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Eine neue Studie aus Hiroshima bringt das Mundmilieu ins Zentrum der MS-Forschung: Forschende berichten, dass das Bakterium Fusobacterium nucleatum bei Betroffenen mit Multiple Sklerose häufiger vorkommt und mit deutlich stärkeren Beeinträchtigungen verbunden ist. Das Ergebnis wirft die Frage auf, ob orale Entzündungen als beeinflussbarer Faktor den Krankheitsverlauf mitprägen können — eine Erkenntnis mit unmittelbarer Relevanz für Prävention und Betreuung.
Worum ging es in der Untersuchung?
Ein Team der Universität Hiroshima analysierte Mundproben — vor allem Zungenbelag — von Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Im Fokus standen neben Multiple Sklerose auch Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) und MOGAD. Ziel war es herauszufinden, ob bestimmte Parodontalkeime mit dem Schweregrad der neurologischen Erkrankungen zusammenhängen.
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Parodontitis treibt MS-Patienten häufiger in schwere Behinderung
Die Forschenden ordneten die Häufigkeit einzelner Bakterien in den Proben relativ ein und verglichen die Gruppen mit hoher und niedriger bakterieller Präsenz. Dabei kontrollierten sie wichtige Einflussfaktoren wie Alter, Dauer der Erkrankung, Schubhäufigkeit und MS-Subtyp.
Wesentliche Ergebnisse
Die Analyse zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen einer erhöhten Präsenz von Fusobacterium nucleatum und einem schwereren Verlauf der MS, gemessen am erweiterten Behinderungsstatus (EDSS). Dieser Zusammenhang trat in den Proben von NMOSD- und MOGAD-Patienten nicht zutage.
- Hohe Konzentration von F. nucleatum war mit einem deutlich höheren Anteil an mittelschweren bis schweren Behinderungen assoziiert.
- Auch das gleichzeitige Vorhandensein weiterer parodontaler Erreger verstärkte die Verknüpfung mit höherem Behinderungsgrad.
- Die Befunde blieben nach statistischer Anpassung für gängige Störfaktoren bestehen.
| Messgröße | Ergebnis |
|---|---|
| Anteil mit EDSS ≥ 4 (hohe F. nucleatum‑Präsenz) | 61,5 % |
| Anteil mit EDSS ≥ 4 (niedrige F. nucleatum‑Präsenz) | 18,6 % |
| Geschätzte Änderung des Risikos (adjustiert) | etwa zehnfach erhöht |
Mögliche Deutung — und die Grenzen
Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass F. nucleatum eine „Brückenfunktion“ übernehmen könnte: Es vernetzt mikrobielle Gemeinschaften in Zahnbelägen und fördert lokale Entzündungsprozesse, die systemische Folgen haben könnten. Ob und wie diese oralen Entzündungen direkt neurologische Schäden begünstigen, lässt sich aus der aktuellen Studie jedoch nicht mit Gewissheit ableiten.
Wichtig ist: Es handelt sich um eine beobachtende Studie. Kausale Schlüsse — etwa dass das Entfernen des Keims den Krankheitsverlauf verbessert — sind damit noch nicht belegt. Klinische Interventionsstudien wären nötig, um eine direkte Wirksamkeit zahnmedizinischer Maßnahmen auf MS-Verläufe zu prüfen.
Was bedeutet das für Betroffene und die Versorgung?
Für Patientinnen und Patienten hat die Untersuchung zwei praktische Implikationen: Erstens unterstreicht sie, wie stark das orale Mikrobiom Teil des Gesamtgesundheitsbilds ist. Zweitens verweist sie auf ein potenziell modifizierbares Risiko — gute Mundhygiene und Behandlung parodontaler Entzündungen könnten sich als günstige Maßnahmen erweisen, sollten spätere Studien einen kausalen Zusammenhang bestätigen.
Fachleute raten zur Abwägung: Zahnmedizinische Vorsorge ist generell sinnvoll, ob sie allerdings direkt MS-Verläufe abschwächt, bleibt offen. Die Ergebnisse rechtfertigen jedoch weitere Forschung an der Schnittstelle von Zahnmedizin und Neuroinflammation.
Studie: Naito H., Nakamori M., Nishi H. et al., „The periodontal pathogen Fusobacterium nucleatum is associated with disease severity in multiple sclerosis“, Scientific Reports, 2025. DOI: 10.1038/s41598-025-22266-x.












