Die optimale Standortwahl – eine wegweisende Entscheidung für die Zukunft

Thomas Thiel (Foto: Pluradent)

Thomas Thiel (Foto: Pluradent)

Die Gründung einer zahnärztlichen Praxis ist mit vielen wichtigen Entscheidungen verbunden. Gilt es doch, die eigene Existenz aufzubauen und dabei mögliche Risiken so klein wie möglich zu halten. Grundlegende Voraussetzung dazu ist die Erstellung eines eigenen Praxiskonzepts, in dem die zukünftige Praxis in allen wesentlichen Punkten durchdacht und beschrieben ist. Wer so verfährt, setzt sich frühzeitig mit den anstehenden Herausforderungen auseinander und trifft Entscheidungen bewusst vor dem Hintergrund fundierter Erkenntnisse.

Wer sich sein Praxiskonzept erarbeitet, wird zwangsläufig an den Punkt gelangen, an dem er sich mit dem Standort seiner Zahnarztpraxis auseinandersetzen wird. Welche Parameter sind es, die für oder gegen einen Standort sprechen? Dabei ist es grundsätzlich erst einmal gleichgültig, ob wir von einer Neugründung oder Übernahme einer Einzelpraxis ausgehen. Die nachfolgenden Parameter sollten für eine optimale Standortwahl immer auf den Einzelfall abgestellt und in Kongruenz zum Praxiskonzept geprüft werden.

Fragen zum Thema?
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Foto: Fotolia/Medical Instinct

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CU am 12. März 2015 in Köln!

Persönliche Präferenzen
Jeder Mensch hat ganz persönliche Vorstellungen, wo er leben und arbeiten möchte. Wer einen starken Heimatbezug hat, wird den Praxisstandort eher im vertrauten Umfeld suchen, um die sozialen Kontakte zu pflegen und Unterstützung aus dem Kreis der Familie in die eigene berufliche Planung einzubeziehen.

Auch die Frage nach einer Stadt- oder Landpraxis kann nur nach den persönlichen Präferenzen beurteilt werden. Tendenziell wird eher die urbane Region der ländlichen bevorzugt. Dies hängt häufig mit der höheren Lebensqualität und einer stärkeren Kaufkraft zusammen. An dieser Stelle sei aber angemerkt, dass gerade in ländlichen Regionen besondere Förderungsprogramme und hohe Fallzahlen die zahnärztliche Existenzgründung unterstützen beziehungsweise attraktiv machen.

Der Freizeitqualität kommt in der heutigen Zeit eine zunehmende Bedeutung zu. Wer besondere, regionsbezogene Hobbys pflegt, wird abwägen müssen, welchen Einfluss dies in der Wahl seines Praxisstandorts hat.

Zahnmedizinischer Schwerpunkt
Die fachliche Kompetenz und die Leidenschaft zum Beruf wirken auch auf die Standortwahl ein. Wer um seine zahnmedizinischen Stärken weiß, wird auch vor hoher Zahnarztdichte nicht zurückschrecken und Chancen für sich entdecken – gerade wenn das Behandlungsspektrum um Facetten angereichert ist, das nicht jeder Kollege bietet. Diese Facetten heben die Praxis von anderen ab und steigern die Attraktivität bei den Patienten.

Das Patientenklientel
In einer Praxiskonzeption beantwortet man die Frage, welche Patienten in der Praxis mit dem definierten Leistungsspektrum behandelt werden. Fokussiert sich der Gründer auf eine bestimmte Klientel, so hat dies Auswirkungen auf die Standortwahl. Wer beispielsweise einen Schwerpunkt auf die Kinderzahnheilkunde legt, der wird sich nach Standorten umschauen, an den diese Ausrichtung seitens der Kollegen noch nicht marktbeherrschend abgedeckt ist und an denen vor allem viele Familien mit Kindern wohnen. Wer die hochpreisigen Leistungen der Zahnheilkunde verstärkt anbietet, der sollte bei seiner Suche die Kaufkraft des regionalen Umfelds kennen und dem Praxisgebäude sowie dem Ambiente der Räume verstärkt Aufmerksamkeit widmen.

Das Umfeld einer Praxis
In jeder (Klein-)Stadt oder jedem Ort gibt es Ballungsgebiete, an dem die Einwohner häufig verkehren, um Dinge oder Dienstleistungen des täglichen Bedarfs einzukaufen. Diese Laufgegenden werden gemeinhin als sehr positiv bewertet, weil die Patienten den Arztbesuch gleichzeitig mit anderen Aktivitäten verbinden können. Meist verfügen diese Standorte über eine gute Infrastruktur und somit eine gute Erreichbarkeit.

