Chefsache: Der Zahnarzt als Führungskraft

Noch vor kurzem waren Sie Assistenzzahnarzt oder haben angestellt gearbeitet, heute sind Sie Inhaber einer eigenen Praxis – und damit plötzlich Chef, der ein Mitarbeiterteam führen muss. Doch was macht eigentlich einen guten Chef aus? Und wie macht er aus einzelnen Mitarbeitern ein funktionierendes Team? Chance-Praxis-Redakteurin Monia Geitz hat Personalexpertin Dr. Susanne Klein gefragt.

Eine gute Führung ist wichtig, damit aus einzelnen Individuen ein funktionierendes Team wird. Foto: violetkaipa/Shutterstock.com

Eine gute Führung ist wichtig, damit aus einzelnen Individuen ein funktionierendes Team wird. Foto: violetkaipa/Shutterstock.com

Monia Geitz: Gerade in einem neuen Team bei einer Praxisgründung treffen unterschiedliche Charaktere aufeinander. Doch wie wird aus den verschiedenen Individuen ein funktionierendes Team? Was kann der Zahnarzt als Chef dafür tun?

Dr. Susanne Klein: Der junge Zahnarzt setzt als Chef die Atmosphäre in einem Team. Je nachdem, wie er auf sein neues Team zugeht, wie er sich zeigt, wie er mit den Kolleginnen umgeht, so wird sich die Teamatmosphäre entwickeln. Chef sein heißt hier, aber nicht nur hier, Vorbild sein. Gleichzeitig gibt es jetzt die Gelegenheit, gemeinsam optimale Prozesse für die Zusammenarbeit zu entwickeln. So kann der junge Chef die Erfahrungen der Kollegen aus anderen Praxen nutzen und sorgt gleichermaßen dafür, dass sich alle wohlfühlen, weil alle mitgestalten dürfen.

Das bedeutet, dass in den ersten Wochen viele Besprechungen stattfinden, in denen Abläufe definiert, getestet und verbessert werden, bis alle zufrieden sind. Am besten lernt man sich in der Zusammenarbeit kennen. Aber auch die gemeinsame Freude am Erfolg und kleine Feiern, wenn etwas gelungen ist, bringen zu Beginn eine gute Atmosphäre ins Team. Gerade zu Beginn ist es wichtig, dem neuen Team viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenzubringen, denn ohne ein gutes Team kann das beste Praxiskonzept nicht erfolgreich sein.

Das Interview ist aus unserer Printausgabe CP 2/17 entnommen.
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MG: Stundenlohn, Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und -zeit oder Wochenenddienst der Mitarbeiter können ja variieren. Wie vermeide ich Streitigkeiten und Neid?

SK: Wichtig ist, dass ein Mitarbeiter nicht mehr oder weniger Lohn, Urlaub oder freie Zeiten bekommt, weil er besser oder schlechter verhandeln kann. Die Gehälter sollten alle festgelegten Kriterien folgen, die transparent kommuniziert werden können.

MG: Wer ist wofür zuständig, wer übernimmt welche Aufgabe, wer vertritt wen bei Krankheit und im Urlaub – all das sollte klar geregelt sein, um alle Aufgaben ordnungsgemäß auszuführen. Doch wie vermittelt das der Zahnarzt seinen Mitarbeitern?

SK: Aus meiner Sicht ist das keine Aufgabe der Vermittlung. Auch das Team möchte diese Fragen beantwortet wissen, um sich zu orientieren. Das Praxisteam bespricht diese Themen und findet gemeinsam eine optimale Lösung. Diese wird dann in der Praxis getestet und immer weiterentwickelt. Der Vorteil: Alle bringen ihre Ideen ein und sorgen gemeinsam für eine gute Umsetzung.

Die fünf wichtigsten Tipps für eine gute Führung

  • Vorbild sein – was ich sehen will, muss ich zeigen
  • klarer Korridor – der Rahmen der Praxis sollte eindeutig gesteckt sein
  • Freiheit – in allem anderen
  • Mitbestimmung – in möglichst vielen Fragen der täglichen Zusammenarbeit
  • großzügig Wertschätzung geben und für eine gute Atmosphäre sorgen

MG: Angespannter Arbeitsmarkt, Fachkräftemangel, Schwangerschaften bei jungen weiblichen Mitarbeitern oder einfach andere Vorstellung von der Arbeit in der „Generation Y“ – gutes Personal ist schwer zu finden und zu binden. Was muss ich als Zahnarzt beachten, um meine Praxis für mein Team attraktiv zu machen?

SK: Es gibt viele Möglichkeiten, um einen Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten. Von erfolgreichen Praxen können wir lernen, dass hier der Arzt einen Korridor setzt – das Praxiskonzept, das er umsetzen möchte und die Mitarbeiter die Freiheiten in diesem Korridor optimal für sich nutzen können. So wird auf Bedürfnisse der Mitarbeiter in Bezug auf Arbeitszeiten genauso viel Rücksicht genommen, wie auf gute Möglichkeiten der Weiterbildung und Weiterentwicklung. Aber auch Großzügigkeit im Bereich Getränke und Obst, an manchen Tagen ein gemeinsamer Mittagstisch oder auch ein gemeinsames soziales Engagement können einen Arbeitgeber attraktiv machen. Besonders wichtig für die tägliche Zusammenarbeit in einer Praxis sind aber die Atmosphäre und der faire Umgang miteinander. Ganz besonders junge Menschen legen darauf Wert.

MG: Teamsitzungen, Fort- und Weiterbildung, Personalentwicklung, Gehaltserhöhung, Boni – was sollte der Zahnarzt seinem Team alles ermöglichen, um als Arbeitgeber auch langfristig attraktiv zu bleiben und die Mitarbeiter an die Praxis zu binden?

SK: Da es in manchen Regionen nicht einfach ist, von dem Gehalt beispielsweise einer ZFA zu leben, freuen sich Mitarbeiter über jede Form der finanziellen Zuwendung. Gutscheine aller Art, vom Frisör bis hin zum Abendessen mit der Familie, gute Weiterbildungsmöglichkeiten, Zutrauen und das Übertragen von Verantwortung und ein selbstbestimmtes und autonomes Handeln machen die Praxis auch langfristig attraktiv. Eine gute Atmosphäre unter den Kollegen und zum Chef gehören genauso hierzu wie die Möglichkeit, durch die Übernahme von besonderen Aufgaben einen Bonus zu erzielen. Wenn Menschen gerne zur Arbeit kommen, weil sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun und gerne in ihrem Team arbeiten, dann ist schon viel geschafft. Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Mitarbeiter morgens aufstehen und sich auf ihren Tag in der Praxis freuen.

Zur Autorin:

Dr. Susanne Klein

Dr. Susanne Klein

Dr. Susanne Klein ist Referentin in der Pluradent-Akademie für das Thema Praxisführung. Sie ist maßgeblich verantwortlich für das Coaching von Praxisinhabern und Führungsteams zur Gestaltung von erfolgreicher Führung und Zusammenarbeit bei Prodent Consult.

Die promovierte Psycholinguistin berät und coacht seit 1993 Führungskräfte in verschiedenen Unternehmen. Seit zehn Jahren bildet sie international zertifizierte Führungscoaches aus und hat eine Vielzahl an Publikationen in diesem Themenbereich veröffentlicht. Sie hat zwei international anerkannte Preise für ihre Programme gewonnen. 2015 wurde sie in den Vorstand des European Mentoring and Coaching Council gewählt.
Kontakt: susanne.klein@pluradent.de

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