Stiftversorgungen nach Wurzelbehandlung: Neue Studie nennt Hauptgründe für frühes Versagen

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Eine praxisnahe Untersuchung zur Haltbarkeit von nach einer Wurzelbehandlung mit Stift versorgten Zähnen wurde mit dem mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis 2025 der Zahnärztekammer Sachsen‑Anhalt ausgezeichnet. Die Analyse aus Bern liefert über bis zu 20 Jahre Beobachtungszeit konkrete Zahlen, die Behandler und Patientinnen heute bei der Auswahl von Restaurationsstrategien direkt betreffen.

Langzeitdaten aus Allgemeinpraxen

Eine Forschergruppe um Enno Kramer von der Universität Bern untersuchte 195 endodontisch behandelter Zähne mit Stiftaufbauten, die in acht deutschen Allgemeinpraxen versorgt wurden. Eingeschlossen waren Frontzähne, Eckzähne und Prämolaren; Art der Stifte und Materialien blieb praxisüblich variabel.

Die mittlere Nachbeobachtungsdauer lag bei gut neun Jahren, maximal wurden Daten über zwei Dekaden erfasst. Die Studie unterschied zwischen dem formalen Behandlungserfolg und dem bloßen Verbleib der Zähne im Mund (Überleben) — zwei verwandte, aber unterschiedliche klinische Endpunkte.

Parameter Ergebnis
Behandelte Zähne 195 (incisivi, canini, prämolaren)
Mittlere Nachbeobachtungszeit 112 Monate (95%-KI: 97–127)
Erreichte Behandlungserfolge 115 Fälle; geschätzte Erfolgszeit ~145 Monate
Überlebende Zähne (in situ) 145 Fälle; geschätzte Überlebenszeit ~179 Monate
Jährliche Ausfallrate (AFR) 5,4% (Erfolg) bzw. 3,2% (Überleben)
Auswirkung von Rezementieren Signifikant erhöhtes Ausfallrisiko (p < 0,002)
Effekt proximale Kontakte Restaurationen mit zwei proximalen Kontakten: 3,3‑fach geringere Ausfallrate (p = 0,032)

Rezementieren: deutlich erhöhte Risiken

Die Auswertung zeigt, dass das erneute Zementieren älterer Kronen — darunter auch Teleskopkronen — mit einem höheren Risiko für Misserfolg und vorzeitigen Verlust der Restauration verbunden ist. Werden solche Fälle aus der Analyse ausgeklammert, sinken die jährlichen Ausfallraten deutlich.

Warum das so ist, lässt die Studie nicht abschließend klären. Als plausible Erklärungen nennen die Autorinnen und Autoren mechanische Schwächung der Befestigung, Materialermüdung und veränderte Passung bei älteren Kronen. Unabhängig von der Ursache empfehlen die Forschenden, das Vorgehen bewusst in die Behandlungsplanung einzubeziehen und die Patientin oder den Patienten darauf hinzuweisen.

Praktische Konsequenzen für Praxis und Patient

  • Informierte Entscheidung: Das erhöhte Risiko beim Rezementieren sollte Gegenstand der Aufklärung und Planung sein.
  • Proximaler Halt zählt: Zähne mit beidseitigen Kontaktpunkten wiesen bessere Langzeitstabilität auf.
  • Materialwahl und Passung: Unterschiedliche Stifttypen und Kronenmaterialien waren in der Studie üblich — gezielte Auswahl bleibt Aufgabe des Behandlers.
  • Langzeitkontrollen: Regelmäßige Nachsorge hilft, frühe Probleme zu erkennen und rechtzeitig zu intervenieren.

Die unabhängige Jury hob den hohen Praxisbezug der Studie hervor und betonte, dass die Ergebnisse unmittelbar in den Behandlungsalltag der deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzte einfließen können. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Bessere Informationen und fundiertere Therapieentscheidungen.

Die Zahnärztekammer Sachsen‑Anhalt hat den Förderpreis bereits ausgeschrieben: Bewerbungen für 2026 können noch bis Ende Juni 2026 eingereicht werden; Details sind auf der Website der Kammer zu finden.

Die Untersuchung ist im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS) dokumentiert und wurde von einem Team unter Leitung von Enno Kramer an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern durchgeführt.

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