DGI startet neue Ära für digitale Lösungen: Anwender profitieren sofort

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Beim 40. DGI‑Kongress in Hamburg (26.–28. November) rücken junge Implantologen deutlich stärker in den Mittelpunkt: Die Nachwuchsorganisation DGI Next Generation erhielt fast hundert Abstracts und hat deshalb das Programm erweitert. Das hat Folgen für Vortragsslots, Hands‑on‑Angebote und Fördermittel — und macht die Tagung zu einem wichtigen Treffpunkt für Studierende und junge Zahnärzte.

Mehr Raum für Forschung und Praxis

Aus Aachen berichtet Dr. Lukas Waltenberger vom Team der Next Generation, dass die Einreichungen nicht nur zahlreich, sondern auch inhaltlich stark waren. Insgesamt gingen 99 Abstracts ein; die Bandbreite reichte von klassischen Fallberichten bis zu experimentellen Studien.

Weil die Qualität hoch ist, wurde die Anzahl der wissenschaftlichen Kurzvorträge erhöht: Statt acht präsentieren nun zwölf Nachwuchswissenschaftler ihre Arbeiten live auf der Bühne. Ziel ist klar: Mehr Sichtbarkeit für junge Forschung und echte Diskussionen, nicht nur reine Präsentation.

Wie das Wissenschaftsforum abläuft

Das Forum verteilt sich über zwei Kongresstage und beginnt am Freitag mit dem Posterforum. Von 46 eingereichten wissenschaftlichen Postern wurden die 20 bestbewerteten für kurze Präsentationen ausgewählt; die Autoren stellen ihre Ergebnisse zwischen 13 und 15 Uhr vor und diskutieren mit dem Publikum.

Posterforum mit Nachwuchsforschern in heller Kongressatmosphäre
Posterpräsentationen bieten Raum für Diskussion und Vernetzung.

Am Freitagnachmittag finden außerdem die Präsentationen für den Young Clinician Award statt. Sieben Kandidatinnen und Kandidaten treten an; der Sieger erhält nicht nur das Preisgeld, sondern präsentiert den prämierten Fall am Samstag nochmals im Hauptprogramm.

Samstagvormittag stehen die wissenschaftlichen und klinischen Kurzvorträge im Fokus. Für jeden Beitrag ist ein eigener Slot mit anschließender Diskussion vorgesehen, um einen echten fachlichen Austausch sicherzustellen.

Worüber der Nachwuchs forscht

Mehrere Themenfelder dominieren die Einreichungen. Besonders häufig genannt wurden digitale Verfahren und automatische Auswertungstechniken. Daneben spielen entzündliche Komplikationen und patientenbezogene Ergebnisse eine große Rolle.

Waltenberger fasst die Schwerpunkte so zusammen: Neben dem digitalen Workflow und der künstlichen Intelligenz sind die Prävention und Behandlung der Periimplantitis sowie Materialien für den Weichgewebeersatz zentrale Forschungsthemen. Ebenfalls gefragt sind Langzeitdaten und sogenannte patient‑reported outcomes, also Befragungen zur Belastung und Zufriedenheit nach Therapien.

Praktische Angebote: Hände‑an‑die‑Arbeit

Die Next Generation setzt wie gewohnt auf praktische Formate. Am Freitag finden zwei Hands‑on‑Workshops statt: Einer verbindet analoge und digitale Ansätze in der Implantatplanung, der andere widmet sich Naht‑ und Schnitttechniken an Schweinekiefern.

Teilnehmende üben Nahttechniken an Modellen in einem Hands‑on‑Workshop
Hands‑on‑Workshops kombinieren analoge und digitale Techniken für Einsteiger.

Diese Workshops sind ausdrücklich für Einsteiger geeignet; Vorerfahrung ist nicht zwingend erforderlich. Gleichzeitig sollen auch Kolleginnen und Kollegen mit bereits absolviertem Curriculum profitieren — das Niveau ist so gewählt, dass verschiedene Lernstände abgeholt werden.

