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Eine neue Laborstudie aus Bern zeigt: Kuhmilch und ungesüßte Pflanzengetränke beeinflussen Mundbakterien und Biofilme sehr unterschiedlich — je nach Zusammensetzung des Produkts und dem untersuchten Modell. Das Thema ist aktuell, weil pflanzliche Alternativen immer häufiger Teil der täglichen Ernährung sind und die Frage nach ihren Folgen für Zahngesundheit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Untersuchte Produkte und Versuchsaufbau
Die Forschenden testeten vier handelsübliche Getränke aus einem Schweizer Supermarkt: handelsübliche Kuhmilch (3,5 % Fett) sowie ungesüßte Varianten von Hafer-, Mandel- und Sojadrink. Die Analyse enthüllte deutliche Unterschiede bei Kohlenhydraten und pH-Werten: Kuhmilch wies rund 5 g Kohlenhydrate bzw. Zucker pro 100 ml auf, der Haferdrink 6 g (davon 5,2 g Zucker), der Mandeldrink unter 0,5 g und der Sojadrink 2 g (0,8 g Zucker). Die pH-Werte reichten von etwa 6,72 (Kuhmilch) bis 7,31 (Mandeldrink).
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Im Labor prüften die Wissenschaftler einzelne orale Keime — darunter S. mutans, S. gordonii und P. gingivalis — sowie zwei komplexe Biofilmmodelle: ein kariogenes Modell mit fünf Spezies und ein parodontales Modell mit zwölf Spezies. In Letzterem wurden zusätzlich monozytäre Zellen eingesetzt, um Entzündungsmarker wie Interleukin‑1β und Interleukin‑10 zu messen. Bei P. gingivalis stand darüber hinaus die Aktivität argininspezifischer Gingipaine im Fokus, ein bekannter Virulenzfaktor.
Welche Effekte traten auf?
Die Ergebnisse variierten stark je nach Testaufbau und Zielparameter — klare Verallgemeinerungen sind deshalb nicht möglich. Einige zentrale Befunde fassen die Forschenden wie folgt zusammen:
- S. gordonii: In Einzelkulturen förderten Kuhmilch und drei der vier pflanzlichen Drinks das Wachstum leicht.
- S. mutans: Die Auswirkungen blieben insgesamt schwach; in Versuchen mit Saccharose kam es bei einzelnen Substanzen zu einem Rückgang koloniebildender Einheiten, am deutlichsten nach niedriger Kuhmilch‑Dosierung.
- Kariogenes Biofilmmodell: Der Mandeldrink verringerte die Zahl lebensfähiger Bakterien, während Kuhmilch und Sojadrink mit reduzierter Biofilmmasse und geringerer Stoffwechselaktivität einhergingen.
- Parodontaler Biofilm: Kuhmilch und Haferdrink senkten sowohl die Anzahl koloniebildender Einheiten als auch die metabolische Aktivität des Biofilms.
- P. gingivalis / Gingipain: Ein zehnprozentiger Mandeldrink blockierte im Labor die argininspezifische Gingipain‑Aktivität.
- Immunmodulation: Der Sojadrink erhöhte die Freisetzung von IL‑10, unabhängig davon, ob ein Biofilm vorhanden war — ein Hinweis auf einen immunmodulatorischen Effekt.
Bedeutung und Grenzen der Studie
Die Untersuchung liefert neue Labordaten, die darauf hinweisen, dass einzelne Getränke in ihrer Wirkung auf orale Mikroorganismen sehr unterschiedlich sind. Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das: Pauschale Urteile über «zahngesund» oder «zahnschädlich» bei pflanzlichen Drinks sind nicht gerechtfertigt.
Wichtig ist die Einschränkung: Es handelt sich um In‑vitro‑Experimente. Bedingungen im Mund — Speichelfluss, Ess‑ und Trinkverhalten, Putzgewohnheiten und individuelle Mikrobiome — können die Effekte im Alltag stark verändern. Aussagen zur tatsächlichen Wirkung beim Menschen erfordern klinische Studien.
Dennoch sind die Ergebnisse relevant für Dentisten, Ernährungsberater und Konsumenten, weil sie zeigen, dass Zutatenprofil (z. B. Zuckeranteil), pH und andere Bestandteile das Verhalten oraler Bakterien beeinflussen können. Bei anhaltender Popularität pflanzlicher Drinks ist das ein Thema mit unmittelbarem Praxisbezug.
Studie: Stähli A., Baysal R., Sluga A. et al., „The in‑vitro effect of bovine milk, and plant‑based alternatives on oral microorganisms and biofilms“, Sci Rep (2026). Vorabversion veröffentlicht am 24. April 2026.












