Komplexe Operationen: mehr Kontrolle dank neuer Methode

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Eine etwas dickere Kollagenmembran will die Praxisroutine bei kniffligen Augmentationen erleichtern: In der Pre‑Launch‑Phase hat Implantologin Dr. Leoni Spilker die neue Bio‑Gide Forte klinisch geprüft und berichtet, in welchen Fällen die robustere Variante wirklich spürbare Vorteile bringt – und wann sie weiterhin zur bewährten, dünneren Membran greift. Das ist relevant, weil solche Materialentscheidungen unmittelbar den OP‑Ablauf, die Vorhersagbarkeit und damit die Versorgungsqualität beeinflussen.

Mehr Substanz, mehr Kontrolle

Dr. Spilker lernte die Forte‑Variante in verschiedenen chirurgischen Szenarien kennen. Auffällig war für sie vor allem die veränderte Haptik: Die Membran wirkt insgesamt formstabiler und lässt sich beim Positionieren kontrollierter bewegen. Dies verändert nicht die Grundprinzipien der Regenerationschirurgie, kann aber einzelne Arbeitsschritte vorhersehbarer machen.

Wichtig: Die neue Variante bleibt anpassungsfähig und passt sich dem Defekt an, ohne sich steif anzufühlen. Das Zusammenspiel aus Stabilität und Adaptationsfähigkeit macht den Unterschied gegenüber der klassischen Ausführung aus.

Wie sich das Handling konkret verändert

Im Alltag zeigte sich ein praktischer Vorteil beim Zuschneiden: Auch im feuchten Operationsfeld lässt sich die Forte‑Membran sauber schneiden. Beim Platzieren neigt sie weniger zum Verziehen oder Kollabieren, was besonders in Situationen mit eingeschränkter Sicht hilfreich ist.

Bei Doppellagen (Double‑Layer‑Technik) kann das Falten zunächst ungewohnt sein, weil sich die Membran leichter wieder aufrichtet. Das erfordert eine kurze Anpassungsphase, stellt aber für geübte Teams kein Hindernis dar.

Wo die Forte‑Variante ihre Stärken ausspielt

Besonders überzeugend fand Dr. Spilker die neue Membran in Situationen mit ungünstigen Weichgewebsbedingungen. Beispiele aus der Praxis:

  • Voroperierte Areale mit narbig verändertem Gewebe, in denen die Fehlertoleranz gering ist.
  • Größere oder anatomisch komplexe Defekte, die eine stabile Deckung des Augmentats erfordern.
  • Erweiterte laterale Sinuslift‑Eingriffe, bei denen Feuchtigkeit und eingeschränkte Sicht das Handling erschweren.

In solchen Fällen trägt die zusätzliche Substanz der Membran dazu bei, das Augmentat ruhiger und besser geschützt zu lagern, was den operativen Ablauf erleichtert.

Gibt es Zeitgewinne im Praxisalltag?

Ein dramatischer Zeitvorteil ist nicht zu erwarten, betont Dr. Spilker. Wohl aber laufen einzelne Arbeitsschritte flüssiger ab, weil die Membran stabil bleibt und weniger nachjustiert werden muss. Das schafft im OP oft mehr Ruhe und Sicherheit — speziell bei anspruchsvollen Rekonstruktionen.

Gegenüberstellung: Bio‑Gide Forte vs. klassische Bio‑Gide

Eigenschaft Bio‑Gide Forte klassische Bio‑Gide
Dicke / Formstabilität größere Substanz, höherer Formhalt dünner, sehr anpassungsfähig
Handhabung beim Platzieren verzeihender, weniger Kollaps feinere Adaptation möglich
Zuschneidbarkeit (feuchter Zustand) sehr gut gut
Empfohlene Indikationen große Defekte, narbige Weichgewebe, komplexe Sinuslifting kleinere Defekte, filigrane Adaptation

Praktische Empfehlung: Wann welche Membran?

Dr. Spilker fasst ihre derzeitige Einordnung so zusammen: Die Forte‑Variante ist ihre Wahl bei anspruchsvolleren Augmentationen oder eingeschränkten Weichgewebsverhältnissen. Bei kleinen, feinen Rekonstruktionen bleibt die klassische Membran erste Wahl, weil sie sich besonders flexibel anpasst.

  • Bevorzugt Forte: größere Augmentationen, präoperativ narbiges Gewebe, laterale Sinusfenster bei komplexer Anatomie.
  • Weiterhin klassische Bio‑Gide: kleinere Defekte, ästhetisch fein dosierte Bereiche, wenn maximale Adaptionsfähigkeit gefragt ist.

Die Entscheidung ist also weniger eine Frage von „besser oder schlechter“, sondern von der passenden Materialeigenschaft für die jeweilige klinische Aufgabe.

Fazit

Für Implantologen bedeutet die Einführung einer formstabileren Kollagenmembran vor allem eines: ein zusätzliches Werkzeug, das in bestimmten Situationen Routine und Vorhersagbarkeit erhöhen kann. Ohne die etablierten Prinzipien der Chirurgie zu ersetzen, bietet die Forte‑Variante konkrete Vorteile bei technisch anspruchsvollen Fällen.

Vita

Dr. Leoni Spilker ist Zahnärztin in der Praxis Dr. Tetsch & Kollegen in Münster, spezialisiert auf Implantologie und ästhetische Zahnmedizin. Sie engagiert sich im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und ist als Referentin aktiv. Klinisch liegt ihr Schwerpunkt auf augmentativen Verfahren und funktional‑ästhetischen Rehabilitationen.

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