Durchstarten in die eigene Praxis

Fast 50.000 Kilometer pro Jahr legt Kristine Gulde auf Autobahnen und Landstraßen zurück, um Praxisgründern und Assistenzzahnärzten aus Bayern Hilfestellung bei den ersten Schritten im Berufsleben zu geben. Etwa 350 Praxisbesuche stehen jedes Jahr im Terminkalender der praxisbegleitenden Beraterin der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK).

Kristine Gulde arbeitet als praxisbegleitende Beraterin der BLZK und unterstützt Zahnärzte bei der Niederlassung. © BLZK/Loredana La Rocca

Kristine Gulde arbeitet als praxisbegleitende Beraterin der BLZK und unterstützt Zahnärzte bei der Niederlassung.
© BLZK/Loredana La Rocca

Sie will Zahnärzten aus dem Freistaat Mut zur Selbstständigkeit machen und ihnen die Chancen der Freiberuflichkeit aufzeigen. „Bei meinen Besuchen versuche ich, junge Zahnärzte für die Niederlassung zu begeistern“, sagt Gulde über ihre Arbeit. Immer wieder betont sie in Gesprächen mit potenziellen Existenzgründern, dass die eigene Praxis kein Auslaufmodell ist, sondern auch heute noch viele Vorteile bietet: „Man ist sein eigener Chef, kann sein persönliches Praxiskonzept umsetzen, hat bessere Möglichkeiten beim Verdienst und kann sich die Arbeitszeit einteilen. Diese Chance sollten junge Zahnärzte nutzen.“
Allerdings rät sie Zahnmedizinern, die vor der Niederlassung stehen, sich von Experten beraten zu lassen. „Mit einem schlüssigen Gesamtkonzept kann man schon im Vorfeld Fehler vermeiden. Das gilt für die Praxisneugründung ebenso wie für die Praxisübernahme„, so die BLZK-Mitarbeiterin.

Wachsende Zahl von Angestellten

Aktuell wächst im Berufsstand eher die Zahl der Angestellten. Im Zeitraum von 2004 bis 2014 stieg die Zahl der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte in Bayern von 8 auf knapp 17 Prozent. Derzeit sind knapp 64 Prozent der angestellten Zahnärzte Frauen, so die Zahnärzte-Statistik der BLZK.

Einer der Gründe für diese Entwicklung sind die veränderten Karriere- und Lebensmodelle junger Zahnärzte. Viele Akademiker bevorzugen heute einen Lebensstil, bei dem das Verhältnis von Beruf und Freizeit anders ausbalanciert ist, als das früher der Fall war. Das beweist unter anderem die Studie „Generation Y – Das Selbstverständnis der Manager von morgen“, die das Zukunftsinstitut für das Personalberatungsunternehmen Signium International erstellt hat.

Praxisbegleitende Beratung der BLZK

Mit der Praxisbegleitenden Beratung unterstützt die BLZK-Mitarbeiterin Kristine Gulde Assistenzzahnärzte, neu niedergelassene Zahnärzte und langjährige Praxisinhaber in Bayern. Der Service der BLZK ist unverbindlich und kostenlos. Das Beratungsangebot umfasst folgende Bereiche:

  • allgemeine Informationen über die BLZK
  • Dienstleistungen der BLZK und ihrer Partner
  • Beratungsleistungen ausgewählter Referate der BLZK und der EAZF, der Fortbildungsakademie der BLZK
  • Qualitätsmanagement-System der BLZK
  • Arbeitssicherheit in der Praxis (BuS-Dienst)

Die Beratung findet in der Regel in den Praxisräumen statt. Interessenten können einen persönlichen Gesprächstermin mit der praxisbegleitenden Beraterin der BLZK vereinbaren. Weitere Informationen gibt es auf der Website der BLZK. Interessante Kurse und Seminare für Praxisgründer und Assistenzzahnärzte in Bayern organisiert die BLZK-Fortbildungsakademie EAZF im Rahmen des Curriculums Betriebswirtschaft. Information und Anmeldung unter www.eazf.de.

