So finden Sie den richtigen Steuerberater

Was ist bei der Suche nach einem guten Steuerberater zu beachten? Was zeichnet eine gute Kanzlei aus? Diese und weitere Fragen beantwortet Dipl.-Finanzwirt und Steuerberater Günter Balharek im Interview.

Einen guten Steuerberater zu finden, ist nicht einfach. Foto: Fotolia/Gina Sanders

Einen guten Steuerberater zu finden, ist nicht einfach. Foto: Fotolia/Gina Sanders

 „Fachkompetenz, Service und Vertrauen sind wesentliche Auswahlkriterien“ 

? Wie lässt sich herausfinden, welcher Steuerberater der richtige ist?
Günter Balharek: Oft wird empfohlen, bei der Wahl eines Steuerberaters auf Empfehlungen zu hören. Meines Erachtens ist das allein aber keine Garantie, den richtigen Steuerberater zu bekommen.

? Weshalb nicht?
Balharek: Vergessen wird dabei, dass ein Laie in der Regel nicht die fachliche Qualifikation und dieLeistungsqualität einer Kanzlei beurteilen kann. Häufig geht es bei Empfehlungen vor allem um weiche Faktoren wie Sympathie oder Freundlichkeit der Mitarbeiter. Viel wichtiger dagegen ist, dass sich ein Steuerberater mit Heilberufen, speziell dem des Zahnarztes umfassend auskennt. Sowohl spezifische Kenntnisse über mögliche gesetzliche Rahmenbedingungen, die für die Berufsausübung relevant sind, als auch Kenntnisse über die vorliegende Wettbewerbssituation sollten Voraussetzung für eine gute Beratung sein.

Die Steuerberatungskanzlei sollte ihre Kernkompetenz im Bereich Heilberufe haben

? Weshalb ist das wichtig?
Balharek: Das Steuerrecht ist kompliziert und außerordentlich komplex. Dies lässt sich daran erkennen, dass fast 80 Prozent der weltweiten Steuerfachliteratur sich mit Themen des Steuerrechts in Deutschland und Europa befasst. Wer mit den Spezifika des Zahnarztberufs vertraut ist und über das entsprechende Detailwissen verfügt, kann seine Mandanten umfassender beraten sowie die benötigte und gewünschte Unterstützung gewährleisten. Man sollte sich daher erkundigen, ob eine Steuerberatungskanzlei ihre Kernkompetenz im Bereich Heilberufe hat. Erfahrungsgemäß sind hier die internen Ablaufprozesse und die dem Mandanten zur Verfügung gestellten Auswertungen speziell darauf abgestellt.

? Wie lässt sich die Spreu vom Weizen trennen?
Balharek: Wer nach seinen Recherchen zwei oder drei Steuerberater in die engere Wahl gezogen hat, sollte mit ihnen unverbindliche, kostenfreie, doch qualifizierte Informationsgespräche vereinbaren. Dem Mandanten ist zu empfehlen, sich im Vorfeld über das Ziel des Gesprächs klar zu werden und den Steuerberater darüber zu informieren. Dieser kann dann konstruktive Ideen einbringen, wie sich die zukünftige Zusammenarbeit gestalten lässt, welche Aufgaben der Mandant übernimmt und welche Erwartungen der Mandant an die zukünftige Steuerberatung hat. Werden in diesem Gespräch konkrete Fragen mit Allgemeinsätzen abgespeist oder erhält der Mandant nur unverständliche Antworten, sollte der die Suche wieder neu aufnehmen.

? Gibt es eine weitere Möglichkeit, einem Steuerberater auf den Zahn zu fühlen?
Balharek: Ja, die gibt es. Am besten fragt man ihn zum Beispiel, in welcher Zeit er nach Erhalt der kompletten Buchhaltungsunterlagen die Betriebswirtschaftliche Auswertung fertig hat, aus der sich auch steuerliche und betriebswirtschaftliche Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Eine regelmäßig und aktuell erstellte Betriebswirtschaftliche Auswertung trifft eine konkrete Aussage über die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung und sollte Basis für weitere strategische Planungen sein.

Mandanten- und serviceorientierte Arbeitsweise

? Was ist neben der Fachkompetenz wichtig?
Balharek: Das gesamte Kanzleiteam sollte mandanten- und serviceorientiert arbeiten. Unsere Steuerberatungsgesellschaft vermittelt daher etwa über den vereinbarten Leistungsumfang hinaus regelmäßige Informationen in schriftlicher Form oder in Seminarveranstaltungen zu aktuellen Fragen des Steuerrechts und zu Themen, die für Ärzte und Zahnärzte von Interesse sind. Auch über solche zusätzlichen Serviceleistungen können sich Kanzleien deutlich von der Konkurrenz abheben.

