Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen
Anlässlich des Tages der Selbstverwaltung warnt die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) eindringlich: Geplante Sparmaßnahmen der Bundesregierung gefährden die Handlungsspielräume der zahnärztlichen Selbstverwaltung und könnten direkt auf Praxen und Patienten durchschlagen. Die KZBV fordert deshalb rasches politisches Gegensteuern im parlamentarischen Verfahren.
Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, betont, dass die Zahnarztpraxen in Deutschland über Jahrzehnte hinweg Versorgungslösungen entwickelt und praktisch umgesetzt haben, die präventiv wirken und die Mundgesundheit der Bevölkerung verbessert haben. Als Beleg verweist die KZBV auf die Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie, die einen positiven Trend bei der Mundgesundheit dokumentieren.
Worum es aktuell geht
KZBV fordert mehr Autonomie für Zahnärzte: Selbstverwaltung vor Eingriffen schützen
ClearCorrect setzt auf digitale Neuerungen zum 20. Geburtstag: schnellere Behandlungen für Zahnärzte
Im Mittelpunkt der Kritik steht das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die vorgesehene Kopplung von Vergütungen an die allgemeine Grundlohnrate und ein zusätzlicher Abschlag von einem Prozentpunkt für 2027 bis 2029 würden nach Einschätzung der KZBV die Verhandlungsbasis zwischen Selbstverwaltung und Krankenkassen aushöhlen.
Solche Vorgaben würden Vertragsgespräche entwerten: Anstatt echte Tarif- und Vergütungsfragen im Dialog zu klären, drohten starre Vorgaben von außen. Für viele freiberuflich tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte bedeute das finanzielle Einbußen und eine Einschränkung ihrer beruflichen Gestaltungsmöglichkeiten.
Konkrete Folgen
Die KZBV sieht mehrere Bereiche unmittelbar betroffen. Neben finanziellen Belastungen für Praxen könnte die Qualität und Reichweite der Versorgung leiden — besonders in Regionen mit dünneren Strukturen.
- Verhandlungsfreiheit: Vertragsgespräche würden an Bedeutung verlieren, weil gesetzliche Vorgaben bereits die Eckpunkte setzen.
- Finanzielle Belastung: Abschläge und Lohnkopplung erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf Einzelpraxen.
- Präventionsarbeit: Langfristige Präventionsprogramme könnten schwieriger zu finanzieren sein.
- Versorgungsqualität: Besonders ländliche und sozial schwächere Regionen könnten Einbußen in der zahnmedizinischen Versorgung erleben.
Die Debatte ist nicht nur eine Fachfrage: Sie betrifft den Zugang zur zahnärztlichen Versorgung und damit die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung. Die KZBV fordert deshalb, dass politische Entscheidungen stärker auf den Erfahrungen aus dem Praxisalltag basieren und dass der Selbstverwaltung wieder mehr Raum für eigenverantwortliches Handeln eingeräumt wird.
Politische Perspektive
In der aktuellen parlamentarischen Phase ruft die KZBV dazu auf, Änderungen am Gesetz herbeizuführen, um die negativen Effekte abzuwenden. Nach Ansicht der Organisation ist es notwendig, die Kompetenz der Selbstverwaltung zu stärken statt sie durch kleinteilige Eingriffe zu schwächen.
Die Argumentation zielt darauf ab, staatliche Leitplanken zu erhalten, ohne die operativen Steuerungsaufgaben der zahnärztlichen Selbstverwaltung auszuhöhlen. Nur so, so die KZBV, lassen sich die bisherigen Erfolge in der Prävention und Versorgung fortschreiben.
Ob und wie der Bundestag auf diese Hinweise reagiert, wird entscheidend sein für die finanzielle Lage vieler Praxen und die künftige Ausgestaltung der zahnärztlichen Versorgung in Deutschland.












