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Periimplantitis stellt Zahnärzte weiter vor erhebliche Herausforderungen: Neue Daten aus einer retrospektiven Kohortenanalyse an einem deutschen Universitätszentrum zeigen, dass chirurgische Eingriffe zwar oft entzündungshemmend wirken, aber nur bei einem Teil der Fälle langfristig zur Ruhe führen. Die Studie liefert konkrete Zahlen zu Erfolgsraten und Risikofaktoren – relevant für Therapieentscheidungen in der Praxis.
Studie, Setting und Gegensatz von Anspruch und Ergebnis
Untersucht wurden 223 Patientinnen und Patienten mit insgesamt 406 chirurgisch behandelten Implantaten; die Eingriffe erfolgten durch vier erfahrene Operateurinnen und Operateure in einem spezialisierten universitären Zentrum. Analysiert wurden vier chirurgische Strategien: offenes Debridement, Implantoplastik, rekonstruktive Verfahren mit Knochenersatzmaterial und kombinierte Techniken.
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Wichtig für die Einordnung: Eingeschlossen wurden nur schraubenförmige Titanimplantate mit rauer Oberfläche. Patientinnen und Patienten hatten zuvor eine Parodontitisbehandlung erhalten und standen unter regelmäßiger Nachsorge.
Was die Studie als Erfolg definierte
Als Behandlungserfolg nach 12 Monaten galt ein klares klinisches Zielbild: Sondierungstiefen von maximal 5 mm, Blutung auf Sondieren höchstens an einer Stelle und keinerlei Spur von Suppuration. Zusätzlich wurden Implantatverlust und Nachoperationen während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von rund 31 Monaten dokumentiert.
Kernergebnisse in Zahlen
| Verfahren | Anzahl Implantate | Erfolgsrate nach 1 Jahr |
|---|---|---|
| Offenes Debridement | 37 | 62,5 % |
| Implantoplastik | 39 | 58,3 % |
| Rekonstruktive Therapie | 241 | 55,4 % |
| Kombinierte Verfahren | 89 | 48,3 % |
| Gesamt | 54,7 % | |
Während der Nachbeobachtungszeit kam es zu einem Implantatverlust bei 9,9 % der Fälle; bei weiteren 9,4 % war eine erneute chirurgische Intervention erforderlich.
Welche Faktoren den Ausgang beeinflussen
Die Auswertung zeigte kein klar überlegendes chirurgisches Konzept: Aufwendigere rekonstruktive oder kombinierte Eingriffe erzielten keinen signifikanten Vorteil gegenüber weniger komplexen Maßnahmen wie offenem Debridement oder Implantoplastik. Stattdessen traten andere Einflussgrößen hervor.
- Operateur-Effekt: Unterschiede zwischen Behandlern korrelierten mit den einjährigen Resultaten.
- Antibiotikagabe: Der Einsatz systemischer Antibiotika war mit dem Therapieerfolg assoziiert.
- Lokale Risikofaktoren: Implantate im Molarenbereich und initial vorhandene Suppuration erhöhten das Risiko für späteren Verlust.
- Tiefere Ausgangssondierungen sowie Prothesen vom Overdenture-Typ hingen häufiger mit der Notwendigkeit einer Reoperation zusammen.
Klinisch überraschend: In dieser Kohorte zeigte der Raucherstatus keinen unabhängigen Einfluss auf Erfolg oder Implantatverlust. Eine getrennte Bewertung der parodontalen Vorgeschichte war nicht möglich, weil alle Patienten zuvor parodontal behandelt und in Nachsorge waren.
Was das für den Praxisalltag bedeutet
Für Behandlerinnen und Behandler lautet die nüchterne Botschaft: Chirurgische Maßnahmen können eine Periimplantitis nicht in allen Fällen dauerhaft kontrollieren. Nur rund die Hälfte der Implantate erreichte nach einem Jahr die definierten stabilen Verhältnisse.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Entscheidung für ein aufwendiges rekonstruktives Vorgehen nicht automatisch bessere Langzeitergebnisse garantiert. Stattdessen sollten Therapieplanung und Erwartungsmanagement stärker an folgenden Punkten ausgerichtet werden:
- Defektmorphologie und Implantatlage als zentrale Entscheidungsgrößen
- Berücksichtigung des Operateur-Erfahrungsniveaus und ggf. interdisziplinäre Fallbesprechung
- Klare Aufklärung der Patientinnen und Patienten über realistische Erfolgsaussichten und das Risiko von Reinterventionen
- Langfristige Nachsorge zur frühzeitigen Erkennung von Rezidiven
In Fällen mit geeigneter Defektmorphologie kann ein resektives Vorgehen mit Implantoplastik eine sinnvolle und ressourcenschonende Alternative zu komplexen Rekonstruktionen sein. Zugleich zeigen die implantatverluste und Reoperationen, dass chirurgische Therapie nicht gleichzusetzen ist mit einer sicheren Heilung.
Fazit und Relevanz
Die Studie aus einem deutschen Universitätszentrum (Zhou et al., Journal of Clinical Periodontology, 2026) liefert pragmatische Evidenz: Bei Periimplantitis ist die Auswahl des chirurgischen Verfahrens nur ein Teil des Erfolgs, andere Faktoren wie Infektionszeichen, Defekttyp und Behandlerqualifikation sind mindestens ebenso entscheidend. Für die klinische Praxis heißt das: Therapieindividualisierung und verlässliche Nachsorge bleiben zentrale Elemente, um langfristig entzündungsfreie Verhältnisse zu erreichen.
Studie: Zhou W., Ramanauskaite A., Raabe C., et al. – Treatment Outcome of Surgical Protocols for Peri-Implantitis: A Retrospective Cohort Study in a Specialised University Centre (Journal of Clinical Periodontology, 2026).











