Selbstständigkeit oder Anstellung? Gut fährt, wer Chancen und Risiken abwägt

Wer sich niederlassen möchte, hört oft zwei grundverschiedene Meinungen zur Selbstständigkeit: „Sie ist attraktiv und lohnt sich finanziell.“ Oder: „Sie ist risikobehaftet und lässt zu wenig Raum für das Privatleben.“ Was stimmt denn nun?

Bei jeder Existenzgründung und danach gibt es immer wieder Herausforderungen. Nicht jede/r ist für die Selbstständigkeit geeignet. Das gilt es gemeinsam mit kompetenten Finanzberatern in einem persönlichen Gespräch herauszufinden. Die Selbstständigkeit kann Chancen für Zahnärztinnen bieten, die ihren Beruf nach ihren eigenen Vorstellungen ausüben möchten.

So gibt es mittlerweile viele Gestaltungsoptionen: Von einer Berufsausübungsgemeinschaft bis hin zu Job-Sharing. Eine aktuelle Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (ApoBank) zeigt zudem, dass vermeintlich schwierige Themen während der Existenzgründung von Heilberuflern im Rückblick als deutlich weniger gravierend eingeschätzt wurden, als zuvor erwartet. Das gilt zum Beispiel für die Finanzierung. In der Studie befragte die ApoBank in diesem Jahr 414 angestellte und selbstständige Zahnärzte, Apotheker, Ärzte und Tierärzte, die sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre für oder gegen eine Niederlassung entschieden hatten.

Wunsch nach Selbstverwirklichung versus Angst vor Risiko
Als wichtige Faktoren mit großem Einfluss auf die Entscheidung für eine Niederlassung wurden genannt die Gestaltungsmöglichkeiten, der Drang zur Selbstverwirklichung, die Arbeitszeitgestaltung, die Einkommenssituation, das Aufgabenspektrum und die Perspektive auf ein enges Verhältnis zu den Patienten. Die befragten angestellten Zahnmediziner/innen dagegen würden sich selbstständig machen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt wären: geringeres finanzielles Risiko, Abbau von Bürokratie und Regulierungen, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bessere Vorbereitung auf die unternehmerischen Aspekte der Selbstständigkeit, finanzielle Anreize sowie Förderprogramme.

Von erfolgreichen Niedergelassenen lernen
Wer Bedenken gegen die Selbstständigkeit hat, kann vom Erfahrungsschatz der etablierten selbstständigen Heilberufler profitieren: Denn etliche der vermeintlichen Hürden bei einer Gründung stellten sich nachher als kleiner heraus als gedacht und waren damit überwindbar. Von den befragten niedergelassenen Zahnärztinnen und -ärzte würden sich 92 Prozent wieder selbstständig machen, so die Studie. Am stärksten überschätzt haben die befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Phase ihrer Existenzgründung den Aufwand, eine passende Praxis zu finden (38 Prozent der Befragten), die Praxisfinanzierung (40 Prozent) und das Thema Abrechnung (60 Prozent). Nach der Niederlassung sahen nur noch 15 Prozent der Befragten im Finden der passenden Praxis eine große bis sehr große Hürde, in der Finanzierung sogar nur noch 18 Prozent und in der Abrechnung noch 38 Prozent. Das macht Mut und zeigt: Selbstständigkeit lohnt sich – sogar dann, wenn vorher große Bedenken bestehen.

Familienpläne schon bei der Gründung kommunizieren
Laut Studie hätten sich jedoch die heute niedergelassenen Zahnmediziner/innen beim Schritt in die Selbstständigkeit und ein Jahr danach mehr Beratung gewünscht, insbesondere bei den Themen Transparenz der wirtschaftlichen Situation, Mitarbeiterführung, Abrechnung sowie Praxisführung. Unterstützung und hohe Expertise finden Existenzgründer beispielsweise bei den Niederlassungsberatern der Standesorganisationen und Verbänden und ebenso bei den auf Heilberufe spezialisierten Bankberatern.

Eine gute detaillierte Planung mit Beratern, die über umfangreiche Finanzierungskenntnisse und Gestaltungsmöglichkeiten der Berufsausübungsformen von Heilberuflern verfügen, stellt die Weichen für den Erfolg des Projekts Selbstständigkeit. Meine Erfahrung zeigt bei Zahnärztinnen, dass diejenigen, die von Anfang an Kindererziehungszeiten sowie Phasen reduzierter Arbeitszeit einplanen und darüber mit ihren Bankberater/innen sprechen, ihr Vorhaben auf eine sichere und erfolgreiche Basis stellen. Beispielsweise eignet sich eine Kooperationen mit einer Teilzulassung hervorragend für eine selbstständige Berufsausübung in Teilzeit.

Sicheres Einkommen auch in Teilzeit
Besser als viele Heilberufler vermuten ist außerdem die Einkommenssituation bei Niedergelassenen. Das gilt vor allem für den Bereich der Zahnmedizin. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die Honorare für Zahnärztinnen und Zahnärzte in den kommenden Jahren um rund zwei Prozent pro Jahr steigen werden. Zudem lässt sich die Einkommenssituation aktiv gestalten. So entscheidet die Niederlassungsform mit über spätere Verdienstmöglichkeiten: Kooperationen etwa bieten interessante Möglichkeiten, um Kosten zu senken und den Überschussanteil der Praxis zu steigern. Beispielsweise liegt der Umsatz einer zahnärztlichen zweier Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) 11,7 Prozent unter dem einer Einzelpraxis, der Überschussanteil jedoch nur 2 Prozent. Das heißt, trotz des niedrigeren Umsatzes, der sich vermutlich aus einer geringeren Arbeitszeit in der Kooperation ergibt, ist annähernd der gleiche Überschuss erzielbar.

Die Niederlassung in eigener Praxis ist und bleibt wirtschaftlich attraktiv. Vorausgesetzt, man hat Freude am Unternehmertum und die Selbstständigkeit wird optimal vorbereitet. Dazu gehört zunächst das Eingrenzen direkter potenzieller Risiken, angefangen bei einer genauen Analyse der Investitionen und fortlaufenden Kosten über das Finanzierungskonzept bis hin zur Praxisstruktur. Zahnärztinnen, die zudem die Optionen der Selbstständigkeit – etwa die Wahl der Niederlassungsform – bewusst nutzen, um sie passend zu den eigenen Lebensentwürfen einzusetzen, werden im doppelten Sinne erfolgreich sein. Denn wer seine eigenen Vorstellungen auf einer soliden wirtschaftlichen Basis umsetzen kann, wird mit Leidenschaft Zahnärztin sein, wirtschaftlich Erfolg haben und eine gute Balance zwischen Beruf und Familie finden.

Details aus der Studie „Chance Niederlassung“ finden Sie unter www.apobank.de/niederlassung. Die Broschüre Chance Niederlassung mit der Studie und vielen weiterführenden Informationen für Existenzgründerinnen und Existenzgründer können Sie in Ihrer ApoBank-Filiale bestellen. Den Experten-Tipp können Sie auf der Webseite des ladies dental talk kostenfrei als PDF herunterladen.
Petra Knödler, Mainz

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