Zahnfleischbluten erhöht Herzrisiko: Studie mahnt zu Vorsorge

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Schlechte Mundhygiene kann mehr sein als ein kosmetisches Problem: Forschende zeigten bereits 2008, dass bei Zahnfleischbluten Bakterien aus dem Mund in den Blutkreislauf gelangen und dort Mechanismen auslösen können, die das Herz gefährden. Die Beobachtungen sind weiterhin relevant – vor allem vor dem Hintergrund wachsender antibiotikaresistenter Bakterien und der anhaltenden Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie Bakterien vom Zahnfleisch ins Herz gelangen

Blutende Zahnfleischstellen öffnen Mikroverletzungen, über die Mikroorganismen aus dem Mundraum in die Blutbahn eintreten können. In der Mundflora leben Hunderte unterschiedlicher Arten; einige davon, darunter Streptococcus gordonii und Streptococcus sanguinis, sind besonders häufig.

Mikroskopische Darstellung von Bakterien und Blutplättchen im Blutkreislauf
Bakterien aus dem Mundraum können über Zahnfleischverletzungen in den Blutkreislauf eindringen.

Im Blut treffen diese Keime auf Thrombozyten, die Blutplättchen, die normalerweise Wunden verschließen. Die Bakterien setzen Prozesse in Gang, die zu einer Verklumpung der Thrombozyten führen. Solche Aggregate können Gefäße teilweise verschließen oder Entzündungsherde am Herzen begünstigen – und damit das Risiko für schwere Herzprobleme erhöhen.

Laborversuche zeigen Schutzmechanismen der Erreger

Forschungsteams aus Bristol und am Royal College of Surgeons in Dublin simulierten die Strömungsbedingungen innerhalb von Blutgefäßen und dem Herzen, um die Interaktion zwischen Keimen und Blutplättchen realitätsnäher zu untersuchen. Sie beobachteten, dass die Bakterien verschiedene Strategien nutzen, um an Thrombozyten zu haften und von diesen völlig umschlossen zu werden.

Laborforschung mit Mikroskop und Blutgefäßsimulation zur Untersuchung von Bakterien-Thrombozyten-Interaktion

Durch diese Einschlussmechanismen werden die Erreger vor Fresszellen des Immunsystems geschützt – und wichtig: vor dem Zugriff vieler Antibiotika. Das erklärt, warum antibiotische Therapien bei bestimmten infektiösen Herzerkrankungen nicht immer erfolgreich sind.

Folgen für Therapie und Forschung

Die Ergebnisse unterstreichen zwei dringende Aufgaben: Erstens, die Prävention von oralen Infektionen durch bessere Mundpflege; zweitens, die Entwicklung neuer Wirkstoffe, die die Bindung zwischen Bakterien und Thrombozyten verhindern.

Die Forscher konnten Proteine an den Bakterien identifizieren, die wesentlich zur Thrombozytenaggregation beitragen. Entfernt man diese Proteine genetisch, vermindert sich die Verklumpung deutlich – was sie zu potenziellen Zielstrukturen für Medikamente oder Impfstoffe macht. Parallel dazu läuft die Suche nach den genauen Bindungsstellen, um spezifische Hemmstoffe zu entwerfen.

  • Was das für Patienten bedeutet: Gute Mundpflege und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen reduzieren die Wahrscheinlichkeit von Zahnfleischbluten und damit das Risiko, dass orale Keime in den Kreislauf gelangen.
  • Für die Medizin: Antibiotika allein reichen bei durch Thrombozyten geschützten Bakterien oft nicht – neue therapeutische Ansätze sind nötig.
  • Für die Forschung: Identifizierte bakterielle Proteine und Bindungsstellen bieten Ansatzpunkte für Medikamente und Impfstoffentwicklung.

Auch wenn die präsentierten Studiendaten aus dem Jahr 2008 stammen, bleibt die Botschaft aktuell: Mundgesundheit ist Teil der Herzgesundheit. Angesichts steigender Resistenzen und der hohen Bedeutung kardiovaskulärer Erkrankungen sind Prävention und zielgerichtete Forschung weiterhin vordringlich.

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