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Beim Kongress „Zahnheilkunde“ am 13. und 14. März 2026 in Mainz standen Praxisnähe und Forschung gleichberechtigt nebeneinander – ein Programm, das sowohl die aktuelle Patientenversorgung als auch künftige technologische Entwicklungen in den Mittelpunkt rückte. Für Behandler und Politik bleibt die zentrale Frage aktuell: Wie lassen sich Bürokratie reduzieren, interdisziplinäre Versorgung stärken und Implantat-Komplikationen künftig besser verhindern?
Praxisorientiert: Vorträge, Workshops und Hands-on-Formate
Die Veranstaltung bot ein kompaktes wissenschaftliches Angebot: rund 20 Fachvorträge und zehn praxisorientierte Workshops, darunter drei praktische Hands-on-Kurse. Die Mischung zielte bewusst darauf ab, Theorie und Anwendung zu verknüpfen – von konservierenden Maßnahmen bis zu prothetischen Lösungen.
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Organisatoren und Referenten betonten den Nutzen für den Praxisalltag: Vermittelte Fallstrategien und konkrete Techniken sollen unmittelbar in den Behandlungsablauf übertragbar sein und so die Versorgungsqualität verbessern.
Politik und Bürokratie: Direkte Kritik aus der Kammer
Sanitätsrat Dr. Wilfried Woop, Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, nutzte die Eröffnung, um auf die Belastungen durch administrative Vorgaben hinzuweisen. Seiner Darstellung nach gehen dokumentationsintensive Abläufe und Personalmangel Hand in Hand – Zeit, die für Patientenkontakte verloren gehe, fehle in der Behandlung.
Woop forderte einen konstruktiven Dialog mit der Politik und verwies auf konkrete Vorschläge, die aus Sicht der Kammer bereits vorlägen, aber bislang keine Umsetzungsbereitschaft gefunden hätten. Staatssekretärin Nicole Steingaß überbrachte die Grüße der Landesregierung und nahm damit die politische Ebene in die Verantwortung.
Interdisziplinär und forschungsstark: Themen der Tagung
Der wissenschaftliche Leiter, Prof. Dr. James Deschner aus Mainz, hob den Wert fachübergreifender Debatten hervor. Auf dem Programm standen unter anderem Prothetik, Kieferorthopädie, Pathologie, Sportzahnmedizin, Forensik, Seniorenversorgung, Endodontie, Prävention und Kommunikation – kurz: ein breites Spektrum, das klinische Schnittstellen sichtbar machte.
Parodontologie war prominent vertreten. Referenten wie Prof. Dr. Jamal Stein und Dr. Christian Hammächer (Aachen) diskutierten Konzepte zur Behandlung von Parodontitis im fortgeschrittenen Stadium, die Zahnerhalt, Funktion und Ästhetik ausbalancieren. Prof. Dr. Stefan Wolfart beleuchtete die Entscheidung zwischen adhäsiven Brückenlösungen und Implantaten bei schwerer Parodontitis.
Besondere Beachtung fand ein Forschungsprojekt zur Implantat-Sicherheit: Prof. Dr. Meike Stiesch (MHH) präsentierte Erkenntnisse aus dem DFG-geförderten Sonderforschungsbereich SIIRI. Forscherinnen und Forscher arbeiten daran, Implantate mit integrierten Sensoren auszustatten, die lokale Entzündungszeichen erkennen und darauf reagieren können – etwa durch gezielte Wirkstofffreisetzung, um periimplantäre Infektionen zu begrenzen.
Forschungspreis für Langzeitstudie an keramischen Implantaten
Der mit der Tagung verbundene Forschungspreis der LZK ging in diesem Jahr an Dr. Dr. Lena Katharina Müller‑Heupt aus Mainz. Ausgezeichnet wurde eine Studie, die langfristige biologische Reaktionen an zweiteiligen keramischen Implantaten untersucht. Im Fokus stand ein intraindividueller Vergleich von klinischen Parametern, periimplantären Markern und dem Vitamin‑D‑Status mindestens fünf Jahre nach Implantation.
Die Arbeit setzte sich im Auswahlverfahren gegen neun Mitbewerberinnen und -bewerber durch und unterstreicht die Bedeutung klinischer Langzeitdaten für die Versorgungssicherheit.
Soziale Verantwortung: Zahngold für kranke Kinder
Traditionell begann der Kongress mit der Scheckübergabe der rheinland‑pfälzischen Zahnärzteschaft an die Initiative KIKAM e. V. Die Goldspenden der teilnehmenden Praxen unterstützen seit 1993 medizinische Angebote für Kinder.
Bei der diesjährigen Aktion kamen mehr als 200.000 Euro zusammen. Insgesamt haben die Sammelaktionen in den vergangenen Jahrzehnten über 2,6 Millionen Euro eingebracht. Die Mittel fließen unter anderem in die Kinderintensivstation und die Kinderkardiologie der Unimedizin Mainz – etwa für ein Herz‑Ultraschallgerät und palliativmedizinische Angebote.
- Datum & Ort: 13.–14. März 2026, Mainz
- Programmumfang: rund 20 Vorträge, 10 Workshops, 3 Hands‑on‑Kurse
- Herausragende Forschung: SIIRI‑Projekt zur sensorgestützten Implantatüberwachung (DFG‑gefördert)
- Forschungspreis: Dr. Dr. Lena Katharina Müller‑Heupt – Langzeitreaktionen an zweiteiligen keramischen Implantaten
- Spendenaktion: > 200.000 Euro für Kinderintensivstation und Kinderkardiologie; Gesamt seit 1993: > 2,6 Mio. Euro
Warum ist das relevant? Weil die Tagung drei aktuelle Herausforderungen zusammenführt: die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse, den Abbau organisatorischer Hürden in Praxen und die Förderung technologiegestützter Lösungen, die Komplikationen bei Implantaten künftig verringern könnten. Für Behandler bedeutet das: weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patienten – und langfristig bessere Versorgungsresultate.












