Beruf: Das wünschen sich vor allem junge Zahnärzte

Das Rheingold-Institut für Marktforschung und die Praxisgruppe Dr. Z entwickeln unter der Fragestellung „Das Beste aus Selbstständigkeit und angestellt sein“ eine neue Vision für die Zahnarztpraxis der Zukunft.

Junge Zahnärzte wünschen sich laut einer Umfrage eine Anstellung in einer überschaubaren Mehrbehandlerpraxis, in der eine Handvoll Zahnärzte als kollegiales Team agiert. Foto: Shutterstock/Eldar Nurkovic

Junge Zahnärzte wünschen sich laut einer Umfrage eine Anstellung in einer überschaubaren Mehrbehandlerpraxis, in der eine Handvoll Zahnärzte als kollegiales Team agiert. Foto: Shutterstock/Eldar Nurkovic

Das perfekte Arbeitsumfeld

Das Berufsfeld der Zahnärzte hat sich deutlich verändert. Die Zahl der Neugründungen von Einzelpraxen geht stetig zurück. Dies mag zum einen darauf zurückzuführen sein, dass die Kosten für eine Neugründung so hoch sind wie nie zuvor.

Mentalitätswandel bei jungen Zahnärzten

Zum anderen zeichnet sich ein deutlicher Mentalitätswandel, insbesondere unter jungen Zahnärzten, ab. Das Marktforschungsinstitut Rheingold ist im Auftrag der Praxisgruppe Dr. Z der Frage auf den Grund gegangen, was sich Zahnärzte in Zukunft von ihrem Arbeitsplatz wünschen. Dazu führte das Institut psychologische Tiefeninterviews mit Zahnärzten aus verschiedenen deutschen Regionen in der Altersspanne Anfang zwanzig bis Ende dreißig durch.

Dr. Issam Beydoun (Foto: Dr. Z)

Dr. Issam Beydoun (Foto: Dr. Z)

Dr. Issam Beydoun, Zahnarzt und angestellter Praxisleiter in Frankfurt:
„Ich war viele Jahre erfolgreich in meiner eigenen Praxis tätig und bin Zahnarzt aus Leidenschaft. Was mich aber gestört hat, war der immer größer werdende Anteil nicht-ärztlicher Tätigkeiten in der Selbstständigkeit. Deswegen habe ich mich für die Position des leitenden Zahnarztes in der Dr.-Z-Gemeinschaftspraxis in Frankfurt entschieden. Hier werden mir alle administrativen Dinge wie zum Beispiel Personalwesen, Einkauf und Marketing abgenommen und ich kann mich zu 100 Prozent auf meine Patienten konzentrieren. Mir macht es außerdem viel Freude, Mentor, für meine jüngeren Kollegen zu sein. Gemeinsam als Team haben wir eine erfolgreiche Praxis aufgebaut mit einem tollen Patientenstamm.“

Junge Ärzte sehen den Berufsstand stark im Wandel

Junge Ärzte sehen allgemein den Berufsstand stark im Wandel. Demnach reflektieren die jungen Zahnärzte klar für sich, dass das Anforderungsprofil an Zahnärzte komplexer wird. Genannte Stichworte sind steigender Wettbewerbsdruck, hoher administrativer Aufwand, Expansion von neuen Praxismodellen wie MVZ und Ketten.

Dr. Franziska Lechelmayr (Foto: Dr. Z)

Dr. Franziska Lechelmayr (Foto: Dr. Z)

Dr. Franziska Lechelmayr, angestellte Zahnärztin in Dr.-Z-Praxis Augsburg:
„Als ich in der Dr.-Z-Mehrbehandlerpraxis hier in Augsburg angefangen habe, war mir besonders wichtig, von Anfang an verantwortungsvoll und mit Gestaltungsspielraum zu behandeln. Sprich, mir meinen eigenen Patientenstamm aufzubauen, die Therapien eigenverantwortlich zu planen und das komplette zahnärztliche Behandlungsspektrum von A bis Z anzuwenden. Bisher haben sich meine Erwartungen erfüllt. Der leitende Zahnarzt unserer Praxis unterstützt mich als Mentor, und ich kriege – wenn ich möchte – Unterstützung und kann einiges lernen. Der Umgang miteinander ist absolut kollegial und auf Augenhöhe.“

Empathischer Dienstleister auf Augenhöhe statt Halbgott in Weiß

Auch wachsende Patientenansprüche werden wahrgenommen: Der mündige Patient von heute erwartet keinen autoritären Halbgott in Weiß mehr, sondern einen empathischen Dienstleister auf Augenhöhe. Ein Selbstbild, mit dem sich die jungen Zahnärzte grundsätzlich gut identifizieren und sich auch von früheren Zahnarztgenerationen abgrenzen wollen.

Zwiespalt zwischen Freiheit und Angestelltenverhältnis

Dabei entsteht für die jungen Zahnmediziner ein Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach der Freiheit in der Selbstständigkeit und gleichzeitig nach den Annehmlichkeiten eines Angestelltenverhältnisses.

Verantwortung und administrativer Aufwand schrecken ab

Nach wie vor erkennen junge Zahnärzte an, dass ihnen die Selbstständigkeit die größtmögliche Autonomie bietet. Aber die finanzielle Investition, die Verantwortung gegenüber Angestellten, das hohe Arbeitspensum und der administrative Aufwand schrecken ab. Das Angestelltenverhältnis hingegen wartet mit einem sicheren Gehalt, geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten und besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf – Vorteile, die sich vor allem die schon viel untersuchte Generation Y wünscht. Trotzdem befürchten viele Ärzte, dass ein Angestelltenverhältnis sie stark einschränkt in Bezug auf Freiheit bei der Therapieplanung.

Angestellt sein – nicht um jeden Preis

Die Nachteile eines Angestelltenverhältnisses werden vor allem in Bezug auf zwei Beschäftigungsformen gesehen. Zum einen sind junge Zahnärzte skeptisch, in einer Einzelpraxis angestellt zu sein. Hier überwiegt vor die Sorge vor einem autoritären Führungsstil des Inhabers sowie vor einer Einschränkung in der Therapieplanung und Behandlungsfreiheit. Dem gegenüber steht das Angestelltenverhältnis in einer großen Zahnklinik oder auch Kette, die vor allem in den Metropolen große Zentren aufgebaut haben. Hier wiederum befürchten die Zahnärzte, dass sie vor allem eine „Fließbandarbeit“ bei schlechter Bezahlung erwartet und ihnen keinerlei Freiraum zugestanden wird. Hinzu kommt die Angst, nur eine „Nummer“ zu sein und auch keine langfristigen Patientenbeziehungen aufbauen zu können.

Idealbild junger Zahnärzte: Arbeit im kleinen, kollegialen Team

Das Idealbild ist laut den jungen Zahnärzten eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis in einer überschaubaren Mehrbehandlerpraxis, in der eine Handvoll Zahnärzte als kollegiales Team agiert. Hier erhoffen sich Zahnärzte vor allem:

  • die Kombination aus den Sicherheitsfaktoren eines Angestelltenverhältnisses (wie zum Beispiel geregelte Arbeitszeiten und Risikominimierung) gepaart mit den Freiheiten in Bezug auf medizinische Handlungs- und Gestaltungsautonomie,
  • die Möglichkeit, Teil eines Ärzteteams zu sein, in dem sie als gleichberechtigtes Mitglied ab Tag eins den Praxiserfolg mitgestalten können, sowie Austausch und Lernen von- und miteinander,
  • die Anwendung des kompletten zahnmedizinischen Spektrums oder auch die individuelle Spezialisierung.

Freiheit und Autonomie, dennoch finanzielle Sicherheit und eine gute Work-Life-Balance – wo ist dieses Arbeitsumfeld heute zu finden?

Dr. Julia Döpfer (Foto: Dr. Z)

Dr. Julia Döpfer (Foto: Dr. Z)

Dr. Julia Döpfer, Zahnärztin und angestellte Praxisleiterin in Dr.-Z-Praxis Kassel:
„Früher war ich selbst niedergelassen, habe aber als Mutter einer kleinen Tochter gemerkt, wie schwierig es ist, sowohl den Anforderungen der Selbstständigkeit als auch der Familie gerecht zu werden. Heute leite ich mit etwas reduzierter Arbeitszeit angestellt meine Dr.-Z-Praxis in Kassel. Wie als Selbständige habe ich weiterhin eine verantwortungsvolle Rolle gegenüber meinen Patienten und Mitarbeitern. Auf der anderen Seite ermöglicht mir das Modell, gleichzeitig eine ausgewogene Work-Life-Balance zu leben.“

Bei einem Netz von Mehrbehandlerpraxen in Deutschland unter dem Namen Dr. Z gibt es inzwischen 28 Praxen in ganz Deutschland. Gründer Dr. Alexander Berstein möchte sich explizit von den vermeintlich anonymen Großkliniken und anderen Ketten abgrenzen. In den modernen, familiären Dr.-Z-Mehrbehandlerpraxen behandeln Zahnärzte in einem Team von zwei bis vier Zahnärzten und führen ihre Praxis weitgehend autonom.

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