Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen
Die krankheitsbedingten Fehltage in Deutschland haben 2022 einen neuen Spitzenwert erreicht: Beschäftigte fehlten im Schnitt etwa 15 Tage — rund 19 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das wirkt sich besonders auf Betriebe mit Patientenverkehr aus, darunter Zahnarztpraxen, und stellt Praxisleitungen vor operative und personelle Herausforderungen.
Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben die Debatte über die Ursachen nun mit aktuellen Daten geprüft. Ihre Analyse kombiniert Informationen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) mit Diagnosedaten der AOK und kommt zu einem klaren Befund: Die Zunahme der Fehltage lässt sich nicht primär auf administrative Änderungen wie die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückführen, sondern auf reale gesundheitliche Entwicklungen.
Was die Studie zeigt
Quereinsteiger gesucht: Zahnarztpraxen setzen auf schnelle Hilfe gegen Fachkräftemangel
Kanzleramt neu besetzt: Warken an der Spitze, Linnemann leitet Gesundheitsressort
Im Zentrum der DIW-Auswertung steht ein deutliches Plus an Atemwegserkrankungen im Jahr 2022. Besonders betroffen waren ältere Erwerbstätige und Personen, die große Sorgen um ihre Gesundheit angeben. Bei diesen Gruppen stiegen die Fehlzeiten überproportional an.
Die Kombination aus erhöhten Infektionen, anhaltenden Verhaltensmustern aus der Corona-Zeit und strukturellen Problemen im Gesundheitssektor erklärt laut Studie den Großteil des Anstiegs. Kurz: Es handelt sich überwiegend um eine gesundheitlich begründete Entwicklung, nicht um ein statistisches Artefakt.
Warum das gerade Zahnarztpraxen trifft
Praxen haben mehrere Risikofaktoren gebündelt: enge Patientenkontakte, Aerosole bei Behandlungen und vielfach ohnehin knappe Personaldecke. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende ausfallen — gleichzeitig bleibt die Belastung für das verbleibende Team hoch.
Gleichzeitig sind zwei gegenläufige Verhaltensweisen erkennbar: Manche Beschäftigte handeln vorsichtiger als vor der Pandemie und bleiben schon bei leichten Symptomen zuhause; andere zeigen Präsentismus und arbeiten trotz Krankheit weiter. Masken und Hygieneregeln reduzieren das Ansteckungsrisiko, lösen das Problem aber nicht vollständig.
Politische Diskussion und mögliche Eingriffe
Arbeitgeberverbände schlagen Maßnahmen wie eine Einschränkung der Lohnfortzahlung oder die Einführung von Karenztagen vor, um Fehlzeiten zu dämpfen. Ob die Politik solche Schritte umsetzt, ist offen — rechtlich und sozialpolitisch sind solche Eingriffe umstritten.
Für Praxisinhaber bleiben deshalb vor allem interne Strategien, um Ausfälle besser zu managen und die Arbeitsfähigkeit des Teams zu sichern.
Praktische Maßnahmen für Praxen
- Rückkehrgespräche: Ein kurzes, wertschätzendes Gespräch nach einer mehrtägigen Erkrankung signalisiert Aufmerksamkeit und kann die Bindung stärken.
- Frühe Ansprache bei Häufung: Wiederkehrende Kurzkrankheiten sollten zeitnah thematisiert werden — oftmals verbergen sich Burnout, Überlastung oder private Probleme, die sich lösen lassen.
- Präventionsmaßnahmen: Konsequenter Einsatz von Schutzausrüstung, gezielte Impfangebote und verbesserte Pausenraum-Hygiene verringern Infektionsrisiken.
- Anwesenheitsprämien mit Vorsicht: Finanzielle Anreize können wirksam sein, müssen jedoch juristisch einwandfrei formuliert werden, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden.
- Führung und Arbeitskultur: Hohe Fehlzeiten sind oft ein Alarmsignal für schlechte Kommunikation oder Überlastung; Führungskräfte sollten Arbeitsbedingungen und Wertschätzung reflektieren.
Wichtig ist dabei die rechtliche Absicherung: Regelungen zur Prämienzahlung oder Sanktionen sollten vorab mit Fachanwälten oder Arbeitsrechtsexperten geprüft werden, damit Formulierungsfehler nicht teuer werden.
Kurzfristige Schritte und langfristige Perspektive
Kurzfristig nützen organisatorische Maßnahmen und ein Fokus auf Vorsorge am meisten, um Personalengpässe zu begrenzen. Langfristig zeigen die Daten des DIW, dass strukturelle gesundheitliche Trends — etwa wiederkehrende Atemwegsinfektionen — die Fehltage beeinflussen. Das macht klare, nachhaltige Personalstrategien und präventive Investitionen in Gesundheitsschutz für Praxen unverzichtbar.
Für Praxisleitungen bedeutet das: Beobachten, ansprechen, vorsorgen — und rechtlich abgesichert handeln, wenn finanzielle Anreize oder Vertragsänderungen ins Spiel kommen. So lassen sich sowohl die Versorgungssicherheit für Patienten als auch die Arbeitsfähigkeit der Teams besser sichern.












