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Ein einfach eingeführtes Pflegeritual kann in Altenheimen spürbare Verbesserungen der Mundgesundheit bringen – und das in kurzer Zeit. Ein Projekt in einer stationären Einrichtung zeigt, wie gezielte Schulung des Personals und klare Abläufe «Mundpflege» vom Randthema zu einem messbaren Qualitätsmerkmal machen.
Die Initiative geht zurück auf Meike Wattjes, eine zahnmedizinische Fachangestellte mit dem Abschluss Bachelor of Arts Dentalmanagement, die für eine praxisorientierte Anleitung zur Mundhygiene von Angehörigen ausgezeichnet wurde. Aus der Auszeichnung wurde ein Pilotprojekt in einem evangelischen Altenzentrum, das mittlerweile verlängert wurde, weil die Ergebnisse überzeugen.
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Pragmatisch, kurz, verbindlich
Im Kern steht eine überschaubare Regel: eine gezielte Zahn-, Mund- und Prothesenpflege pro Tag – strukturiert, individuell angepasst und zeitlich knapp bemessen. Mit geeigneten Hilfsmitteln und einer klaren Routine lassen sich viele Pflegehandlungen in rund fünf Minuten zuverlässig durchführen.

Die Schulungen verbinden Grundlagenwissen zu Zähnen, Zahnersatz und stoffwechselbedingten Risikofaktoren mit praktischen Übungen. Zusätzlich kommt ein einfaches Bewertungsinstrument zum Einsatz, das eine schnelle Einschätzung des Mundzustands erlaubt.
Warum das gerade jetzt relevant ist
Seit Januar 2023 liegt mit dem neuen Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege erstmals eine multiprofessionell erarbeitete Leitlinie vor. Sie ist für stationäre Einrichtungen nach § 113a SGB XI rechtlich zu berücksichtigen und fließt in Qualitätsprüfungen ein. Für Pflegeleitungen bedeutet das: Mundpflege ist kein optionaler Bonus, sondern Teil der pflegerischen Pflicht.
Konsequenzen für Heimbetriebe: besser dokumentierte Pflege, weniger Beschwerden durch orale Schmerzen und höhere Nachvollziehbarkeit bei Prüfungen durch den Medizinischen Dienst.
Alltagstauglich bei komplexen Mundsituationen
Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben eine Mischung aus eigenen Zähnen und unterschiedlichen Zahnersatzlösungen – Implantate, Teleskopkronen oder Prothesen. Dazu treten im Alter häufig Probleme wie Mundtrockenheit, die Karies und Schleimhautentzündungen begünstigt.
Im Projekt lernen Pflegekräfte, verschiedene Versorgungen sicher zu handhaben und auf subtile Veränderungen im Mundraum zu achten. Durch die tägliche Nähe zu den Betroffenen können Pflegende Auffälligkeiten früher erkennen als eine Praxis, etwa verändertes Essverhalten oder neue Druckstellen.
Praxisfall: Pflege angepasst an individuelle Bedürfnisse
Ein konkretes Beispiel zeigt, wie personalisierte Pflege aussieht: Eine Bewohnerin mit einer Oberkiefer-Totalprothese und Teleskopkronen im Unterkiefer benötigt Unterstützung bei der Mundpflege. Das Personal wählt eine auf die Situation abgestimmte Kombination aus Prothesenbürste, klein aufgebauter Handzahnbürste, passenden Interdentalbürsten und einer schonenden Zahncreme.

Teile der Routine führt die Bewohnerin selbst aus, andere Schritte erledigt das Team. Kleine Rituale und respektvolle Ansprache erhöhen die Bereitschaft zur Mitwirkung und erhalten die Würde der Betroffenen.
Demenzerkrankte mitnehmen – oft möglich
Eine überraschende Erkenntnis des Projekts: Viele demenziell erkrankte Personen lassen sich auf eine neue Mundhygieneroutine ein, wenn die Maßnahmen auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten sind. Erklärungen in einfachen Schritten, Geduld und die Einbindung in vertraute Abläufe sind entscheidend.
- Täglich Zeit einplanen: Eine sorgfältige Pflegeeinheit pro Tag reicht oft aus, wenn sie strukturiert erfolgt.
- Genau hinschauen: Blutendes Zahnfleisch, Beläge oder verändertes Essverhalten sind Warnsignale.
- Passende Hilfsmittel: Nicht jede Bürste passt – Interdental- oder Prothesenbürsten erleichtern die Arbeit bei komplexem Zahnersatz.
- Routinen etablieren: Feste Zuständigkeiten und Dokumentation schaffen Sicherheit für Personal und Bewohner.
Was die Praxis bringt
Pflegedienstleitungen berichten von messbaren Effekten: Vorher‑Nachher-Fotos und dokumentierte Befunde machen Fortschritte sichtbar und steigern die Motivation der Mitarbeitenden. Gut geschulte Teams können den Aufwand überschaubar halten und die Maßnahmen zuverlässig in den Alltag integrieren.
Marc Stoyke, Pflegedienstleitung der beteiligten Einrichtung, hebt hervor, dass Mundpflege mehr sein müsse als ein theoretischer Standard auf dem Papier: die praktische Umsetzung entscheide über den Erfolg.
Meike Wattjes betont, dass Pflegende durch ihre Nähe zu den Bewohnern nicht nur Symptome erkennen, sondern präventiv handeln können – und damit Schmerzen sowie Folgeprobleme verhindern.
Ausblick
Die Kombination aus rechtlicher Vorgabe, praxisorientierter Schulung und einfachen Werkzeugen zeigt, wie sich Mundhygiene in der stationären Pflege nachhaltig verbessern lässt. Wo dieses Zusammenspiel gelingt, profitieren Bewohnerinnen und Bewohner unmittelbar durch weniger Schmerzen, höhere Lebensqualität und bessere Allgemeingesundheit.
Quellen: Informationen aus Veröffentlichungen des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), Mitteilungen der Bundeszahnärztekammer und Projektunterlagen der teilnehmenden Einrichtung.












