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Nach Jahren praktisch ohne Zinsen bieten festverzinsliche Anlagen erstmals wieder reale Erträge — für Sparer und sicherheitsorientierte Anleger eine Rückkehr alter Verlockungen. Entscheidend ist nun, welche Papiere, welche Laufzeiten und welche Risiken man in Kauf nimmt, erklärt Portfoliomanagerin Stefanie Dyballa.
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Anleihen im Aufwind: mit breiter Streuung jetzt stabile Erträge sichern
Mit steigenden Nominalzinsen öffnen sich Optionen, die lange Zeit nicht existierten: Anleger können wieder Zinsen erzielen, die zumindest Teile der Teuerung ausgleichen. Das ändert die Fragestellungen bei der Vermögensplanung, weil Rentenpapiere nicht mehr automatisch Renditevernichter sind — doch das gilt nicht uneingeschränkt für alle Anleihetypen.
Grundsätze in Kürze
Dyballa betont, dass die einfache Gleichung „hohe Kupons = sichere Gewinne“ nicht greift. Entscheidend sind neben dem Nominalzins vor allem die Effekte von Inflation, Gebühren, Steuern und Wechselkursbewegungen. Wer längerfristig bindet, muss zudem mit Zinssteigerungen und damit fallenden Kursen rechnen.
Worauf Anleger aktuell besonders achten sollten
Einige zentrale Punkte, die beim Investieren in Anleihen jetzt ins Gewicht fallen:

- Realrendite: Prüfen, ob der Zins nach Kosten und Steuern die Inflationsrate übersteigt.
- Wechselkursrisiko: Anlagen in Fremdwährungen können Gewinne aufzehren, wenn die Währung fällt.
- Emittentenrisiko: Staatliche Sicherheiten sind relativ, Ausfälle sind trotz allem möglich.
- Laufzeitenmix: Kürzere Laufzeiten reduzieren Zinsrisiken, längere liefern oft etwas höhere Kupons — ein Kompromiss ist sinnvoll.
US-Staatsanleihen versus europäische Papiere
Die zehnjährigen US-Treasuries bringen derzeit etwa fünf Prozent nominal; das ist attraktiv im Vergleich zu vielen Jahren mit null oder negativen Zinsen. Doch der Dollar spielt eine entscheidende Rolle: fällt die US-Währung, kann das die Rendite aus Sicht eines Euro-Inhabers deutlich schmälern.

Deutsche Staatsanleihen stehen zwar moderater da als US-Papiere, bieten aber teilweise eine Rendite leicht oberhalb der Inflation. In der Praxis sind deutsche Bunds deshalb für konservative Portfolios sinnvoll — allerdings als Stabilitätsbaustein, nicht als Motor für Vermögenswachstum.
| Instrument | Typische Rendite (ungefähr) | Hauptrisiko |
|---|---|---|
| US-Staatsanleihen (10 Jahre) | ~5 % | Wechselkurs, Zinsanstieg |
| Deutsche Staatsanleihen | leicht über Inflationsniveau | geringe Realverzinsung bei höherer Inflation |
| Unternehmensanleihen (Investment Grade / Tech) | variabel, oft höher als Staatsanleihen | Emittentenrisiko, konjunkturabhängig |
Typische Fehler von Einsteigern
Viele Privatanleger unterschätzen die Bedeutung der Emittentenbonität oder blenden Wechselkursrisiken aus. Ein weiteres verbreitetes Problem: das Fokussieren auf Kuponhöhen ohne Blick auf Duration und Wiederanlagerisiko.
Auch die Versuchung, hohe Renditen bei Papieren aus Ländern mit hoher Verschuldung zu glauben, ist riskant — hohe Zinsen signalisieren oft genau jenes erhöhte Risiko, das der Anleger kompensiert sehen möchte.
Wie Profis Anleihen einsetzen
Für institutionelle Anleger ist das Ziel meist Diversifikation: Rentenpapiere dämpfen Schwankungen im Vergleich zu Aktien und liefern planbaren Cashflow, etwa bei regelmäßigen Entnahmen. Übliche Werkzeuge sind Laufzeitenstaffelungen und die Kombination von Staats- mit Unternehmensanleihen, um Zins- und Ausfallrisiken zu streuen.
Dyballa verweist zudem auf die wachsende Bedeutung ausgewählter Unternehmensanleihen: große Technologieunternehmen mit stabiler Bilanz bieten derzeit Ertragschancen, die in vielen Modellen in Frage kommen — allerdings nur als Teil eines breit angelegten Portfolios.
Konkrete Checkliste vor dem Kauf
- Ermitteln Sie die erwartete Realrendite nach Gebühren und Steuern.
- Beurteilen Sie die Bonität des Emittenten; schauen Sie auf Schuldenquote und Fiskalpolitik.
- Entscheiden Sie über Laufzeitmix: Kurzfristige Papiere reduzieren Duration.
- Berücksichtigen Sie Fremdwährungsrisiken oder hedgen Sie diese gezielt.
- Verstehen Sie, wie sich steigende Zinsen auf Kurswerte auswirken können.
Kurz gesagt: Anleihen können wieder ein sinnvoller Baustein sein, doch sie sind kein Pauschalheilmittel. Für sicherheitsorientierte Anleger empfiehlt sich eine sorgfältige Auswahl und eine bewusste Mischung aus Laufzeiten und Emittenten.
Stand: Oktober 2026 — auf Basis eines Gesprächs mit Stefanie Dyballa, Portfoliomanagerin bei der KSW Vermögensverwaltung AG.











