Kooperation gewünscht: Neue Praxisstrategien und Tätigkeitsformen

Wie möchte ich gern arbeiten? In einer Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis, Partnerschaftsgesellschaft oder einem MVZ? Klassische und neue Kooperationsformen lassen Raum, um die eigenen Wünsche zu relisieren.

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Lieber allein oder im Team arbeiten? Neue Kooperationsmodelle bieten zahlreiche Möglichkeiten für junge Zahnmediziner. Foto: Fotolia/Antonioguillem

Jeder Zahnmediziner muss sich im Laufe seines Berufslebens die Frage stellen, worauf seine Tätigkeit hinauslaufen soll. Möchte ich mich als anerkannter Fachspezialist positionieren? Ist mir ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf, Familie und Freizeit wichtig? Arbeite ich gern mit anderen zusammen oder verfolge ich lieber meine eigenen Pläne?

Welche Kooperationsform aber eignet sich für wen?

Jeder muss für sich selbst die Entscheidung treffen, was für ihn das Richtige ist – ob Anstellung, Freiberuflichkeit in einer Einbehandlerpraxis oder eine der zahlreichen Mischformen dazwischen, die die individuell gewünschte Flexibilität bieten kann: So ist zu den Klassikern Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis und Partnerschaftsgesellschaft kürzlich das MVZ, das medizinische Versorgungszentrum, für Zahnärzte hinzugekommen.
Welche Kooperationsform aber eignet sich für wen? Wovon sollte man lieber Abstand nehmen? Auch im weiteren Berufsleben sollte man immer wieder reflektieren, ob man noch den für sich passenden Weg verfolgt, der einen zum angestrebten Ziel bringt.

Erfolgskomponente interdisziplinäre Zusammenarbeit

Neben fachgruppengleichen Kooperationen kann eine interdisziplinäre Zusammenarbeit eine wichtige Erfolgskomponente sein. Auch die richtigen Kooperationen zwischen Praxen und Laboren können der Schlüssel zum Erfolg sein. Wie bilde ich solche Kooperationen und worauf muss ich beim Zusammenschluss von Netzwerken achten?

Diese und weitere Fragen rund um das Thema Kooperationen und Netzwerke hat die NWD Gruppe zum Anlass genommen, um Mitte November 2015 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittwochs in der Erlebniswelt Dentale Zukunft“ zukunftsweisende Antworten zu finden. Die NWD Gruppe hatte Betreiber und Mitarbeiter von Zahnarztpraxen und Dentallaboren zum Thema „Erfolgreich kooperieren – Ein Spezialisten-Netzwerk live erleben“ nach Münster in die Erlebniswelt Dentale Zukunft eingeladen. Zusammen mit den verschiedenen Experten verbrachten fast 60 Teilnehmer einen aufschlussreichen Nachmittag, an dem sie mit einer Live-Implantation eine Kooperation von Praxis und Labor direkt vor Ort erleben konnten.

Rechtskonforme Aufklärung auf dem iPad

Zum Auftakt veranschaulichte Jennifer Langkau von synMedico am Beispiel einer Implantatplanung, wie man mit der Software Infoskop Patienten zeitsparend, digital und rechtskonform auf dem iPad über anstehende oder mögliche Leistungen aufklärt. Eingriffe werden auf diese Weise verständlich erklärt und auch dokumentiert.

Neue zahnärztliche Kooperations- und Tätigkeitsformen

Danach stellte Dr. Karl-Heinz Schnieder von NWD.C Dental Consult neue zahnärztliche Kooperations- und Tätigkeitsformen vor. Zentrale Punkte seines Vortrags waren das in Kürze in Kraft tretende Antikorruptionsgesetz sowie die neue Chance für Zahnärzte, sich zu einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zusammenzuschließen. Letzteres sei gut zu überlegen und individuell eingehend zu prüfen, da diese Art des Zusammenschlusses für die meisten Kooperationsformen nicht geeignet sei. Um dem steigenden Kooperationsbedürfnis nachzukommen, das verstärkt bei jungen Zahnärzten zum Ausdruck kommt, böten sich auch alternative Möglichkeiten an.

Work-Life-Balance – heute stärker gefordert denn je

Einen der Gründe für das gesteigerte Bedürfnis nach Zusammenarbeit sieht Schnieder in der heute stärker denn je geforderten Work-Life-Balance, mit der neben dem Beruf mehr Zeit für Familie und Freizeit bleiben soll. Damit geht folglich meist eine Abweichung vom ehemals stringent vorgezeichneten Weg als Zahnmediziner einher. Ebenso wächst die Zahl derer, die nicht mehr bis zum Rentenalter ihre Praxis führen, sondern frühzeitig in den Genuss des Ruhestandes kommen wollen – und umgekehrt auch derjenigen, die über diesen Zeitpunkt hinaus bis ins hohe Alter tätig sein möchten.

Das bieten neue Lebens- und Arbeitsmodelle

Um solchen Wünschen individuell gerecht werden zu können, setzen neue Lebens- und Arbeitsmodelle an: Dazu zählen beispielsweise die Abschaffung der Altersgrenze für die Tätigkeit von Praxisärzten sowie die Möglichkeit, Wochenstunden in Absprache mit der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung zu reduzieren. Schnieder gab den Teilnehmern zahlreiche Denkanstöße, mögliche Praxisstrategien sowie rechtliche Hinweise an die Hand, um auf dieser Basis verschiedene Modelle vergleichen zu können.

Zusammenschluss mit Spezialisten anderer Disziplinen zu Netzwerken

Darüber hinaus thematisierte Schnieder den Zusammenschluss mit Spezialisten anderer Disziplinen zu Netzwerken sowie neuartige Kooperationsformen zwischen Praxen und Laboren. Der Rechtsanwalt warnte jedoch vor Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen. „Unlautere Modelle können existenzgefährdend sein!“, gab Schnieder seinen Zuhörern mit auf den Weg. So dürfen beispielsweise Labore im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit nicht in unlauterer Weise bevorzugt werden. Mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum schloss Schnieder seinen Vortrag.

Implantation live

Die anschließende Live-OP wurde im nur durch eine Glaswand vom Publikum getrennten Eingriffsraum durchgeführt und auf diese gläserne Projektionsfläche übertragen. Mit der OP konnten die Besucher ein gelebtes Netzwerk live erleben: Die Implantation wurde im Vorfeld von Zahntechnikermeister Jürgen Sieger vom CTV-Team und Dr. med. dent. Christoph Blum, Facharzt für Oralchirurgie mit dem Schwerpunkt Implantologie, gemeinsam geplant. Die Implantationen im Ober- und Unterkiefer führte Blum vor Ort am sedierten Probanden durch. Im Anschluss gaben Blum und Sieger, die selbst seit etwa fünf Jahren bei derartigen Projekten zusammenarbeiten, wertvolle Tipps und Empfehlungen zur gemeinsamen Arbeit im Netzwerk aus Zahnarztpraxis, Labor und Chirurgie.

Abrechnung von Implantaten

Zum Abschluss der Veranstaltung erläuterte Karina Müller von NWD.C dental consult, was man bei der Abrechnung von Implantaten beachten muss. Das gemeinsame Abendessen im NWD-Bistro sorgte für einen kurzweiligen Ausklang des Tages.
Weitere aktuelle Veranstaltungen in der Erlebniswelt Dentale Zukunft auf www.nwd.de/mittwochs.

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