Gesichtschirurgie: Patienten, Ärzte und Studierende profitieren vom digitalen OP-Saal

Gerade in der Gesichtschirurgie arbeiten Ärzte mit Unmengen von Daten, um beispielsweise nach einem Unfall den Ursprungszustand des Patienten wieder herzustellen. Seit kurzem werden den Chirurgen die großen Datenmengen mit Hilfe eines digitalen OP-Management-Systems gebündelt und bedienerfreundlich zugänglich gemacht. So haben sie die Möglichkeit, während einer Operation Bild- und Videodaten des Patienten zu laden und anzuschauen. Das ermöglicht einen präziseren Operationsablauf.

Prof. Dr. Matthias Karck, Stv. Leitender Ärztlicher Direktor Uniklinikum, Wolfgang Marguerre, Octapharma AG, Prof. Dr. Jürgen Hoffmann, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg)

Prof. Dr. Matthias Karck, Stv. Leitender Ärztlicher Direktor Uniklinikum, Wolfgang Marguerre, Octapharma AG, Prof. Dr. Jürgen Hoffmann, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg)

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg setzt digitales OP-Management-System ein

Denn die Ärzte arbeiten hier mit Schichtbildern, diese können aus bis zu 500 Einzelbildern bestehen. Über große Multi-Touch-Bildschirme kann der Chirurg direkt vom Operationstisch auf diese Röntgenbilder zugreifen. Wolfgang Marguerre, der Heidelberger Unternehmer und CEO der Octapharma AG, einem der größten Hersteller von Präparaten aus menschlichem Blutplasma, hat das digitale OP-Management-System durch eine Spende in Höhe von 250.000 Euro finanziert. „Wir sind der Firma Octapharma und Herrn Marguerre vor allem auch im Namen unserer Patienten für diese Unterstützung sehr dankbar“, sagt Professor Dr. Dr. Jürgen Hoffmann, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Virtuelle Gesichtsmodelle unterstützen die Ärzte während der OP

Durch die neue Technik können auch Operationen dokumentiert werden: Bilder beziehungsweise Videos werden über das Mikroskop, Endoskop oder die Kamera in der OP-Lampe aufgenommen. Das neue System ermöglicht vor allem komplexe Rekonstruktionen in der Tumor- und Unfallchirurgie: „Bei Tumorpatienten müssen wir beispielsweise den Unterkiefer erst entfernen und diesen anschließend durch körpereigenes Gewebe wiederherstellen. Auf dem Display, das aussieht wie ein Mega-iPad, können wir uns den aufgenommen Schädel des Patienten dreidimensional anzeigen lassen und ihn in alle Richtungen drehen“, erklärt Professor Hoffmann. In Form eines virtuellen Gesichtsmodells, das aus dem Bildmaterial des Patienten erstellt wurde, können sich die Chirurgen schon vorab das fertige Ergebnis anzeigen lassen.

Digitales OP-Management-System: Über große Multi-Touch-Bildschirme kann das OP-Team auf Röntgenbilder und Videodaten zugreifen. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Digitales OP-Management-System: Über große Multi-Touch-Bildschirme kann das OP-Team auf Röntgenbilder und Videodaten zugreifen.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Internationale Experten zeigen sich vom neuen Konferenzsystem begeistert

In der Fort- und Weiterbildung profitieren Ärzte und Studierende vom digitalen OP-Management-System. Sie lernen die Technik direkt im OP-Saal kennen oder der Eingriff wird per Videoschaltung in den nebenstehenden Konferenzraum übertragen. Jetzt fand ein international ausgerichteter Operationskurs statt, bei dem das neue Konferenzsystem bereits erfolgreich zum Einsatz kam. Hierbei wurde eine Rekonstruktion des Unterkiefers mittels eines Knochentransplantats durchgeführt. Die Gefäße des Transplantats wurden unter dem Mikroskop angeschlossen. Die Operateure trugen Headsets, um den zugeschalteten Teilnehmern die Abläufe erklären zu können. Die Ärzte konnten aufgrund der hochauflösenden Bilder die Operation sehr gut mitverfolgen und zeigten sich von der technischen Übertragung begeistert.

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