mehreren Achsen und feinsten Schleifwerkzeugen, um dünne Kronenränder und monolithische Abutmentkronen präzise herauszuarbeiten.
Neu vorgestellt wurde eine vorgesinterte Zirkonoxid‑Materiallinie namens Perfit. Weil die Blöcke bereits vorgesintert sind, entfällt die nachträgliche Hochtemperatur‑Sinterung mit damit verbundener Volumenveränderung; die Herstellerangabe nennt eine Biegefestigkeit von rund 700 MPa. Das vereinfacht die Chairside‑Produktion vor allem im Frontzahnbereich.
Provisorische Lösungen bei Implantatbehandlungen
Dr. Christian Moussally aus Paris erläuterte Konzepte für die Sofortversorgung nach Extraktion. Wo eine ausreichende Primärstabilität gegeben ist, können provisorische Restaurationen direkt eingesetzt werden – das erhöht den Tragekomfort und erlaubt funktionelle Belastung im Heilungsverlauf.
Fehlt die nötige Stabilität, rät Moussally zu temporären, nicht osseointegrierten Trägerelementen oder zu 3‑D‑gedruckten Brücken aus Polymer, die als kostengünstige, ästhetische Übergangslösungen dienen. Anpassbare Gingivaformer helfen, Weichgewebe während der Einheilphase zu modellieren.
3‑D‑Druck: mehr Farbe, mehr Einsatzfelder
Der 3‑D‑Druck hat sich weiter professionalisiert: Praxisnahe Workflows ermöglichen den Druck von Aufbissschienen, Retainern, Alignern und Interimsprothesen. Neu sind eingefärbte Druckmaterialien, die mehrfarbige Objekte direkt erzeugen und sich auch für flexible Interimslösungen eignen.
ZT Jens Richter aus Rochlitz demonstrierte, wie Interimsprothesen in biokompatiblem Kunststoff schichtweise hergestellt werden können – sowohl als einteiliges Werkstück als auch modular (Basis und Zahnkranz getrennt). Diese Chairside‑Versorgungen sind für die Einheilphase von Implantaten besonders relevant.
Adhäsion: kleben bleibt Präzisionsarbeit
PD Dr. José Zorzin aus Erlangen wies darauf hin, dass verschiedene Keramiken unterschiedliche Befestigungsstrategien erfordern. Glasbasierte und hybride Keramiken profitieren deutlich von einer adhäsiven Befestigung, weil so ein dauerhafter Verbund zur Innenfläche entsteht und Zugspannungen reduziert werden.
Zirkonoxid kann aufgrund seiner Stabilität konventionell zementiert werden; doch empfiehlt Zorzin Glasionomerzemente gegenüber klassischen Phosphatzementen. Zur Verbesserung der Haftung lässt sich die Innenfläche durch Sandstrahlen mit Aluminiumoxid vorbereiten.
Als klinisch relevante Neuerung stehen selbstadhäsive Befestigungskomposite zur Verfügung. Sie vereinfachen die Anwendung, da sie auf separate Ätz‑ und Bondingschritte verzichten, sind aber in der Handhabung nicht völlig unkritisch: Bei kombinierten Verfahren (z. B. zusätzliche Schmelzätzung) muss das Dentin geschützt werden, damit die Haftkraft nicht leidet.
- Was Praxen jetzt prüfen sollten: Migration von Servern in die Cloud, Datensicherheit und Backup‑Strategien.
- KI‑Piloten starten: Röntgenanalysen und Designvorschläge zunächst begleitend nutzen, um Fehlerquoten zu prüfen.
- Intraoralscanner mit Blutungsfilterung erwägen, um Scanwiederholungen zu reduzieren.
- Vorgesinterte Materialien testen, wenn schnellere Chairside‑Abläufe gewünscht sind.
- 3‑D‑Druck für temporäre Versorgungen budgetieren: Materialkosten sinken, Flexibilität steigt.
Die vorgestellten Entwicklungen zeigen: Digitale Werkzeuge streben nicht nur nach Effizienz, sie verändern auch klinische Entscheidungen und Patientendialoge. Für Praxen heißt das, Technik und Prozesse gezielt zu prüfen – und die digitale Ausstattung schrittweise an den klinischen Bedarf anzupassen.












