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Bei zementierten Implantatversorgungen kann unsichtbar ein Risiko lauern: Rückstände von Befestigungszement im Sulkus stehen im Verdacht, entzündliche Prozesse um Implantate zu fördern. Für Patienten und Behandler ist deshalb entscheidend, welche Folgen verbliebene Zementreste haben und wie sich das klinische Vorgehen anpassen lässt.
Warum die Frage aktuell ist
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Die Zahl implantatgetragener Restaurationen steigt — damit gewinnen auch langfristige Komplikationen an Bedeutung. Praktische Entscheidungen zwischen **zementierter** und **verschraubter Versorgung** beeinflussen nicht nur Haltbarkeit und Ästhetik, sondern auch die späteren Kontrollmöglichkeiten und das Entzündungsrisiko der periimplantären Gewebe.
Auswertung vorhandener Studien
Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit (Staubli et al., Clinical Oral Implants Research, 2017) wertete Veröffentlichungen aus, die den Zusammenhang zwischen Zementüberschüssen und periimplantären Erkrankungen untersuchten. Eingeschlossen waren Studien mit zementierten Restaurationen, in denen das Auftreten von Mukositis oder Periimplantitis dokumentiert und auf das Vorhandensein von Zementresten geprüft wurde.
Die Analyse umfasste mehrere Hundert Patienten und über eintausend zementierte Restaurationsfälle. Wegen großer Unterschiede im Studiendesign, in Definitionskriterien und Untersuchungsmethoden beschränkten sich die Autoren auf eine qualitative Darstellung der Befunde statt auf eine statistische Zusammenfassung.
Was die Ergebnisse zeigen
Mehrere Arbeiten fanden, dass Zementüberschüsse häufig bei Implantaten mit entzündlichen Veränderungen vorkommen. Die berichtete Prävalenz periimplantärer Erkrankungen bei zementierten Restaurationen schwankte stark — von einzelnen Prozentpunkten bis zu drei Vierteln der Fälle — was die heterogene Datenlage widerspiegelt.

Interessant: Bei den betroffenen Implantaten wurden in einem großen Teil der Fälle Zementreste nachgewiesen. In Studien, die nach Entfernung dieser Reste kontrollierten, zeigten sich häufig klinische Verbesserungen, vor allem eine Abschwächung entzündlicher Zeichen.
Konkrete Befunde in Kürze
- Zementreste wurden wiederholt mit periimplantärer Mukositis und Periimplantitis in Verbindung gebracht.
- Die Häufigkeit der Befunde variierte stark zwischen den Studien; eine verlässliche quantitative Risikoabschätzung war daher nicht möglich.
- Frühzeitige Zementierung — binnen weniger Wochen nach Freilegung oder Abutmentverbindung — war häufiger mit nachweisbaren Zementüberschüssen assoziiert.
Klinische Konsequenzen
Zahnärztliche Teams sollten Zementierungen nur dann wählen, wenn die Ränder kontrollierbar und zugänglich sind. Verbleibender Zement kann sich in tiefer liegenden, schlecht einsehbaren Fugen sammeln, die Plaqueretention fördern und chronische Entzündungen begünstigen.
Vor einer definitiven Zementation ist eine ausreichende Reifung der periimplantären Weichgewebe empfehlenswert; außerdem sind frühzeitige Nachkontrollen sinnvoll. Bei eingeschränkter Sicht oder tief submukos liegenden Rändern ist die Option einer **verschraubten Versorgung** ernsthaft in Erwägung zu ziehen, da sie eine einfache Retrievability und bessere Inspektionsmöglichkeiten bietet.
Praktische Handlungsempfehlungen
- Randsituation so planen, dass die Zementfuge kontrollierbar oberhalb oder in Höhe des Mukosaangelegt ist.
- Abwarten bis zur ausreichenden Weichgewebereifung vor der finalen Zementation; frühzeitige klinische Kontrollen durchführen.
- Bei submukösen Rändern oder hoher Plaqueanfälligkeit verschraubte Lösungen bevorzugen.
- Bei zementierten Versorgungen systematisch nach Zementüberschüssen suchen und diese entfernen; dokumentierte Re-Evaluationen einplanen.

Neueer Erkenntnisse und Perspektive
Neuere Übersichtsarbeiten relativieren die einfache Gegenüberstellung von zementierter versus verschraubter Retention: Nicht allein die Retentionsart bestimmt das Risiko für periimplantäre Erkrankungen, sondern vor allem, wie gut die Restauration langfristig kontrolliert und reinigungsfähig ist.
Der Vorteil verschraubter Konstruktionen liegt vor allem in der reversiblen Handhabung — sie erleichtern Inspektion, professionelle Reinigung sowie Reparaturmaßnahmen. Entscheidend bleibt die individuelle Risikoabschätzung: Bei unkomplizierbarer Geometrie oder erhöhtem biologischem Risiko ist die verschraubte Variante oft die konservativere Wahl.
Fazit
Verbliebene Zementreste sind ein relevanter Risikofaktor für periimplantäre Entzündungen, auch wenn die Datenlage in Details heterogen ist. Praktisch lässt sich das Risiko durch sorgfältige prothetische Planung, kontrollierte Randgestaltung, verzögerte definitive Zementation und konsequente Nachsorge reduzieren. Wo Nachsorge, Inspektion und Reinigung erschwert sind, bietet die **verschraubte Versorgung** klare Vorteile.
Quelle: Staubli N., Walter C., Schmidt J.C., Weiger R., Zitzmann N.U. Excess cement and the risk of peri-implant disease – a systematic review. Clin Oral Implants Res. 2017;28(10):1278–1290.











