Kostenneutrales Hygienemanagement von Anfang an

„Qualitätssicherung bei der Aufbereitung von Medizinprodukten ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung“ [1]. Richtlinienkonforme Aufbereitung bindet vermehrt Ihre Ressourcen Zeit und Geld. Strukturiertes Hygienemanagement von Anfang an hilft, diese wertvollen und limitierten Güter zu schonen.

Strukturierter Personaleinsatz bei der Aufbereitung spart Materialkosten und Zeit für unnötiges An-/Ablegen sowie Aufbereiten/Entsorgen der persönlichen Schutzausrüstung. Foto: Shutterstock/Hadou

Strukturierter Personaleinsatz bei der Aufbereitung spart Materialkosten und Zeit für unnötiges An-/Ablegen sowie Aufbereiten/Entsorgen der persönlichen Schutzausrüstung. Foto: Shutterstock/Hadou

Folgende Punkte bei der Erstellung Ihrer individuellen Hygieneprozesse sollten Sie berücksichtigen:

Aufbereitung
Maschinelle Reinigungs- und thermische Desinfektionsprozesse werden von der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut) empfohlen und sind für die Reinigung von kritisch-B-Instrumenten vorgeschrieben, sofern das Instrumentarium dafür geeignet ist.

Die Vorteile sind:

  • schonende Reinigung und optimierter Prozessmitteleinsatz (Wasser/Chemie/Energie) für maximalen Werterhalt Ihres Instrumentariums,
  • schnelle, erneute Bereitstellung Ihres Instrumentariums, reduziert das Anschaffungsvolumen,
  • minimierter Personaleinsatz, bietet die Möglichkeit für den Einsatz Ihres Personals in anderen Aufgabenbereichen,
  • reproduktions- und dokumentationsfähige Prozesse für mehr Sicherheit.

Zur Maximierung dieser Vorteile sind einige Vorabentscheidungen zielführend.

Instrumentenkauf
Wie stehen Sie zu Einmal-Instrumentarium? Ein Vermeiden der Aufbereitung ist, unter Einbeziehung aller Kostenfaktoren, teilweise die kostengünstigere Variante. Ansonsten achten Sie bereits bei der Kaufentscheidung auf eine maschinelle/thermische Aufbereitungsfähigkeit des Instrumentariums sowie valide Aufbereitungshinweise vom Hersteller gemäß EN 17664 [3]. Sind diese nicht verfügbar, ist eine Aufbereitung nicht statthaft. Berücksichtigen Sie differente Kontraindikationen auf Wirkstoffe zur Vermeidung unnötiger Vielfalt an Reinigungs- und Pflegemitteln. Passen die Pflegevorgaben zu Ihren geplanten Prozessen, oder müssten Sie gesonderte Schritte einführen?

Entsorgung
Bei der Wahl des Entsorgungswegs ist neben den Herstellervorgaben der Personalschutz zu berücksichtigen. Nassentsorgung mit Wasser, Desinfektionsmitteln und/oder enzymatischen Reinigern bietet einen gewissen Schutz, schließt ein Infektionsrisiko aber nicht vollständig aus. Dagegen stehen die Risiken der Eiweißfixierung durch Einsatz ungeeigneter Mittel und Chemikalienverschleppung in den nächsten Prozessschritt (Reinigungs-Desinfektions-Gerät, RDG). Hersteller empfehlen meist eine Trockenentsorgung. Materialschonend ist es in beiden Fällen, die Entsorgungszeiten so kurz wie möglich zu halten und grobe Verunreinigungen bereits am Arbeitsplatz konsequent zu entfernen.

Aufbereitungsbereich
Idealerweise verfügen Sie zum Planungszeitpunkt über individuelle Verfahrens- und Arbeitsanweisungen. Die enthaltenen Informationen ermöglichen es dem Dentaldepot, auf Ihre Prozesse abgestimmte Räumlichkeiten unter Einbeziehung der regionalen Vorgaben zu gestalten. Aus der Häufigkeit der Entsorgungs- und Aufbereitungszyklen sowie der Informationen zu Ihren individuellen Abläufen ergeben sich Größe und Ausstattung der Arbeitsbereiche. Unterstützend ist eine quantitative Schätzung des täglich anfallenden Aufbereitungsvolumens, differenziert nach semikritisch oder kritisch.