  • Für Einsteiger: Grundlagen, strukturierter Einstieg, realistische Demonstrationen.
  • Für Fortgeschrittene: Spezifische Techniken und Kombinationslösungen (analog/digital).
  • Praktische Umsetzung: Übungen an Modellen und tierischem Gewebe, unmittelbares Feedback.

Entscheidungshilfen für junge Behandler

Am Samstag diskutieren Referenten praktische Fragen, die Einsteiger oft beschäftigen: Erleichtert navigierte Implantologie den Einstieg, oder ist sie erst bei geübteren Anwendern sinnvoll? Ist die Hybridprothetik noch zeitgemäß? Und: Ziehen wir manchmal zu schnell Zähne — oder ist Implantatversorgung die überlegene Option?

Referenten sind unter anderem Dr. Waltenberger selbst, Dr. Pauline Gutmann (Frankfurt) und Dr. Paul Henn (Ölbronn‑Dürrn). Der Fokus liegt nicht auf spektakulären Techniken, sondern auf Alltagstauglichkeit: Was lässt sich am Anfang sicher und verantwortbar umsetzen, wie trifft man evidenzbasierte Entscheidungen, wie baut man Schritt für Schritt ein eigenes Behandlungskonzept auf?

Finanzielle Förderung für Teilnehmende

Die Osteology Foundation unterstützt die Nachwuchsteilnehmer mit Travel Grants. Förderungen von bis zu 250 Euro sind für die 20 bestbewerteten Poster, für die Kurzvorträge und für die Teilnehmer am Young Clinician Award vorgesehen. Zusätzlich werden Preise vergeben:

  • 1.500 Euro für den besten wissenschaftlichen Kurzvortrag
  • 1.500 Euro für den besten klinischen Kurzvortrag
  • 1.000 Euro für das beste wissenschaftliche Poster
  • 1.000 Euro für die beste Fallpräsentation

Bedeutung für Studierende und Berufsanfänger

Das Forum bietet Studierenden die Chance, Forschungsthemen zu sondieren und potenzielle Doktorarbeiten zu erkennen. Außerdem können sie Kontakte zu Arbeitsgruppen knüpfen und ein Bild davon gewinnen, welche Kliniken zu ihren Forschungsinteressen passen.

Auch ohne eigene Präsentation lohnt sich der Besuch: Fragen stellen, zuhören, Netzwerke aufbauen — all das ist Teil der Ausbildung junger Zahnärzte und wird von der Next Generation bewusst gefördert.

Blick nach vorn: Wo noch geforscht werden muss

Obwohl digitale Tools und Navigationssysteme rasch Einzug in die Praxis halten, fehlen in vielen Bereichen noch belastbare klinische Daten und Langzeitbelege. Besonders bei digitalen Restaurationsprotokollen für zahnlose Kiefer dominieren bislang Labor- und In‑Vitro‑Studien; klinische Langzeitergebnisse sind rar.

Auch die Periimplantitis bleibt ein ungelöstes Feld: Bis 2026 gibt es noch keine Standardtherapie, die eine dauerhaft vorhersagbare Heilung sicherstellt. Ein weiteres offenes Thema ist die individuelle Therapieplanung — wie lässt sich die persönliche Ausgangssituation eines Patienten besser integrieren, ohne Effizienz oder spätere Optionen einzuschränken?

Beispiele für Forschungsfragen, die weiter bearbeitet werden sollten:

  • Welcher patientenbezogene Nutzen entsteht durch bestimmte digitale Arbeitsabläufe?
  • Welche Therapiekonzepte führen zu stabilen, vorhersagbaren Ergebnissen bei Periimplantitis?
  • Ab wann ist Zahnerhalt langfristig günstiger für Patientenzufriedenheit und zukünftige Therapiewahl?

Insgesamt zeigt die Resonanz auf das Wissenschaftsforum: Die nächste Implantologie‑Generation arbeitet an technisch anspruchsvollen, aber gleichzeitig praxisrelevanten Fragen. Der Kongress in Hamburg dürfte deshalb nicht nur für Nachwuchswissenschaftler, sondern für alle klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen einen wertvollen Überblick über aktuelle Entwicklungen liefern.

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