Mundhygiene bei Aligner und fester Spange: Warum Aligner häufig vorn liegen

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Eine kleine randomisierte Studie aus China legt nahe, dass festsitzende Zahnspangen die Mundflora und Entzündungsmarker stärker verändern als transparente Aligner. Für Patientinnen, Patienten und Behandler stellt sich damit aktuell die Frage, ob die Wahl des kieferorthopädischen Systems kurz- bis mittelfristig Auswirkungen auf Karies- und Parodontitisrisiken haben könnte.

Worum ging es in der Untersuchung?

Die Studie verglich zwei Behandlungsgruppen mit je 12 Personen über sechs Monate. Untersucht wurden Veränderungen in der oralen Mikrobiota und Marker oxidativen Stresses.

  • Design: randomisierte Zuordnung, Einschlüsse wurden vor Beginn einheitlich instruiert zur Mundhygiene.
  • Proben und Zeitpunkte: Speichel, supragingivale Plaque und gingivale Sulkusflüssigkeit zu Studienbeginn sowie nach drei und sechs Monaten.
  • Analysen: mikrobielle Zusammensetzung per 16S-rDNA-Sequenzierung, Messung von 8‑OHdG (Marker für oxidativen Stress) per ELISA; klinische Parameter wie Plaque‑Index, Gingiva‑Index, Sondierungstiefe und Blutung auf Sondierung wurden dokumentiert.

Ergebnisse in Kürze

Nach drei und sechs Monaten zeigten Patientinnen und Patienten mit festsitzenden Apparaturen deutlichere Veränderungen als diejenigen mit Alignern.

Wesentliche Befunde:

  • Der Plaque‑Index sowie die Häufigkeit von Blutung auf Sondierung waren nach sechs Monaten in der Gruppe mit festsitzenden Apparaturen erhöht.
  • Im mikrobiellen Profil traten häufiger Gattungen auf, die mit Dysbiose und Erkrankungen assoziiert werden, etwa Prevotella und Veillonella.
  • Die Aligner‑Träger wiesen vergleichsweise mehr Taxa auf, die als gesundheitsassoziiert gelten.
  • Die Konzentration von 8‑OHdG in der gingivalen Sulkusflüssigkeit war nach sechs Monaten bei festsitzenden Systemen erhöht — ein Hinweis auf gesteigerten oxidativen Stress in der umgebenden Gewebsflüssigkeit.

Was bedeutet das für Patienten und Behandler?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass festsitzende Multibracket‑Systeme die orale Umgebung stärker beeinflussen können als transparente Aligner — zumindest in den ersten Monaten der Behandlung. Für die Praxis heißt das: Intensivere Prävention, engmaschigere Kontrolle und konsequente Mundhygiene sind bei festsitzenden Apparaturen besonders wichtig.

Gleichzeitig lassen sich aus dieser kleinen Studie keine endgültigen Aussagen zum langfristigen Parodontitis- oder Kariesrisiko ableiten. Die Autoren warnen selbst vor Überinterpretation: Stichprobengröße und kurze Nachbeobachtungszeit begrenzen die Aussagekraft.

Worauf Forscher als Nächstes schauen sollten

Längerfristige, größere Studien könnten klären, ob die beobachteten mikrobiellen Verschiebungen persistieren und ob sie in messbare klinische Schäden münden. Relevant wäre zudem, wie Faktoren wie Alter, Ernährungsgewohnheiten, bestehende Parodontitis‑Vorbefunde oder Compliance mit der Mundhygiene das Risiko modifizieren.

Für Zahnärzte und Kieferorthopäden empfiehlt sich vorerst ein pragmatischer Umgang: Bei Wahl des Systems individuelle Risiken abwägen, Patientinnen und Patienten über Hygiene und Monitoring informieren und bei festsitzenden Apparaturen engere Recall‑Intervalle in Erwägung ziehen.

Quelle: Xu M, Li G, Tian J, Xie F et al., „Comparison of the effects of clear aligners and fixed appliances on the oral microbiota and reactive oxygen species: a prospective study“, Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, 23. Januar 2026. DOI: 10.3389/fcimb.2025.1738047.

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