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Eine große japanische Untersuchung legt nahe, dass die Stellung der Vorderzähne langfristig mit Zahnverlust verknüpft sein könnte: Erwachsene mit einem frontalen Kreuzbiss hatten häufiger weniger Zähne als Personen mit normalem Biss, während ein offener Biss offenbar anders wirkt. Das Ergebnis betrifft Millionen Ältere weltweit, weil Kauverlust die Ernährung und damit die Gesundheit beeinflusst.
Forscherinnen und Forscher der Universität Tohoku analysierten Daten aus der Community‑Kohorte des Tohoku Medical Megabank Projects, um den Zusammenhang zwischen Bisslage und Zahnerhalt bei Personen ab 40 Jahren zu prüfen. Insgesamt flossen die Informationen von 17.349 Teilnehmenden in die Auswertung ein.
Die Probanden wurden nach oralen Messungen in vier Kategorien eingeteilt: normale Okklusion, offener Biss, frontaler Kreuzbiss und kombinierte Fehlstellung. Anschließend verglichen die Wissenschaftler, wie viele Personen in jeder Gruppe mit ≤ 19 verbleibenden Zähnen lebten und wie häufig Zähne im Seitenzahnbereich fehlten.
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- Stichprobe: 17.349 Erwachsene ≥ 40 Jahre (normale Okklusion: 16.790; offener Biss: 177; Kreuzbiss: 348; kombinierte Malokklusion: 34).
- Kernbefund – Kreuzbiss: Personen mit frontalem Kreuzbiss zeigten eine erhöhte Prävalenz für ≤ 19 verbleibende Zähne (prävalenzverhältnis etwa 1,48; 95‑%‑Konfidenzintervall 1,04–2,10) und einen leichten Anstieg beim Verlust von Seitenzähnen (PR ≈ 1,14; 95‑%‑KI 1,07–1,20).
- Kernbefund – offener Biss: Teilnehmer mit offenem Biss wiesen tendenziell weniger posterioren Zahnverlust auf (PR ≈ 0,79; 95‑%‑KI 0,69–0,90) und eine höhere Molarenretention in altersstratifizierten Analysen.
Was die Ergebnisse bedeuten
Nach Einschätzung der Studienautoren deuten die Befunde darauf hin, dass unterschiedliche Frontzahnstellungen auf verschiedene Weise die Belastung beim Kauen verteilen und dadurch langfristig den Zahnerhalt beeinflussen können. Kento Numazaki, Erstautor und Assistenzprofessor für Kieferorthopädie an der Universität Tohoku, betont, dass die Analyse auf einem der größten bevölkerungsbasierten Datensätze beruhe und erstmals eine klare bevölkerungsbezogene Verbindung zwischen frontalem Kreuzbiss und erhöhtem Zahnverlust nahelege.
Das hat praktische Relevanz: Ein substantieller Zahnverlust beeinträchtigt nicht nur die Kaufunktion, sondern kann auch Essen, allgemeine Gesundheit und Lebensqualität beeinflussen. Daher sprechen die Autoren dafür, die Bisslage künftig stärker in Vorsorgeuntersuchungen zu berücksichtigen – neben den bekannten Risikofaktoren wie Karies und Parodontitis.
Kontext und Grenzen
Wichtig ist, dass es sich um eine Querschnittsanalyse handelt: sie zeigt Zusammenhänge, aber keine kausalen Verläufe. Die Forschenden fordern deshalb Längsschnittstudien, um zu klären, wie sich Zahnverluste bei Menschen mit frontalem Kreuzbiss über Jahre entwickeln, und ob die Beobachtungen in Japan in anderen Bevölkerungen reproduzierbar sind.
Weitere offene Fragen betreffen mögliche Mechanismen: Verändert ein Kreuzbiss die Kaubelastung so, dass Seitenzähne überbelastet werden? Oder spielen sozioökonomische Faktoren, Zahnpflegeverhalten und Zugang zu zahnärztlicher Versorgung eine vermittelnde Rolle?
Kurzfristig liefert die Studie jedoch einen klaren Hinweis für Zahnärzte und Kieferorthopäden: Neben Karies und Parodontitis sollten auch die Bisslage und ihre möglichen Langzeitfolgen in die Patientenbetreuung einfließen.
Studie: Numazaki K. et al., „Association of anterior crossbite and open bite with the number of remaining teeth“; Clin Oral Investig, Januar 2026.