Geräteausstattung
Funktion, Größe und Anzahl der Geräte ergeben sich aus den oben beschriebenen Zielstellungen. Um Zeit zu sparen, berücksichtigen Sie Gerätelaufzeiten und prozessrelevante Funktionen, zum Beispiel eine aktive Trocknung im RDG.

Dokumentation
Digitale Dokumentation beeinflusst die Faktoren Zeit und Sicherheit positiv. Neben allen Arbeitsschritten müssen auch die Prozessdaten der verwendeten Geräte dokumentiert werden. Achten Sie schon beim Kauf auf eine für Sie geeignete Dokumentationsmöglichkeit. Digitale Daten reduzieren Übertragungsfehler. Auslesen von Speicherkarte oder USB-Stick entfallen bei Ausgabe direkt in ein Netzwerk und vereinfachen die Prozessbeurteilung und Freigabe.

Validierung und Routinekontrollen
Regelmäßige Validierung Ihrer Prozesse ist gemäß Paragraf 4 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) verpflichtend. Ihre Geräteauswahl sollte dies berücksichtigen. Gemäß der Leitlinie für maschinelle Aufbereitung gehören neben der Validierung auch definierte Routinekontrollen. Verfügt Ihr Gerät über Parameterkontrollen (Temperatur/Spüldruck etc.), unabhängig vom Steuerungsprozess, kann die Anzahl der Kontrollen deutlich reduziert werden. Höhere Preise für Geräte mit entsprechenden Kontrollmechanismen können sich durch Einsparung von Prüfmaterial, Zeit oder externer Prüfungen schnell amortisieren.

Personaleinsatz
Der Erfolg Ihres Konzepts wird viel von der Personalmotivation abhängen. Binden Sie Ihr Team in die Prozessgestaltung und Weiterentwicklung mit ein. Regelmäßige Schulungen Ihrer Mitarbeiterinnen geben Sicherheit im Alltag. Aktuelles Wissen steigert die Qualität und verleiht Souveränität im Falle einer Praxisbegehung. Strukturierter Personaleinsatz bei der Aufbereitung spart Materialkosten und Zeit für unnötiges An-/Ablegen sowie Aufbereiten/Entsorgen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA).

Lagerung bis zur erneuten Bereitstellung
Zentrale Instrumentenlagerung bis zur erneuten Verwendung bietet die Vorteile einer vereinfachten Erfüllung der Vorgaben und vermeidet eine übermäßige Redundanz von Instrumentarium durch Lagerung in den Behandlungszimmern.

Fazit:
Gezielter Einkauf von Instrumentarium und Geräten mit dem Fokus auf eine gesicherte Datenlage, Funktionalität und Prozesstauglichkeit wird in Verbindung mit einem straffen, konsequenten und gelebten Hygienemanagement Anschaffungs- und Unterhaltskosten verringern. Die Lebenserwartung der Medizinprodukte wird erhöht. Gezielter Personaleinsatz gibt Raum für neue oder erweiterte Dienstleistungen. Ein optimiertes Qualitätsmanagement bietet die Chance, finanzielle Vorleistungen im Rahmen der Hygiene durch effizientere Prozesse zu kompensieren.
Thomas Weidler, Offenbach


(1) Aus der aktuellen Leitlinie von DGKH, DGSV und AKI für die Validierung und Routineüberwachung maschineller Reinigungs- und thermischer Desinfektionsprozesse für Medizinprodukte
(2) DIN EN ISO 17664 – vom Hersteller bereitzustellende Informationen für die Aufbereitung von resterilisierbaren Medizinprodukten


Zu unserem Autor:

Thomas Weidler (Foto: Pluradent)

Thomas Weidler (Foto: Pluradent)

Thomas Weidler, Jahrgang 1965, ist Hygienespezialist bei der Pluradent. In dieser Position kümmert er sich um die Aus- und Weiterbildung des Pluradent-Teams im Bereich Hygiene und um die Prozessvalidierung in der Instrumentenaufbereitung.

Als ausgebildeter Dentalkaufmann ist er seit rund 30 Jahren in der Dentalbranche tätig.

 

 

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