Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen
Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) liefert erstmals Längsschnittdaten und zeigt: Prävention wirkt – doch nicht bei allen gleichermaßen. Die Ergebnisse, die auf Nachuntersuchungen von Teilnehmenden aus der DMS 5 basieren, machen deutlich, warum frühe Diagnostik und risikoadaptierte Prävention jetzt Priorität haben sollten.
Weniger neue Karies, seltener Zahnverlust
In der DMS 6 fällt auf, dass bei vielen Menschen über Jahre hinweg nur wenig Neues an Zahnkrankheiten hinzukommt. Besonders deutlich ist dies bei den heute 20-Jährigen: Wer 2014 kariesfrei war, hatte im Verlauf der neun Jahre im Schnitt höchstens einen neu betroffenen Zahn. Das deutet darauf hin, dass das früh etablierte präventive Versorgungsangebot Früchte trägt.
Auch der Zahnverlust hat im Vergleich zu früheren Generationen abgenommen. Ein großer Anteil der Bevölkerung behält viele Jahre lang die eigenen Zähne – ein Effekt, den Expertinnen und Experten der beteiligten Institutionen auf konsequente Prävention zurückführen.
Kennzahlen zeigen jetzt: welche Praxen überleben, welche scheitern
SHIP-Studie startet sechste Welle: neue Erkenntnisse zur Gesundheit vor Ort
Parodontitis: das kritische mittlere Erwachsenenalter
Die Studie bestätigt, dass Parodontitis ein schleichendes, phasenhaft verlaufendes Problem ist: lange Ruhephasen wechseln mit relativ kurzen Aktivitätsphasen, in denen sich die Erkrankung abrupt verschlechtern kann. Solche Progressionsphasen treten laut DMS 6 häufig im mittleren Erwachsenenalter auf und sind maßgeblich für spätere Zahnverluste.
Laut den Forschenden lassen sich viele negative Folgen durch frühzeitige Diagnostik und gezielte Therapie vermeiden; regelmäßige Kontroll- und Behandlungsintervalle sind insbesondere bei älteren Menschen wichtig, damit sie möglichst lange mit den eigenen Zähnen auskommen.
Mundgesundheit und chronische Erkrankungen
Die DMS 6 unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeingesundheit. Menschen mit Diabetes zeigen deutlich schlechtere orale Befunde: häufiger schwere Parodontitis, verstärkte Wurzelkaries und im Mittel rund doppelt so viele fehlende Zähne wie Menschen ohne Diabetes.
Wichtig für die Versorgungspraxis: Eine erfolgreiche Parodontitistherapie kann sich positiv auf die Blutzuckerwerte auswirken und damit auch Folgekosten für das Gesundheitssystem senken.
| Altersgruppe (Wave) | Untersuchungszeitraum | Kernbefund |
|---|---|---|
| 20‑Jährige (DMS 6, zuvor DMS 5) | 2014 → 2021–2023 | Bei ehemals kariesfreien Jugendlichen im Mittel ≤ 1 neu betroffener Zahn |
| 35–44 Jahre | Vergleich über ~9 Jahre | Deutlicher Effekt der seit den 1990er-Jahren präventionsorientierten Versorgung |
| 73–82 Jahre | Vergleich über ~9 Jahre | 40 % haben in den vergangenen knapp zehn Jahren keinen Zahn verloren |
Was das für Patientinnen, Patienten und Politik bedeutet
Die Studienautoren fordern eine noch stärker individualisierte Prävention: statt standardisierter Maßnahmen solle die Versorgung risikoadaptiert erfolgen, so die zentrale Empfehlung. Das heißt konkret, Screening, Frequenz von Kontrollen und Therapiepläne an individuelle Risikofaktoren anzupassen.
- Früherkennung reduzieren Progressionsphasen und langfristigen Zahnverlust.
- Gezielte Prävention in Kindheit und Jugend zahlt sich im Alter aus – weniger Zahnersatz, geringere Folgenkosten.
- Interprofessionelle Betreuung (z. B. Zahnärztinnen/Zahnärzte und Hausärztinnen/Hausärzte) ist besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen nötig.
Wissenschaftlicher Direktor des IDZ, Prof. Rainer Jordan, betont, dass die Krankheitsverläufe nicht linear sind und Präventionsstrategien deshalb personalisiert werden sollten. Die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, Dr. Romy Ermler, hebt hervor, dass die datenbasierten Längsschnitte die Wirksamkeit langfristiger Prävention belegen und frühe Maßnahmen sich auch ökonomisch lohnen. Vertreter der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung warnen zugleich davor, präventionsstärkende Maßnahmen durch Budgetkürzungen zu schwächen.
Zur Studie
Die DMS 6 erhob zwischen 2021 und 2023 an 90 Untersuchungszentren Daten von rund 3.400 Teilnehmenden aus verschiedenen Alters- und Sozialgruppen. Für die erstmals vorliegenden Längsschnittanalysen wurden Personen, die 2014 in der DMS 5 untersucht worden waren, erneut untersucht – dadurch sind Aussagen über individuelle Krankheitsverläufe über einen Zeitraum von etwa neun Jahren möglich.
Die Ergebnisse wurden vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) vorgestellt und liefern konkrete Ansatzpunkte für eine risikobasierte, lebenslange Prävention.












