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Finanziell und betriebswirtschaftlich ...

 

Simone Eichner 

Finanziell und betriebswirtschaftlich auf sicheren Beinen stehen
Praxisgründung mit Konzept

Wer kennt ihn nicht, den Traum von der eigenen Praxis? Doch wer sich mit dem Thema „Existenzgründung„ näher befasst, sieht sich schnell mit verschiedenen Fragestellungen konfrontiert: Welche Praxisform ist für mich die richtige? Und wie kann ich mein Vorhaben betriebswirtschaftlich und finanziell auf sichere Beine stellen?

Neugründung, Übernahme oder Kooperation
Zunächst sollte die Wahl der Praxisform gut überlegt sein. Denn egal, ob Übernahme einer bestehenden Einzelpraxis, deren Neugründung oder Eintritt in eine Berufsausübungsgemeinschaft – jede Alternative hat Vor- und Nachteile.
Für die Übernahme spricht, dass Existenzgründer auf den vorhandenen Patientenstamm aufbauen können. Medizintechnische Geräte sind ebenfalls schon vorhanden und machen bei einer Praxisübernahme – da sie durch die hohe Innovationsgeschwindigkeit schnell an Wert verlieren und in der Regel zum Zeitpunkt der Übernahme mehrere Jahre alt sind – einen deutlichen geringeren Anteil an den gesamten Investitionen der Existenzgründung aus. Allerdings müssen gegebenenfalls Neuanschaffungen eingeplant werden.

Neugründer wiederum können zwar nicht auf die Praxisausstattung und Erfahrungswerte ihres Vorgängers zurückgreifen, haben dafür aber mehr Gestaltungsfreiraum: Sie müssen nicht ein bestehendes Praxisteam übernehmen, sondern können sich ihre Mannschaft nach den eigenen Anforderungen selbst zusammenstellen. Hinzu kommt, dass sie leichter Einfluss auf die Gestaltung der administrativen Abläufe und die Praxisorganisation nehmen können.
Neben der Einzelpraxis liegen bei jungen Zahnärzten auch Kooperationen im Trend. Die Frage nach dem „Warum„ kennt hierbei viele Antworten. Geräte können zum Beispiel besser ausgelastet werden, oft ist ein effizienteres Personalmanagement möglich. Zudem können gerade junge Zahnärzte in einer Kooperation auch vom Erfahrungsaustausch mit eingesessenen Kollegen profitieren.

Betriebswirtschaftliche Analyse durchleuchtet das Vorhaben
Ist schließlich die Entscheidung für eine bestimmte Form der Niederlassung gefallen, gilt es, das Vorhaben betriebswirtschaftlich und finanziell auf sichere Beine zu stellen. Hierbei hilft eine sogenannte Investitions- und Kostenberatungsanalyse, wie sie von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) bei Existenzgründungsvorhaben standardmäßig durchgeführt wird. Im Rahmen einer solchen Analyse wird der erforderliche Praxisumsatz auf Basis der geplanten Investitionen, Finanzierungen sowie Praxis- und Privatkosten ermittelt. So lässt sich genau planen, ob die individuellen Vorstellungen realisierbar sind. Möglicherweise zeigt sich dann auch, dass an der einen oder anderen Stellschraube gedreht werden muss, um das Vorhaben realistisch zu gestalten.

Finanzierungskonzept orientiert sich an individuellen Anforderungen
Wenn die betriebswirtschaftliche Planung abgeschlossen ist, geht es im nächsten Schritt an die Finanzierungsplanung. Schließlich wollen die Kosten für medizintechnische Geräte, Einrichtung, Modernisierungs-, Umbau- oder Baumaßnahmen finanziert werden. Welche Gesamtfinanzierungsvolumina – inklusive Betriebsmittelkredit – hierfür entstehen, hängt von der Art der gewählten Gründungsform ab. Wie die Existenzgründungsanalyse 2009 der apoBank und des Instituts der Deutschen Zahnärzte belegt, kostete beispielsweise die Übernahme einer Einzelpraxis in den alten Bundesländern 2009 durchschnittlich 286.000 Euro. Eine Neugründung schlug durchschnittlich mit 415.000 Euro zu Buche.

Die konkrete Ausgestaltung des Finanzierungskonzepts orientiert sich immer an der beruflichen und privaten Situation des Darlehensnehmers. Laufzeit und Sollzinsbindung sollten grundsätzlich individuell vereinbart werden. Bei der Finanzierung unterscheidet man zudem zwischen lang- und kurzfristigen Finanzierungsarten. Für ein Existenzgründungsdarlehen, mit dem langfristige Investitionen finanziert werden, eignen sich unter anderem Zinszahlungsdarlehen (endfällige Darlehen). Hierbei können steuerliche Aspekte wirtschaftliche Vorteile ergeben. Eine rechtzeitige Einbindung des steuerlichen Beraters ist dabei empfehlenswert.

Zudem ist es sinnvoll, sich auch über speziell für Existenzgründer entwickelte Finanzierungsprodukte, wie die sogenannte apoExistenzgründung mit Airbag zu informieren. Hierbei handelt es sich um ein Darlehen, bei dem die apoBank im Falle der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens innerhalb der ersten drei Jahre nach Niederlassung auf Forderungen aus dem Existenzgründungsdarlehen verzichtet und somit einen „Airbag„ für den Schritt in die Selbstständigkeit bietet.

Über die klassischen Bankdarlehen hinaus sollten Existenzgründer zudem auch von öffentlichen Förderprogrammen Gebrauch machen.
Der Betriebsmittelkredit wiederum dient unter anderem zur Vorfinanzierung der Kosten in der Anlaufphase der Praxis. Da es sich um einen Kontokorrentkredit handelt, müssen nur auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag Sollzinsen gezahlt werden. Zwar liegen diese häufig höher als bei einem Existenzgründungsdarlehen, jedoch ist der Betriebsmittelkredit aufgrund seiner hohen Flexibilität oft wirtschaftlicher und sollte daher ergänzend zu einem Existenzgründungsdarlehen eingeplant werden.

Als Faustregel gilt: Man sollte darauf achten, die Finanzierung möglichst flexibel zu gestalten. So ist man jederzeit in der Lage, auf berufliche und private Veränderungen zu reagieren und schwankende Einkommenssituationen auszugleichen.

Gut vorbereitet zum Erfolg
Eine gute Vorbereitung ermöglicht langfristigen Erfolg beim Weg in die heilberufliche Selbstständigkeit. Ist im ersten Schritt die Entscheidung zwischen Praxisneugründung, Praxisübernahme und Kooperation gefallen, stellt eine betriebswirtschaftliche Analyse die Machbarkeit sicher. Ein individuelles und realistisch kalkuliertes Finanzierungskonzept ist schließlich die Grundvoraussetzung dafür, dass der Existenzgründer sein Investitionsvorhaben erfolgreich stemmen kann.

Simone Eichner, Bernd Köhler, beide Köln

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