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Immer mehr Zahnarztpraxen wechseln derzeit den Inhaber — und mit jeder Übergabe verändert sich die Praxisführung. Das Ergebnis: Mitarbeitende werden verunsichert, Abläufe stocken, die Praxisleitung verliert Zeit für strategische Aufgaben. Warum das gerade jetzt wichtig ist und wie Praxen konkret dagegensteuern können, lesen Sie hier.
In vielen Praxen zeigt sich ein klares Muster: Teams, die lange eigenständig gearbeitet haben, ziehen sich zurück oder fragen jede Entscheidung nach. Aufgaben, die früher selbstverständlich delegiert wurden, bleiben plötzlich liegen — aus Angst, etwas falsch zu machen. Solche Reaktionen sind typische Begleiter von Umbruchsituationen und kosten Zeit, Geld und Arbeitszufriedenheit.
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Warum traditionelle Führungsweisen kaum helfen
Hier greifen alte Muster selten: mehr Kontrolle oder das Alleinentscheiden der Praxisinhaberin oder des -inhabers schaffen keine Stabilität, sondern verstärken Unsicherheit. Wird Verantwortung zentralisiert, wächst die Abhängigkeit; fehlt klare Führung, bilden sich informelle Strukturen, die kaum nachvollziehbar sind.
Arbeitswissenschaftliche Befunde legen nahe, dass unklare Rollen in gesundheitsnahen Berufen zu höherem Stress und Fehleranfälligkeit führen. Für Praxen bedeutet das: Schon kleine Unschärfen in der Zuständigkeitsverteilung haben direkte Auswirkungen auf Patientensicherheit und Arbeitsklima.
New Work: Haltung statt Schlagwort
Hinter dem Begriff New Work steckt weniger Technik als eine veränderte Einstellung zur Arbeit: Sinnstiftung, Verantwortung und Beteiligung. Entscheidend ist, dass Führung sichtbar und berechenbar bleibt — nicht verschwindet.
In der Praxis heißt das konkret: Mitarbeitende müssen wissen, wofür sie zuständig sind, wo sie mitentscheiden können und welche Entscheidungen bei der Praxisleitung liegen. Diese Klarheit fördert Engagement und verringert Reibungsverluste.
| Bereich | Konkrete Zuständigkeit | Wirkung |
|---|---|---|
| Hygiene | Fachliche Leitung der Sterilisationsprozesse | Weniger Fehler, höheres Vertrauen |
| Material & Bestellungen | Bestellwesen inklusive Budgetgrenzen | Geringere Doppelbestellungen, Kostenkontrolle |
| Patientenkommunikation | Koordination von Recall und Informationsfluss | Konsequente Kontaktpflege, weniger Nachfragen |
Konkretes Beispiel: Zuständigkeiten sichtbar machen
Nach einer Übernahme fiel der neuen Inhaberin auf, dass viele Entscheidungen einst ausschließlich über die Vorgängerin liefen. Folge: doppelte Bestellungen, widersprüchliche Auskünfte, viele Rückfragen. Statt alle Themen selbst zu übernehmen, definierte sie klare Verantwortungsbereiche und kommunizierte diese offen im Team.
Das Ergebnis trat schnell ein: Abläufe wurden zuverlässiger, Rückfragen sanken, die Praxisleitung gewann Raum für Planung und Entwicklung. Wichtig war nicht, mehr Mitsprache zu erzwingen, sondern Verantwortung verbindlich zu verteilen — eine Form von Entlastung und Motivation zugleich.
Teammeetings brauchen Struktur
Ein häufiger Fehler ist, Beteiligung sehr offen anzubieten. Ohne Rahmen enden Meetings in endlosen Diskussionen ohne Ergebnisse. Ein einfaches Kategoriensystem half hier:
- Information — reine Weitergabe von Fakten
- Mitgestaltung — Themen zur Abstimmung mit klaren Grenzen
- Entscheidung — Punkte, die die Praxisleitung abschließend regelt
Voraussetzung für wirksame Meetings sind klare Agenda-Punkte, dokumentierte Beschlüsse und zugeordnete Verantwortliche. So fühlen sich Mitarbeitende gehört, ohne dass Entscheidungen verzögert werden.
Wer Autorität um jeden Preis vermeiden möchte, riskiert eher Orientierungslosigkeit als Harmonie. Arbeitspsychologisch wird fehlende Klarheit selten als Freiheit empfunden — vielmehr als Belastung.
Was Praxisleitungen jetzt tun sollten
Kurzfristig hilft es, Zuständigkeiten schriftlich festzuhalten und auf einfache Regeln für Entscheidungen zu einigen. Mittelfristig lohnt sich die Einführung wiederkehrender, strukturierter Teamrunden. Langfristig zahlt sich eine Haltung aus, die Beteiligung mit Verantwortungsübernahme verknüpft.
Die Kernforderung lässt sich so zusammenfassen: Mehr Sichtbarkeit in der Führung, weniger unklare Grauzonen. Damit stabilisieren Teams ihr Verhalten nach Veränderungen — und Patientinnen und Patienten profitieren direkt von verlässlicheren Abläufen.
Autorin
Sabine Kittel arbeitet als Coach und Trainerin für Führungskräfte in der Dentalbranche und begleitet Praxen bei Führungswechseln und Teamentwicklung. Ihre Praxisnähe hilft, Theorie in praktikable Schritte zu übersetzen.












