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Bei der Jahrestagung 2026 der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) in Heidelberg haben CP Gaba und die Fachgesellschaft aktuelle Spitzenforschung ausgezeichnet und Fördermittel für neue Projekte vergeben. Das Urteil der Jury und die geförderten Vorhaben werfen direkte Fragen auf, die Zahnärzte, Forschende und Patienten gleichermaßen betreffen: Welche neuen Erkenntnisse verändern Prävention, Therapie und Forschung in der Parodontologie?
Die Auszeichnungen richten sich an peer-reviewed Publikationen des vergangenen Jahres und zielen zugleich auf die Förderung praxisrelevanter, translationeller Forschung. Insgesamt wurden Preise in den Bereichen **Grundlagenforschung** und **klinische Studien** vergeben; zusätzlich unterstützt CP Gaba projektbezogene Forschung mit eigenen Mitteln.
Preisstruktur und Fördersumme
Die Auszeichnungsgelder sind klar dotiert und sollen sowohl wissenschaftliche Exzellenz sichtbar machen als auch Forschungsvorhaben anschubsen, die kurz- bis mittelfristig in die klinische Praxis übersetzen lassen.
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- DG Paro/meridol Preis: je Kategorie prämiert, Gesamtdotation 6.000 Euro.
- DG Paro/meridol Forschungsförderung: bis zu 10.000 Euro pro bewilligtem Projekt.
Herausragende Grundlagenarbeiten
Den ersten Rang in der Grundlagenforschung belegte ein Team um Prof. Dr. Thomas Kocher aus Greifswald. Die Gruppe wertete Langzeitdaten aus großen Kohortenstudien aus und fand einen Zusammenhang zwischen erhöhten Speichelwerten des Alkaloids Theobromin und günstigeren Parodontitisverläufen über mehrere Jahre. Die Beobachtung wirft die Frage auf, ob theobrominhaltige Produkte langfristig die parodontale Gesundheit begünstigen könnten — ein Befund, der noch mechanistisch geprüft werden muss.
Als zweite prämiere Arbeit untersuchte ein Team um Prof. Dr. Susanne Schulz die mikrobiellen Profile in subgingivalen Proben und in atherosklerotischen Plaques der Halsschlagader. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die bakterielle Zusammensetzung in Gefäßplaques nicht einfach eine Spiegelung der oralen Mikrobiota ist; orale Taxa traten dort nur vereinzelt auf. Das begrenzt die Hypothese, dass Gefäßinfektionen primär aus dem Mund stammen, und öffnet den Blick für weitere systemische Quellen der vaskulären Mikrobiota.
Klinische Studien mit Praxisrelevanz
Im klinischen Bereich erhielt ein Multizenterteam um Prof. Dr. Karin Jepsen den ersten Preis für eine dreijährige Nachbeobachtung nach Weichgewebe-Augmentationen an Implantaten. Verglichen wurden eine volumenstabile Kollagenmatrix (VCMX) mit dem klassischen freien Bindegewebstransplantat (SCTG). Beide Verfahren führten zu dauerhaft stabilen periimplantären Verhältnissen mit nur geringen Konturveränderungen. Interessanterweise bewerteten Behandler die ästhetische Gesamtsituation zugunsten des SCTG, während Patienten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Methoden registrierten.
Auf dem zweiten Platz landete eine Langzeitstudie aus München, die klinische Endpunkte der Parodontaltherapie mit der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität (MLQ) nach bis zu zehn Jahren unterstützender Therapie verglich. Ein direkter Zusammenhang zwischen erreichten klinischen Zielen und der MLQ ließ sich nicht nachweisen; jedoch berichteten Patienten mit Zahnverschiebungen deutlich schlechtere Lebensqualitätswerte. Die Autoren plädieren dafür, funktionelle und ästhetische Aspekte stärker in die Bewertung des Therapieerfolgs einzubeziehen.
Neu geförderte Projekte
Die Forschungsförderung kürte zwei Projekte, die aktuelle Lücken in der Parodontologie adressieren. Den ersten Förderpreis erhielt Dr. Christina L. Pappe (Leipzig) für eine Sekundäranalyse von supra- und subgingivalen Plaqueproben aus einer bereits durchgeführten randomisierten Studie zur Wirkung einer vollwertig pflanzenbasierten Ernährung. Ziel ist es, beobachtete klinische Effekte auf mikrobiologische Veränderungen zurückzuführen und so Ernährung, Mikrobiomforschung und klinische Parodontologie enger zu verknüpfen.

Der zweite Förderplatz ging an Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider (Würzburg) für ein Vorhaben zur hormonabhängigen, posttranskriptionellen Regulation als möglichem Mechanismus geschlechtsspezifischer Parodontitis. Im Fokus stehen die Proteine CPEB1 und CPEB4, die bereits in Vorarbeiten mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe bei jungen Frauen in Verbindung gebracht wurden. Das Projekt will mechanistische Einsichten liefern, die Prävention und Therapien geschlechtsspezifisch verbessern könnten.
Was bedeutet das für Praxis und Forschung?
Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen zwei Stränge: Zum einen werden konservative und chirurgische Therapien weiterentwickelt, ohne dass ein Alleinentscheid zugunsten neuer Techniken erkennbar ist. Zum anderen verschiebt sich das Interesse verstärkt in Richtung systemische Zusammenhänge — Ernährung, Mikrobiom und hormonelle Steuerung stehen im Fokus.
- Für Behandler: Langfristige Stabilität periimplantärer Weichgewebe scheint mit verschiedenen Augmentationsmethoden erreichbar; ästhetische Evaluationen sollten sowohl Behandler- als auch Patientensicht einbeziehen.
- Für Forscher: Interdisziplinäre Ansätze (Mikrobiom, Ernährung, molekulare Mechanismen) gewinnen an Bedeutung und verlangen methodische Vielfalt.
- Für Patienten: Funktionelle und ästhetische Einschränkungen wie Zahnverschiebungen beeinflussen die Lebensqualität stark und sollten in Behandlungsentscheidungen einfließen.
Die DG Paro veröffentlicht Details zu Preisen, Förderbedingungen und Fristen auf ihren Online-Seiten; Interessierte finden dort auch die vollständigen Begutachtungsmodalitäten und Ausschreibungen. Die hier prämierten Studien wurden kürzlich in internationalen Fachzeitschriften publiziert und tragen zur aktuellen Debatte über die Schnittstellen von Parodontologie, Systemmedizin und Patientenzentrierung bei.