Kristine Gulde hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Aus Beratungsgesprächen weiß ich, dass Angehörige der Generation Y nicht nur Karriere machen, sondern auch Zeit für ihre Familie haben wollen. Geregelte Arbeitszeiten sind ihnen meist wichtiger als Geld“, betont sie. Wenn die praxisbegleitende Beraterin der BLZK Assistenzzahnärzte besucht, hört sie immer häufiger Aussagen wie: „Ich bin jetzt fertiger Zahnarzt, möchte mich aber auf keinen Fall selbstständig machen. Der Dauerstress und der wirtschaftliche Druck – ich glaube, das möchte ich nicht mein ganzes Leben machen.“

Die wachsende Zahl von Frauen im Berufsstand trägt ebenfalls dazu bei, dass die Zahl der niedergelassenen Zahnärzte stagniert. Gerade für Zahnärztinnen mit kleinen Kindern ist es häufig ein Spagat, Familie und Praxis miteinander in Einklang zu bringen. Hinzu kommt eine Vielzahl von Verwaltungsaufgaben, die Absolventen des Studienfachs Zahnmedizin nach der Assistenzzeit von der Existenzgründung abhalten. „Um die regelmäßige Beschäftigung mit den Bereichen Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und den Hygienebestimmungen für die Praxis kommt heutzutage niemand mehr herum. Aber nicht jeder ist bereit, sich – neben der Patientenbehandlung – damit herumzuschlagen“, so die BLZK-Mitarbeiterin.

Mit wenigen Mausklicks zum praxisinternen QM-System

Mit ihren Serviceleistungen will die Berufsvertretung der bayerischen Zahnärzte den Start in die Selbstständigkeit leichter machen. „Das kammereigene Qualitätsmanagement-System, das ich bei meinen Praxisbesuchen vorstelle, lässt sich zum Beispiel ohne großen Aufwand an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Mit wenigen Mausklicks kann man so ein praxisinternes Qualitätsmanagement-System aufbauen und pflegen“, erklärt Kristine Gulde.

Am Laptop führt sie ihre Gesprächspartner in das QM-Handbuch der BLZK ein und zeigt ihnen, wo die wichtigsten Musterdokumente zu finden sind. Arbeitsanweisungen, Checklisten und Prozessbeschreibungen – all diese Dokumente können per Mausklick an die Anforderungen der eigenen Praxis angepasst werden. Bei der erstmaligen Erstellung eines QM-Handbuchs können Praxisinhaber zusätzlich den Vor-Ort-Service der EAZF nutzen. Diese Dienstleistung der kammereigenen Fortbildungsakademie ist auf das QM-Online der BLZK abgestimmt.

Gulde weiß, wovon sie spricht. Das merken auch potenzielle Existenzgründer. Sie ist geprüfte QM-Beauftragte – eine Zusatzqualifikation, die sie während ihrer Tätigkeit für die EAZF erworben hat. Hier war Gulde von 2006 bis 2010 für die Kursbetreuung und das Kongressmanagement zuständig. Im privaten Umfeld hat sie ebenfalls einen zahnärztlichen Hintergrund: Ihr Ehemann ist niedergelassener Zahnarzt mit eigener Praxis. Sie weiß also aus eigener Erfahrung um die Herausforderungen der Praxischefs von morgen.

Serviceorientierte Berufsvertretung

Dass junge Zahnärzte ihre Berufsvertretung zunehmend als Servicepartner sehen, freut Gulde. „Die meisten von ihnen sind offen gegenüber der BLZK und dankbar für die persönliche Beratung vor Ort“, stellt sie immer wieder fest. Besonders wichtig ist ihr das Feedback aus den Praxen. „Viele Zahnärzte halten über Jahre den Kontakt zu mir aufrecht. Für mich und meine Arbeit ist das die schönste Bestätigung.“

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