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Was Praxischefs über die Generation Y wissen sollten

Copyright: BigLike Images/Shutterstock.com

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Interview mit Dr. Florian Feltes

Im Jahr 2020 werden mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland der Generation Y angehören. Wie kann Führung dieser für den Arbeitsmarkt so wichtigen Generation gerecht werden? Warum ist die transformationale Führung für Generation-Y-Mitarbeiter von Bedeutung? Dazu Dr. Florian Feltes im Interview.

Monia Geitz: Was sollte ich als Besitzer einer Praxis eigentlich über die Generation Y wissen?

Dr. Florian Feltes: Die Generation Y ist sozusagen von frühesten Tagen an Teil der gesellschaftlichen Pioniergruppe, die sich auf den Weg gemacht hat von analog, offline, hierarchisch strukturiert, einem Machtverhältnis von Produzenten zu Konsumenten, hin zu digital, online, flexibel und einer Verschiebung des Machtverhältnisses zugunsten der Konsumenten und auch von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt.

MG: In welchen Werten und Einstellungen unterscheidet sich die Generation Y von den älteren Generationen?

FF: Die Sozialisierung der Generation Y ist sehr stark durch ethnische, religiöse und sprachliche Vielfalt geprägt worden. Der Anteil der Generation Y, der in modernen Familienformen aufgewachsen ist, liegt deutlich über den vorherigen Generationen. Daraus resultiert, dass der Generation Y ein hohes Maß an Offenheit, Toleranz und Individualisierung zugeschrieben wird. Insgesamt weist die Generation Y eine starke Freizeit- und Familienorientierung auf. Neben einem selbstbestimmten, unabhängigen Leben steht ein sinnvoller, erfüllender Job mit der Möglichkeit zur Weiterentwicklung im Vordergrund der Wünsche. Unter den Hauptbeweggründen zur Job- und Arbeitgeberwahl liegen vor allem nette Arbeitskollegen, Gehalt, persönlicher Karriereplan und Work-Life-Balance auf den ersten Plätzen. Das reine Karrieredenken und Loyalität zum Arbeitgeber haben gegenüber den vorherigen Generationen deutlich nachgelassen.

MG: Sie haben bereits den technologischen Einfluss auf die Generation Y angesprochen. Man hat den Eindruck, dass das Smartphone für viele dieser Generation genauso wichtig ist wie die Luft zum Atmen. Wie gehe ich damit als Chef um?

FF: Es lässt sich ganz klar sagen, dass die Generation Y privat wie auch im Arbeitsleben großen Wert auf eine regelmäßige, positive und offene Kommunikation legt und ist durch dieses Netzwerkdenken schneller bereit, Informationen zu teilen. Dazu kommt, dass bedingt durch den täglichen Gebrauch moderner Kommunikationstechnologien die Generation Y schnelles und kontinuierliches Feedback gewohnt ist und dies auch im beruflichen Umfeld erwartet. Insgesamt verlangt die Generation Y auch im Arbeitsumfeld und bei der Wahl neuer Arbeitgeber die Bereitstellung neuester Technologien und Kommunikationsmittel, oder zumindest die Möglichkeit, diese nutzen zu können. Gleichzeitig kann man das natürlich auch als Chance sehen und die Kommunikation zu seinen Mitarbeitern beispielsweise durch eine WhatsApp-Gruppe oder den Einsatz eines kostenlosen Kollaborations-Tools wie Slack enorm vereinfachen.

„Wer führen will braucht Menschen, die bereit sind zu folgen“

MG: Warum ist die von Dr. Heidbrink und Ihnen beschriebene Führung nach dem F.T.I.-Konzept besonders für Generation-Y-Mitarbeiter von Bedeutung?

FF: Um es ganz einfach zu sagen, wer führen will braucht Menschen, die bereit sind zu folgen. Und hier ist es genauso wie in den sozialen Netzwerken: „Follower“ sind Anhänger und Unterstützer, die selbstbestimmt und aktiv folgen, die überzeugt sind von dem, was da passiert. Genau an dieser Stelle setzt eine gute Mischung aus Leadership und klassischem Management an, wie wir es mit dem F.T.I. messen und vermitteln können.

 

Info-Box:
Zehn Haupteigenschaften, die der Generation Y zugeschrieben werden können

 

Über unseren Autor Dr. Florian Feltes
Dr. Florian FeltesDr. Florian Feltes, Digital Native und Teil der Generation Y, beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit generations- und technologiebedingten Transformationsprozessen in der Führung und Organisationsentwicklung. Er promovierte bei Prof. Charles Max, Universität Luxemburg. Neben seinen Workshops und Vorträgen, betreut er für Hyper Island, dem „Digital Harvard“, Masterstudenten bei ihren Industrial Research Projects und ist als Mentor für Seedstars, dem größten Start-up-Wettbewerb in Emerging Markets, aktiv. In einem seiner aktuellen Projekte, YMAZING, liefert er zusammen mit anderen Vertretern der Gen Y und Gen Z aus der ganzen Welt Input für die Arbeit von morgen.
Kontakt: florian@ymazing.com [1]