High-Speed-Prothetik: Studie bewertet Kosten-Nutzen für Kliniken und Patienten

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Zahntechnische Betriebe reduzieren zunehmend klassische Abläufe und liefern komplette Versorgungen in nur zwei Terminen — ein Trend, der Praxen Zeit spart, aber für Labore neue finanzielle und technische Fragen aufwirft. Entscheidend ist, ob die digitale Abstimmung zwischen Praxis und Labor so zuverlässig funktioniert, dass die Effizienzgewinne nicht durch höheren Aufwand und ein gestiegenes Haftungsrisiko aufgezehrt werden.

Ablauf und unmittelbare Folgen

Bei der sogenannten High-Speed-Prothetik entfallen mehrere Zwischenstationen: Präparation und Abformung beim ersten Termin, direkt gefolgt vom finalen Eingliedern. Technisch ermöglicht wird das durch umfassenden Einsatz von Scans, CAD/CAM-Fertigung und einer engen Prozesskoordination.

Für Patienten und Behandler bedeutet das weniger Termine, kürzere Behandlungsserien und schnellere Versorgungen. Für das Labor aber verändert sich die Wertschöpfung grundlegend: Zeitersparnis steht neben erhöhtem Aufwand in Planung, Konstruktion, Fertigungskontrolle und einem höheren Risiko bei Fehlpassungen.

Ablauf im Vergleich

Konventioneller Workflow Zwei-Termine-Workflow
Termine Mehrere (Prüfungen, Einproben, Anpassungen) 2 (Präparation/Abformung + Eingliedern)
Abgerechnete Zwischenschritte Verschiedene Positionen nach BEL II/BEB Viele klassische Positionen entfallen
Technischer Mehraufwand Moderat Höher: sofortige Digitalisierung, CAD‑Konstruktion, strenge Fertigungs‑QA
Finanzieller Effekt (Beispiel) Ursprünglicher Umsatz voll abrufbar Ergebnis kann um etwa 659,73 EUR pro Fall sinken (Beispielrechnung)
Rechts-/Haftungsfolgen Schrittweise Abnahme reduziert Überraschungen Fehlpassungen können erst beim Eingliedern auffallen — erhöhtes Risiko
Rechengrundlage BEL II / BEB (Regionale Preise) BEB-Neubewertung empfohlen; Kostenstundensatz als Kalkulationsbasis: 76,20 EUR

Die beispielhafte Zahl aus einer Praxisrechnung zeigt: Ein effizienter Workflow kann den ausgewiesenen Abrechnungsumsatz eines Labors deutlich reduzieren, auch wenn die Arbeitszeit tatsächlich geringer erscheint. Entscheidend ist, welche Positionen ersetzt oder neu definiert werden.

Wie Labore den Wert bewahren können

Ein einfacher Zusatzposten „Mehraufwand Sofortfertigung“ mag kurzfristig kompensieren, läuft jedoch Gefahr, Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu verlieren — und wird von Kostenträgern oft beanstandet. Besser ist eine differenzierte Neugliederung der BEB-Positionen, die den digitalen Mehrwert abbildet.

  • Digitalisierung: intraorale/Modellscans mit klassifizierter Abrechnungsposition
  • Konstruktion: CAD-Engineering, virtuelle Anpassungen, Zeitaufwand pro Fall
  • Fertigung: CAM-Bearbeitung, Sinter-/Glasurenprozesse, kosmetische Verblendung
  • Qualitätssicherung: zusätzliche Pass- und Farbkontrollen vor Freigabe
  • Risikozuschlag: Absicherung gegen höheres Haftungs- und Nacharbeitsrisiko

Solche Einzelpositionen schaffen Transparenz gegenüber der Praxis und gegenüber Versicherern und ermöglichen eine rationale Kalkulation basierend auf einem realistischen Stunden- und Materialansatz. Bei der Preisbildung sollte der erhöhte technische Anspruch in der Planung sowie der potenzielle Mehraufwand bei Korrekturen berücksichtigt werden.

Was das für Praxen, Labore und Patienten bedeutet

Für Zahnarztpraxen ist die Zwei-Termine-Versorgung attraktiv: weniger Verwaltungsaufwand, höhere Patientenzufriedenheit. Labore müssen diese Vorteile jedoch in eine wirtschaftlich tragfähige Struktur überführen. Ohne transparente Neubewertung droht, dass die Zeitersparnis zu Lasten des Gewinns geht oder die Qualität leidet.

Langfristig zahlt sich eine partnerschaftliche Kalkulation zwischen Praxis und Labor aus — wenn Honorargestaltung den technologischen Mehrwert und das erhöhte Risiko fair abbildet. Nur so bleibt die Effizienzsteigerung dauerhaft tragfähig und für alle Seiten lohnend.

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