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Am 31. März ist Prof. Dr. Peter Rammelsberg offiziell in den Ruhestand gegangen — nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Heidelberg. Sein Weg hat die Klinik von handwerklich geprägten Abläufen hin zu digitalen Herstellprozessen und neuen Keramiktechnologien geführt; die Abteilung übergibt er jetzt an Prof. Dr. Andreas Zenthöfer.
Digitaler Umbau und neue Materialien
Als Rammelsberg 2001 nach Heidelberg wechselte, war Zahnersatz noch größtenteils Handarbeit. Unter seiner Leitung wurde die Produktionskette Schritt für Schritt auf **CAD/CAM** umgestellt — von der digitalen Planung bis zur maschinellen Fertigung.
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Ein weiterer Meilenstein war die systematische Einführung von **Zirkoniumdioxid** als Standardwerkstoff für Kronen und Brücken. Sein Team untersuchte das Material in zahlreichen Studien und trug dazu bei, dass monolithische Vollkeramik ohne empfindliche Verblendungen klinisch etabliert werden konnte.
Seit 2022 arbeitet die Poliklinik zudem mit einem der ersten industriellen **3D-Drucker für Zirkoniumdioxid** in Deutschland; eine erste klinische Studie zu gedruckten Hochleistungskeramiken läuft derzeit.
Die gesamte Prozesskette im Blick
Rammelsberg setzte konsequent darauf, dass Klinik, Labor und Materialprüfung eng verzahnt sind. Das zahntechnische Labor wurde modernisiert, das Werkstofflabor ausgebaut und ein Kausimulator installiert, der Materialbelastungen im Zeitraffer nachstellt.
Die Kombination aus klinischer Versorgung und eigener Fertigung ermöglicht es, Implantatversorgung, Kronen, Brücken und Prothesen aus einer Hand anzubieten — ein klarer Vorteil für Patienten, aber auch für Ausbildung und Forschung.
Forschungsschwerpunkte mit klinischem Praxisbezug
Die Forschungsarbeit der Abteilung fokussierte sich systematisch auf Fragestellungen mit direktem Einfluss auf die Patientenversorgung: minimalinvasive Implantatverfahren, die klinische Bewertung neuer Werkstoffe und die Diagnostik sowie Therapie von Kiefergelenkserkrankungen.
In Zusammenarbeit mit der Neuroradiologie wurden MRT-basierte Diagnoseverfahren verbessert. Bereits ab 2002 bildete das Team in Heidelberg nach dem internationalen Standard RDC/TMD aus und war maßgeblich an der deutschen Übertragung und Validierung des Folgeinstruments DC/TMD beteiligt.
Lehre und wissenschaftlicher Nachwuchs
Lehre und Forschung sollten bei Rammelsberg Hand in Hand gehen. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren regelmäßig in den Studienbetrieb eingebunden, was zu einer bemerkenswerten Betreuungsbilanz führte: An der medizinischen Fakultät Heidelberg haben bisher 16 Forschende bei ihm habilitiert; mehrere weitere Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss.
| Jahr / Period | Meilenstein |
|---|---|
| 1980–1990er | Studium und frühe klinische Tätigkeiten in Würzburg, Regensburg und München |
| 1994 | Habilitation |
| 1998–1999 | C3-Professur in München; Gastprofessur in Seattle |
| 2001 | Übernahme der Leitung der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Heidelberg |
| 2004–2010 | Studiendekan der Zahnmedizin |
| 2008–2010 | Präsidentschaft der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten |
| 2011 | Erweiterte Leitungsaufgaben als Geschäftsführender Direktor der Mund-, Zahn- und Kieferklinik |
| 2022 | Einführung eines 3D-Druckers für Zirkoniumdioxid; Start einer klinischen Studie |
| 31. März (aktuelles Jahr) | Ruhestand; kommissarische Nachfolge durch Prof. Dr. Andreas Zenthöfer ab 1. April |
Was das für Patienten, Studierende und Forschung bedeutet
- Patienten profitieren von kürzeren Produktionswegen und integrierter Versorgung, was Qualität und Nachsorge verbessert.
- Studierende erhalten eine praxisnahe Ausbildung, weil Klinik und Labor eng verzahnt sind.
- Forschungsprojekte können auf langjährig dokumentierte klinische Fälle und moderne Laborausstattung zurückgreifen.
Die Poliklinik betreut derzeit im Jahresdurchschnitt rund 18.000 Patientenkontakte — ein Indiz für die hohe Leistungsdichte der Einrichtung.
Kurzprofil: Rammelsberg
Peter Rammelsberg, 1959 in Berlin geboren, studierte Zahnmedizin in Würzburg und arbeitete anschließend an den Universitätskliniken in Regensburg und München. Nach Habilitation und Lehrstuhl in München folgte 2001 der Wechsel nach Heidelberg. Neben seiner Leitungsfunktion in der Prothetik war er seit 2011 auch geschäftsführender Direktor der Mund-, Zahn- und Kieferklinik.
Seine Nachfolge als ärztlicher Leiter übernimmt kommissarisch ab dem 1. April Prof. Dr. Andreas Zenthöfer, derzeit Leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Biomaterial und Werkstoffkunde.
Mit dem personellen Wechsel steht die Poliklinik vor der Aufgabe, den begonnenen technologischen Wandel weiterzuführen — vom etablierten Einsatz von CAD/CAM über Forschung an gedruckten Keramiken bis zur Fortentwicklung klinischer Diagnostik.