So ist es kein Wunder, dass gerade Ärztehäuser und Einkaufs- beziehungsweise Nahversorgungszentren in der Gunst der Standortsuchenden hoch begehrt sind. Bei Gewerbe- oder Wohngebieten sollte genau analysiert werden, mit welchem Patientenpotenzial gerechnet werden kann. Dazu sollten Pendlerbewegungen genauso wie etwaige Entwicklungstendenzen berücksichtigt werden.

Soziale Brennpunkte mit verwaisenden Straßenabschnitten, Stadteile mit sichtbar unterdurchschnittlicher Kaufkraft oder großem Migrationshintergrund schrecken dagegen viele Gründer auf den ersten Blick ab. Für Zahnärzte mit hoher Sozialkompetenz, beruflicher Leidenschaft und dem richtigen Praxiskonzept können sie aber durchaus ihren Reiz haben.

Infrastruktur des Standorts
Die gute Erreichbarkeit einer Praxis ist sowohl für den Patienten als auch für die Praxismitarbeiter wichtig. Gerade ältere und behinderte Patienten sind auf eine durchgängige Barrierefreiheit innerhalb und außerhalb des Gebäudes angewiesen. Ist dies in Neubauten gesetzlicher Standard, gilt für Altpraxen der Bestandschutz. In diesem Punkt können die Gründer den Servicecharakter der Praxis weithin sichtbar vorleben. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist für Städte und größere Ortschaften ein Standardkriterium. Zu guter Letzt sollten ausreichend viele Parkplätze zur Verfügung stehen, und in Zentrumslagen sollte auf naheliegende Parkhäuser verwiesen werden.

Zahnärztlicher Versorgungsgrad vor Ort
Wer für sich die Region der Wahl gefunden hat und möglicherweise auch schon attraktive Räume, der wird als nächstes prüfen, wie es um die zahnärztliche Versorgung vor Ort bestellt ist. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie viele Einwohner sich auf die ortsansässigen Zahnärzte verteilen. Diese Zahnarztdichte gibt schon einmal einen Hinweis auf die Stärke des Wettbewerbs. Durchschnittlich entfallen mehr als 1.100 Einwohner auf einen Zahnarzt. Landeszahnärztekammern veröffentlichen regelmäßig Bedarfspläne für ihre Landkreise und Bezirke, anhand derer die Zahnarztdichte ausgewiesen oder ermittelt werden kann.

Moderne Standortanalysen
Detaillierter geht es mithilfe einer Standortanalyse auf Basis von Geomarketing, dessen herausragende Eigenschaft die räumliche Abbildung eines Marktes ist. Zudem werden hier der Wettbewerb und das Bevölkerungspotenzial berücksichtigt. Für den gewählten Standort heißt das, dass die zahnärztliche Versorgung beziehungsweise der Wettbewerb unter Angabe der Entfernung namentlich identifiziert und visualisiert werden kann. Weitere Details über den Feminisierungsgrad oder die Anzahl bereits bestehender Praxen werden automatisch mitgeliefert.

Die Darstellung basiert auf einem Straßenkarten-Atlas, sodass mit einem Blick ersichtlich wird, wo die nächstliegenden Praxen zum Standort sind. Konkretes Wissen über die Bevölkerung im jeweiligen Postleitzahlen-Bereich präzisiert die Aussage der Zahnarztdichte. Zum einen haben Untersuchungen ergeben, dass 90 Prozent der Patienten weniger als 30 Minuten mit dem Auto zu ihrem Zahnarzt fahren. Zum anderen gibt die sogenannte Pendlerbewegung Auskunft über die Höhe der Tag- und Wohnbevölkerung in einem Postleitzahlen-Gebiet. Damit liefert sie die wichtige Information, wie hoch der Anteil der dort arbeitenden Bevölkerung ist.
Zusätzlich kann für jeden geplanten Standort der Kaufkraft-Index ermittelt werden. Dieser gibt einen Rückschluss auf das Konsumverhalten und zeigt damit die Zuzahlungsbereitschaft der Patienten. Diese Betrachtungsweise führt weg von einer pauschalen hin zu einer standortbezogenen Zahnarztdichte. Deren deutlich höhere Aussagekraft sollte ein Existenzgründer unbedingt mit in seine Standortüberlegungen einbeziehen.
Thomas Thiel, Offenbach

Zu unserem Autor
Thomas Thiel ist Leiter der Fachbereiche Praxisbörse und Akademie bei dem Dentalfachhandelsunternehmen Pluradent. In dieser Position verantwortet er unter anderem Praxisvermittlungen für Zahnärzte. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft war er in verschiedenen Positionen in der Dentalbranche tätig.

 

 

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