TI-Score veröffentlicht: Praxissoftware-Test zeigt Gewinner und Verlierer

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Die gematik hat erstmals einen öffentlich zugänglichen Bewertungsmaßstab für Praxissoftware veröffentlicht: den neuen TI‑Score. Er zeigt, welche Praxisverwaltungssysteme technisch bereits Funktionen der Telematikinfrastruktur unterstützen — ein Ergebnis, das für Praxen bei Investitions- und Betriebsentscheidungen unmittelbar relevant ist.

Der Score konzentriert sich auf den Umfang der technischen Umsetzung von TI‑Anwendungen und bietet damit einen schnellen Vergleich der Systemfähigkeit verschiedener Anbieter. Entscheidend ist: Es handelt sich um eine technische Bestandsaufnahme, nicht um eine Nutzerzufriedenheitsstudie.

Insgesamt sind derzeit 48 Marktprodukte erfasst; die Einstufung erfolgt auf einer Skala von A bis E. Die Bewertungsgrundlagen wurden gemeinsam mit dem IGES‑Institut entwickelt und basieren hauptsächlich auf Selbstauskünften der Hersteller, die regelmäßig aktualisiert werden.

Was der Score aussagt — und was nicht

Der TI‑Score dokumentiert, welche technischen Schnittstellen und Funktionen ein Praxisverwaltungssystem abbildet. Er beantwortet damit die Frage: Unterstützt die Software die formalen TI‑Anforderungen?

Anders gesagt: Der Score sagt nichts darüber aus, wie intuitiv die Bedienung ist, wie stabil die Anwendung im Praxisalltag läuft oder wie aufwändig Wartung und Support sind. Aspekte wie Fehleranfälligkeit, Integration in bestehende Arbeitsabläufe oder laufende Betriebskosten bleiben unbewertet.

Das hat konkrete Folgen für Praxen: Ein hohes Ranking bedeutet technische Anschlussfähigkeit, ersetzt aber nicht einen Praxistest oder die Prüfung von Servicebedingungen.

Merkmal Angaben
Anzahl bewerteter Praxisverwaltungssysteme 48
Bewertungsskala A bis E
Basis der Bewertung Herstellerauskünfte, laufende Aktualisierung
Mitentwickelt von IGES‑Institut
Bewertete TI‑Funktionen eRezept, ePA, eML, eAU, elektronischer Arztbrief

Warum das jetzt wichtig ist

Die Veröffentlichung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Praxen ihre digitalen Abläufe neu ordnen: Die Telematikinfrastruktur wächst, gesetzliche Anforderungen und neue Anwendungen verändern Arbeitsprozesse. Ein technischer Kompatibilitätscheck hilft einzuschätzen, welche Systeme grundlegend geeignet sind.

Kurzfristig relevant ist zudem ein aktueller Hinweis der Bundeszahnärztekammer: Alte elektronische Heilberufsausweise (eHBA) sollen laut Mitteilung bis Ende Juni gesperrt werden (Stand: 16.06.2026). Für den Zugang zu einigen TI‑Funktionen ist ein gültiger eHBA erforderlich — ein zusätzlicher Grund, Software‑ und Hardware‑Kompatibilität zu prüfen.

Für Entscheider in Praxen heißt das: Den TI‑Score als technischen Orientierungsrahmen nutzen, aber ergänzende Prüfungen ansetzen (Probeläufe, Support‑Bewertungen, Kostenvergleich). Nur so lässt sich sicherstellen, dass ein PVS nicht nur formal geeignet, sondern auch praktisch einsetzbar ist.

Die gematik aktualisiert die Daten fortlaufend. Wer in den kommenden Wochen Anschaffungs- oder Umstellungspläne hat, sollte die Entwicklung des Scores weiter beobachten und Anbieter‑aussagen kritisch abgleichen.

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