KI-Tool Smart View Detect beschleunigt DVT-Auswertung und erhöht die Diagnosesicherheit

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

Ein neues KI-Werkzeug von Dentsply Sirona verspricht, die Erkennungsrate von entzündlichen Zahnbefunden in 3D-Röntgenaufnahmen deutlich zu erhöhen – eine Entwicklung, die Diagnostik, Therapieplanung und Patientenkommunikation zugleich beeinflussen kann. Die Anwendung ist über DS Core verfügbar und lässt sich sowohl mit bestehenden als auch neuen DVT-Systemen des Herstellers betreiben.

Dentsply Sirona hat mit Smart View – Detect ein KI-gestütztes Hilfsmittel vorgestellt, das von der US-Behörde FDA zugelassen ist und in Europa eine CE-Kennzeichnung trägt. Es ist laut Hersteller das erste System dieser Art zur Unterstützung bei der Erkennung von periapikalen Radioluzenzen (PARLs) in DVT-Aufnahmen.

Warum das jetzt relevant ist: PARLs sind häufig und klinisch bedeutsam, weil sie oft eine endodontische Behandlung nach sich ziehen. Untersuchungen schätzen, dass rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung mindestens einen betroffenen Zahn haben kann (Tibúrcio‑Machado et al., 2021). Gleichzeitig ist die Auswertung großer 3D-Volumen für viele Praxen aufwendig – an dieser Stelle setzt die neue Software an.

Die Anwendung kennzeichnet potenziell relevante Bereiche in den DVT-Datensätzen visuell, sodass Befunder schneller auf Auffälligkeiten hingewiesen werden. Das soll nicht nur die Arbeitsabläufe beschleunigen, sondern auch helfen, Befunde für Patientinnen und Patienten verständlicher darzustellen. Dentsply Sirona betont dabei ausdrücklich, dass die Software eine Befundhilfe ist und keine abschließende Diagnose liefert.

In einer internen klinischen Studie, in der mehrere Zahnärzte Fallbeispiele mit und ohne KI-Unterstützung verglichen, erhöhte Smart View – Detect die Sensitivität bei der Erkennung von PARLs auf Zahnebene um rund 46 Prozent, ohne dass sich falsch-positive Befunde signifikant häuften. Das bedeutet: Auffälligkeiten wurden häufiger gefunden, ohne die Zahl irrtümlicher Markierungen stark zu steigern.

Praxisnähe und Patientenkommunikation

Die visuelle Hervorhebung relevanter Bereiche wirkt sich doppelt aus: Sie beschleunigt die Befundung in der Praxis und erleichtert zugleich die Erklärung gegenüber Patientinnen und Patienten. Laut Dentsply Sirona soll das Vertrauen in die Behandlungsplanung wachsen, weil Patientinnen und Patienten die grafisch markierten Stellen direkt sehen und nachvollziehen können.

Wolf‑Dieter Perlitz, Senior Director DS Core, beschreibt die Zielsetzung so, dass die Lösung Zahnärzte insbesondere bei der Auswertung komplexer DVT-Daten und bei der Erläuterung der Befunde an Patienten unterstützen soll. Die Funktionalität soll sich dabei nahtlos in den bestehenden Workflow einfügen und vernetzte Abläufe in der Zahnmedizin erweitern.

Technische Integration und Verfügbarkeit

Smart View – Detect wird über die cloudbasierte Plattform DS Core bereitgestellt. Die Software lässt sich in den Bildgebungsablauf integrieren, Ergebnismarkierungen werden direkt in die DVT-Ansichten übernommen. Dentsply Sirona arbeitet laut eigenen Angaben kontinuierlich an der Weiterentwicklung von DS Core, um digitale Praxisprozesse zu vereinfachen und klinische Entscheidungen zu unterstützen.

  • Kompatible Systeme: Orthophos S, Orthophos SL, Axeos
  • Unterstützte Feldgrößen: 5×5 cm bis 17×11 cm
  • Scan-Typen: sowohl bestehende als auch neu erfasste DVT-Scans (u. a. aus Sidexis 4)
  • Zugriffsvoraussetzung: DS Core Standard- oder Advanced‑Abonnement
  • Verfügbarkeit: ab 12. Mai 2026 in den USA und Europa

Für Praxisinhaberinnen und -inhaber bedeutet das: Eine Neuanschaffung der Bildgebungshardware ist nicht zwingend erforderlich, wenn bereits ein kompatibles DVT-System und ein DS Core‑Konto vorhanden sind.

Aus klinischer Perspektive könnte eine verlässlichere Detektion von PARLs die frühzeitige Einleitung geeigneter Therapien und eine bessere Priorisierung von Fällen erleichtern. Gleichzeitig bleibt die ärztliche Beurteilung unabdingbar: Algorithmus‑Ergebnisse müssen im Kontext des gesamten klinischen Bildes interpretiert werden.

Quellenhinweis: Die Angabe zur Prävalenz von apikalen Läsionen basiert auf einer systematischen Übersicht und Meta‑Analyse (Tibúrcio‑Machado et al., 2021). Die Studie zur Leistungssteigerung bezieht sich auf interne klinische Vergleiche von Dentsply Sirona.

Geben Sie Ihr Feedback

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung



Chance Praxis ist ein unabhängiges Medium. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns zu Ihren Google News Favoriten hinzufügen:

Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen