Univ.-Prof. Dr. Jakob von Engelhardt: Lebendiger Unterricht für Zahnmedizinstudenten

Univ.-Prof. Jakob von Engelhardt, neuer Leiter des Instituts für Pathophysiologie der Universitätsmedizin Mainz Foto: Universitätsmedizin Mainz

Univ.-Prof. Jakob von Engelhardt, neuer Leiter des Instituts für Pathophysiologie der Universitätsmedizin Mainz.
Foto: Universitätsmedizin Mainz

Univ.-Prof. Dr. Jakob von Engelhardt ist seit Anfang Januar neuer Leiter des Instituts für Pathophysiologie der Universitätsmedizin Mainz. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Erforschung der molekularen und physiologischen Grundlagen neuronaler Kommunikation im Gehirn sowie pathophysiologischer Prozesse bei neurodegenerativen Hirnerkrankungen. Zudem forscht er zu den Ursachen seltener genetischer Erkrankungen des Gehirns.

Experte für Glutamatrezeptoren nach Mainz berufen

Fast allen Erkrankungen liegen pathophysiologische Prozesse zugrunde. „Für ein Verständnis der klinischen Fächer und für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung ist die Lehre von den krankhaften Lebensvorgängen und Funktionsstörungen im menschlichen Organismus sowie deren Entstehung, die sogenannte Pathogenese, eine wichtige Grundlage“, so Prof. Dr. Babette Simon, Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz. „Daher freue ich mich, dass wir mit Professor von Engelhardt einen ausgewiesenen Experten dieses Fachgebietes in der Universitätsmedizin Mainz begrüßen dürfen.“

Synaptische Proteine: Essentiell fürs Erinnerungs- und Lernvermögen

Univ.-Prof. Dr. Jakob von Engelhardt widmet seine Forschungen insbesondere der Rolle von synaptischen Proteinen bei physiologischen und pathophysiologischen Prozessen im Gehirn. Ein Fokus ist das genauere Verständnis der Funktion und des Aufbaus von Glutamatrezeptor-Komplexen. Diese sind unter anderem essenziell für die neuronale Kommunikation, also die Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen im Gehirn, sowie für das Erinnerungs- und Lernvermögen eines Menschen. Glutamatrezeptoren sind aber auch bei der Pathophysiologie zahlreicher Erkrankungen des Gehirns mitbeteiligt. Hier sind beispielsweise der Schlaganfall und neurodegenerative, also durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen bedingte Erkrankungen wie Alzheimer und Chorea Huntington zu nennen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeitsgruppe ist die Erforschung der Ursachen seltener genetisch bedingter Erkrankungen des Gehirns.

Das Interesse der Mainzer Medizin- und Zahnmedizinstudierenden für physiologische und pathophysiologische Prozesse im menschlichen Körper wecken

Um seine Forschungsfragen zu untersuchen, greift Professor von Engelhardt auf Methoden unterschiedlicher Disziplinen zurück: Er verwendet sowohl elektrophysiologische als auch molekularbiologische und anatomische Methoden. In der Lehre möchte Professor von Engelhardt mit einem lebendigen und praxisnahem Unterricht das Interesse der Mainzer Medizin- und Zahmedizinstudierenden für physiologische und pathophysiologische Prozesse im menschlichen Körper wecken und sie somit optimal auf die klinischen Semester vorbereiten.

Optimale Vorbereitung auf die klinischen Semester

„Unser Ziel ist es, die Lehre der vorklinischen Ausbildungsinhalte sowie die Grundlagenforschung zu stärken. Wir freuen uns daher sehr, dass Professor von Engelhardt den Ruf auf die W3-Professur für Pathophysiologie angenommen hat und wir mit ihm nun einen weiteren exzellenten Mediziner für die Universitätsmedizin Mainz gewinnen konnten“, so der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann. „Dass uns dies gelungen ist, liegt vor allem an dem hiesigen sehr aktiven neurowissenschaftlichen Umfeld. So sind wir beispielsweise an erfolgreichen Forschungsverbünden wie den Sonderforschungsbereichen 1080 zur neuronalen Homöostase und 1193 zur Resilienz beteiligt. Zudem bieten wir mit dem gerade im ersten Bauabschnitt fertiggestellten Biomedizinischen Forschungszentrum (BFZ) auch für die Pathophysiologie und die Forschungen von Professor von Engelhardt ideale Voraussetzungen für erfolgreiche wissenschaftliche Projekte und Kooperationen.“

Enge Verknüpfung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung

„Ich sehe meinem Wirken an der Universitätsmedizin Mainz sehr positiv entgegen“, sagt Professor von Engelhardt. „Die hiesige enge Verknüpfung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung finde ich inspirierend. Es gibt viele Schnittstellen, die es ermöglichen translational zu forschen und interdisziplinär zu arbeiten. Besonders spannend ist für mich die große Anzahl hochkarätiger neurowissenschaftlichen Arbeitsgruppen, die im Rahmen des Forschungszentrums Translationale Neurowissenschaften (FTN) und in Verbindung mit Frankfurt auch im Rahmen des Rhine-Main Neuroscience Network (rmn²) engen Kontakt pflegen, was eine Etablierung von neuen wissenschaftlichen Kooperationen ungemein erleichtern kann.“

Professor von Engelhardt hat nach eigenem Bekunden in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, wie wichtig und inspirierend für die eigene Forschung die Interaktion mit anderen Arbeitsgruppen ist. „Insbesondere der wissenschaftliche Austausch und die Diskussion mit Kollegen, deren Forschungsthemen sich nicht mit den eigenen Themen decken, erweitern den Horizont, was häufig eigenen Forschungsprojekten eine neue Richtung gibt. Vielfach kommt es dadurch auch zu unerwarteten und spannenden Kooperationen. Vor diesem Hintergrund ist Mainz für mich ein sehr attraktiver Wissenschaftsstandort – auch im Hinblick auf das zukünftige Biomedizinische Forschungszentrum. Dabei spielen die modern renovierten Laborräume eine Rolle, aber auch die räumliche Nähe zu vielen ebenfalls im BFZ angesiedelten Arbeitsgruppen mit ähnlichen Forschungsinteressen. Ich bin mir sicher, dass es in den kommenden Jahren zu fruchtbaren Kooperationen mit einigen dieser Arbeitsgruppen kommen wird. Darauf freue ich mich.“

Das Institut für Pathophysiologie gehört zu den vorklinischen Instituten der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und befindet sich auf dem Universitätscampus. Dort absolvieren die Studierenden der Human- und Zahnmedizin den ersten Ausbildungsabschnitt ihrer ärztlichen Ausbildung.

Zur Person:
Univ.-Prof. Dr. Jakob von Engelhardt studierte Humanmedizin an der Philipps-Universität Marburg, wo er 2001 auch promovierte. Zunächst als Assistenzarzt in der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg tätig, wechselte er 2003 als wissenschaftlicher Assistent in die dortige Abteilung für klinische Neurobiologie. 2007 war er im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes am Vollum Institute, Oregon Health and Science University, Portland (USA) und 2010 im Labor von Prof. D. Choquet (University of Bordeaux 2, Physiologie Cellulaire de la Synapse, CNRS, Bordeaux, France). Ab 2012 leitete Jakob von Engelhardt eine Forschungsarbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Heidelberg.

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