Viele Menschen leben mit einer Angst, die den bloßen Besuch beim Zahnarzt blockiert – eine Barriere, die Zahngesundheit und Lebensqualität beeinträchtigt. Eine Studie am Universitätsklinikum Münster will nun prüfen, ob sich diese so genannte Zahnbehandlungsphobie mit einer kurzen, traumaorientierten Therapie deutlich reduzieren lässt.
Schätzungen zufolge trifft die Angst vor zahnärztlichen Eingriffen etwa jede zehnte Person. Für Betroffene endet das oft in jahrelanger Vermeidung, schlechterem Mundzustand und vermeidbaren Beschwerden.
Forschende am Bereich Psychosomatik in der Zahnheilkunde am UKM setzen dabei auf die **EMDR-Therapie** (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Das Verfahren, das in jüngerer Zeit von Krankenkassen als psychotherapeutische Methode anerkannt wurde, stimuliert abwechselnd beide Gehirnhälften durch geführte Augenbewegungen, während belastende Erinnerungen bearbeitet werden.
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Warum das vielversprechend sein könnte: Viele Patientinnen und Patienten mit starker Zahnarztangst berichten von traumatischen Erfahrungen beim früheren Zahnarztbesuch, häufig in der Kindheit. Bei einigen treten Symptome auf, die an eine posttraumatische Belastungsstörung erinnern — wiederkehrende, unkontrollierbare Erinnerungsbilder, Schlafstörungen, anhaltende Ängste und Vermeidungsverhalten.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Teilnehmende | 30 Personen mit behandelbarer Zahnbehandlungsphobie |
| Therapiedauer | Drei Sitzungen à 90 Minuten |
| Kernelemente | Entspannungsübungen, Stärkung von Sicherheitsgefühlen, EMDR mit geführten Augenbewegungen |
| Begleituntersuchungen | Verhaltenstests und Messungen der Hirnrindenaktivität bei Reizung durch Bilder, Töne, Gerüche |
| Abschluss | Probetermin in der Zahnklinik mit professioneller Zahnreinigung; weiterführende Behandlung dann bei Hauszahnarzt möglich |
In der Therapie lernen Teilnehmende zunächst, innere Anspannung zu reduzieren und ein Gefühl von Sicherheit aufzubauen. Im Anschluss ruft die Therapeutin oder der Therapeut die belastende Erinnerung gezielt hervor und leitet die Augenbewegungen an — häufig genügt das Verfolgen eines Fingerbewegungsmusters vor den Augen, um die bilaterale Stimulation zu erzeugen.

Klinische Erfahrungen aus den Niederlanden legen nahe, dass sich die emotionale Intensität der inneren Bilder verringert, Angstreaktionen abnehmen und die Vorstellung eines Zahnarztbesuchs für viele weniger bedrohlich wird. Das Team in Münster will prüfen, ob sich diese Effekte hier reproduzieren lassen; begleitend werden physiologische Messdaten erhoben.
Wichtig für Interessierte: Die Teilnahme ist freiwillig und Untersuchungen können jederzeit abgebrochen werden. Personelle Anlaufstelle ist die Diplom-Psychologin Vanessa Bisping; für ein erstes Informationsgespräch ist sie telefonisch erreichbar unter 0251–83‑45731.
Wenn die Münsteraner Studie Erfolg hat, könnte das einen direkten Nutzen für viele Menschen bringen: weniger Vermeidung, bessere Mundgesundheit und weniger Eskalation vermeidbarer Zahnprobleme. Kurzfristig zugängliche psychotherapeutische Interventionen würden damit eine Lücke zwischen Angststörung und zahnärztlicher Versorgung schließen.