? Wie drückt sich eine Servicementalität noch aus?
Balharek: Wie gesagt, durch permanente aktuelle vorausschauende Beratung. Die Steueränderungswechselgeschwindigkeit ist in jüngster Zeit deutlich gestiegen. Auch mit der einschlägigen umfangreichen Rechtsprechung müssen sich Steuerberater intensiv befassen. Nur so können sie die Mandanten professionell betreuen. Vernachlässigt er diese Pflicht, kann es aus Unkenntnis zu Fehlberatungen und Fehlentscheidungen zu Lasten des Mandanten kommen. Gewährleistet ein Steuerberater eine solche qualifizierte Beratung, entwickelt sich das für die Zusammenarbeit notwendige Vertrauensverhältnis automatisch.

Das Zwischenmenschliche muss stimmen

? Das eine wichtige Basis der Zusammenarbeit ist, oder?
Balharek: Genau, das Zwischenmenschliche, die Chemie zwischen Steuerberater und Mandant muss stimmen. Das erleichtert die notwendige enge Zusammenarbeit deutlich. Die steuerliche und umfassende wirtschaftliche Beratung erfordert nämlich ein hohes Maß an Vertrauen, fehlt es hieran, wird eine dauerhafte Zusammenarbeit kaum gelingen.

? Kann ein Steuerberater auch zum Teil die Funktion eines Unternehmensberaters übernehmen?
Balharek: Ja, das gelingt immer dann, wenn er seinen Fokus nicht nur auf die steuerlich relevanten Dinge richtet. Er muss dem Mandanten auch Hilfestellungen geben, die den wirtschaftlichen Bereich der Praxis betreffen. Hierzu zählen insbesondere das Entwickeln von Strategien zur Umsatz- und Kostenoptimierung, um einer Praxis auf Dauer einen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Oft steht das operative Alltagsgeschäft im Vordergrund

? Ist dazu jeder Steuerberater befähigt?
Balharek: Aufgrund der Ausbildung ja. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass in vielen Steuerberatungskanzleien das operative Alltagsgeschäft, etwa das Erstellen von Buchhaltungen, Lohn- und Gehaltsabrechnungen und Jahresabschlüssen, im Vordergrund steht. Zeit für eine gestaltende betriebswirtschaftliche und zukunftsorientierte Planungsberatung verbleibt im Einzelfall kaum. Die Suche nach einem entsprechend qualifizierten Steuerberater lohnt jedoch.

Praxisbezogene Entscheidungen sollten nicht ausschließlich aus steuerlichen Gründen getroffen werden

? Weshalb?
Balharek: Steuerberater, die sich allein auf die Optimierung von Steuerzahlungen und -einsparungen konzentrieren, können die falschen betrieblichen Impulse setzen. Wie bereits angesprochen, sollte ein Steuerberater den so genannten ganzheitlichen Beratungsansatz befolgen. Hierunter ist zu verstehen, dass nicht nur die Praxisbelange, sondern auch der private Bereich des Mandanten in die Beratungsentscheidungen eingebunden werden sollte. Nur so wird es gelingen, dem Mandanten auch im privaten Bereich Entscheidungshilfen für die Anlage von Überschüssen aus der Praxis zu geben.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in vielen Fällen eine aggressive Steuersparpolitik durch das Zeichnen von Anlageprojekten langfristig wirtschaftlich nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt hat. Es gilt unverändert der Grundsatz, dass praxisbezogene Entscheidungen nicht ausschließlich aus steuerlichen Gründen getroffen werden sollten.

Qualifizierte Steuerberatung hat ihren Preis

? Woran lässt sich eigentlich erkennen, ob es einem Steuerberater in erster Linie um ein hohes Honorar geht?
Balharek: Grundsätzlich sind alle Steuerberater an die Vorgaben der Steuerberatervergütungsverordnung gebunden. Auch pauschale Festhonorare können vereinbart werden. Rückschlüsse auf die zukünftigen Honorare lassen sich auf Anhieb ziehen, wenn beispielsweise für ein Erstgespräch mit einem neuen Mandanten ein saftiges Honorar berechnet wird. Dann ist davon auszugehen, dass der Berater auch in Zukunft bei seinen Honoraren nicht zimperlich sein wird.

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass eine qualifizierte Steuerberatung ihren Preis haben muss. Dies ergibt sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass fachlich qualifiziertes Personal  und optimale Hard- und Softwareausstattung einen erheblichen Kostenblock in der Gesamthonorarkalkulation darstellen. In der Regel lässt sich zwischen Kanzlei und Mandanten eine faire Lösung für eine dauerhafte Zusammenarbeit im Bereich der Honorierung finden. Eine „Win-win-Situation“ auch in diesem Bereich ist die Grundlage und damit ergibt sich eine echte Chance für eine dauerhafte Zusammenarbeit.

Zu unserem Autor: 

Diplom-Finanzwirt und Steuerberater Günter Balharek ist Geschäftsführer der Alpha Steuerberatungsgesellschaft GmbH in Büdingen. Kontakt und Information unter info@alpha-steuer.de oder www.alpha-steuer.de.

This page as PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*