Ein neuer Bericht aus Duisburg-Essen alarmiert: Ältere Beschäftigte sind häufiger gesundheitlich belastet, und viele können wohl nicht bis zur geplanten Anhebung der Rentenaltersgrenze 2031 arbeiten. Das wirft Fragen auf, wie Deutschland mit Menschen umgehen soll, die weder weiterarbeiten können noch Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente haben.
Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg‑Essen hat in einer aktuellen Studie die gesundheitliche Lage von 58‑ bis 65‑Jährigen zwischen 2010 und 2023 verglichen. Prof. Dr. Martin Brussig wertete dafür Daten aus dem Panel „Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung“ aus, das zuverlässige Selbsteinschätzungen zum Gesundheitszustand enthält.
Die Analyse ergibt kein überraschendes, aber ein handfestes Bild: Beschäftigte im höheren Arbeitsalter sind insgesamt gesünder als gleichaltrige Rentnerinnen und Rentner – dennoch hat sich die Gesundheit bestimmter Altersgruppen verschlechtert. Besonders auffällig ist, dass 59‑ bis 62‑Jährige im Job 2023 im Durchschnitt schlechtere Gesundheitswerte aufwiesen als 2010. Brussig interpretiert das als Hinweis darauf, dass ein Teil dieser Beschäftigten früher unter den damaligen Regelungen bereits in Frührente gegangen wäre.
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Durch Verschärfungen bei den Zugangsvoraussetzungen ist das heute oft nicht mehr möglich. Die Folge: Eine wachsende Zahl von Menschen befindet sich nach Brussigs Worten in einer Art Grauzone — zu krank für versicherungspflichtige Arbeit, aber nicht krank genug für die Erwerbsminderungsrente.
Was das konkret bedeutet
Diese Entwicklung hat direkte Folgen für Betroffene und Politik: Eine weitere Anhebung der gesetzlichen Altersgrenzen wird sozial verträglicher, wenn parallel Mechanismen geschaffen werden, die gesundheitlich eingeschränkten Beschäftigten echte Ausstiegsoptionen bieten. Ohne solche Maßnahmen drohen Beschäftigte in prekären Situationen zu verbleiben – gesundheitlich überfordert, aber ohne Anspruch auf Absicherung.
- Wichtigste Befunde: Verschlechterte Gesundheit unter 59‑ bis 62‑Jährigen (2010 vs. 2023); steigende Zahl in der „Versorgungs‑Grauzone“.
- Kurzfristige Lösungsrichtung: Erleichterter Zugang zu gesundheitsbedingter Frühverrentung und pragmatischere Prüfverfahren für die Erwerbsminderungsrente.
- Langfristige Maßnahmen: Mehr Investitionen in Arbeitsplatzanpassungen, betriebliche Gesundheitsförderung und berufliche Rehabilitation.
- Öffentliche Wahrnehmung: Eine DGB‑Umfrage zeigt, dass nur etwa die Hälfte der Beschäftigten glaubt, bis zur Regelaltersgrenze durchhalten zu können — ein Indiz für weit verbreitete Sorgen.
Brussig empfiehlt eine zweigleisige Politik: kurzfristig administrative Hindernisse für den Zugang zu gesundheitlicher Frühverrentung abbauen, langfristig in Prävention und Rehabilitation investieren, um Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Solche Maßnahmen würden für Betroffene konkrete Entlastung schaffen und die Risiken einer pauschalen Anhebung der Altersgrenzen mindern.
Die Debatte gewinnt an Dringlichkeit, weil politische Entscheidungen über Rentenalter und Sozialversicherungsregeln nicht nur abstrakte Haushaltsposten betreffen, sondern das tägliche Existenzniveau vieler älterer Beschäftigter. Ohne Anpassungen drohen soziale Härten und steigende Belastungen für das Gesundheitssystem.
Kurzfristig lassen sich Verbesserungen vor allem durch pragmatischere Zugangsregeln zur Frühverrentung und eine bessere Verzahnung von Gesundheits‑ und Sozialleistungen erreichen; langfristig bleibt die Stärkung von Prävention, Rehabilitation und arbeitsorganisatorischen Maßnahmen zentral, um die Erwerbsfähigkeit im Alter zu sichern.












