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Patientinnen und Patienten der Geriatrie an der Universitätsmedizin Halle bekommen seit Kurzem routinemäßig eine zahnärztliche Einschätzung während ihres stationären Aufenthalts. Die neue Kooperation zwischen Altersmedizin und Zahnheilkunde soll Behandlungslücken schließen und direkte Folgen schlechter Mundgesundheit im Alter früher erkennen.
Was sich konkret ändert
Im Zentrum der Zusammenarbeit steht eine systematische zahnärztliche Befundung für stationär aufgenommene Seniorinnen und Senioren. Dazu wurde die bisherige Poliklinik für Prothetik 2025 offiziell erweitert und firmiert nun unter dem Namen Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Alterszahnmedizin.
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Zahnärztliche Sprechstunde in der Geriatrie: sofortiger Befund für Senioren
Parallel dazu wird die Alterszahnmedizin im Studium stärker verankert: Ab dem kommenden Sommersemester ist eine interdisziplinäre Vorlesungsreihe geplant, die geriatrische, zahnmedizinische, pflegerische und rechtliche Aspekte zusammenführt.
Warum das für Betroffene wichtig ist
Viele ältere Menschen scheuen den Zahnarztbesuch wegen eingeschränkter Mobilität oder fehlender Unterstützung; außerdem wird der Behandlungsbedarf oft unterschätzt. In der Klinik bemerken Fachleute, dass Prothesen über Jahre nicht kontrolliert oder angepasst werden – was Ess- und Sprechfunktionen beeinträchtigen und Folgeerkrankungen begünstigen kann.
Durch die integrierte Befundung erhalten stationäre Patientinnen und Patienten eine konkrete Einschätzung und individuelle Empfehlungen für die Weiterbehandlung, auch wenn sie wegen anderer Erkrankungen in der Klinik sind.
- Routinemäßige Befundung während des Klinikaufenthalts
- Offizielle Umbenennung der Prothetik-Poliklinik (2025)
- Interdisziplinäre Lehrangebote für Studierende (Start ab Sommersemester)
- Individuelle Therapieempfehlungen statt pauschaler Maßnahmen
- Fokus auf erreichbare, altersgerechte Lösungen statt Einheitsbehandlung
Die Projektpartner betonen, dass Qualitätsstandards für Zahnersatz und Füllungen weiterhin gelten – die Herausforderung liegt vielmehr darin, Behandlungsziele an die Lebensumstände und die medizinische Gesamtsituation Älterer anzupassen. Ein Beispiel: Ein vitaler 85-Jähriger, der mobil ist, könnte von implantatgetragenem Zahnersatz profitieren; für eine 73-jährige Patientin nach einem Schlaganfall kann dieselbe Lösung ungeeignet sein.
„Der regelmäßige fachliche Austausch zwischen Geriatrie, Zahnmedizin und Pflege ist für alle Beteiligten gewinnbringend“, sagt eine leitende Ärztin der Altersmedizin am Haus. Die Kooperation ermögliche es, Versorgungslücken zu erkennen und Behandlungsvorschläge unmittelbar in den Entlassungsplan zu integrieren.
Langfristige Perspektiven
Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft sehen die Verantwortlichen zunehmenden Handlungsbedarf: Die Universitätsmedizin hat darum Altersmedizin und Altersforschung bereits als Schwerpunkte definiert. Ziel ist es, besser zu den besonders vulnerablen Patientengruppen vorzudringen und so einen Beitrag zum gesunden Altern zu leisten.
Für Angehörige und Pflegende bedeutet das: Mehr frühzeitige Diagnostik, klarere Empfehlungen nach Klinikaufenthalten und bessere Vernetzung zwischen ambulanten und stationären Angeboten. Für die zahnärztliche Praxis könnte die Kooperation Vorbildcharakter haben, indem sie zeigt, wie geriatrische Bedürfnisse in Routineprozesse integriert werden können.












