Alles wird gut … Die ersten Wochen als Vorbereitungsassistent

Durch das Tal der Tränen muss wohl jeder Neuling durch … (Foto: proDente)

Durch das Tal der Tränen muss wohl jeder Neuling durch … (Foto: Initiative ProDente e.V.)

 

Wissen Sie noch? Ihre ersten Wochen und Monate als Vorbereitungsassistent? Sie waren voller positiver Erwartungen, voller Energie, alles war neu und alles anders als im Studium. Hier beginnen aber auch schon die Probleme, die ein Jungassistent in der ersten Zeit zu bewältigen hat.

Der neue Chef, der ohne Zweifel nett ist, zieht es vor, seinem Neuzugang die Abläufe in der Praxis nicht persönlich zu erklären. Er überlässt diesen Part gern seiner Praxismanagerin. „Wie läuft das Ganze denn hier in der Praxis jetzt ab? Habe ich einen eigenen Patientenstamm, den ich behandle?“, interessiert sich unser Assistent am ersten Arbeitstag. „Nein“, erklärt ihm die Praxismanagerin. „Der Chef gibt Ihnen spontan Arbeit ab, immer wenn er viel zu tun hat oder denkt, dass Sie das schon allein hinkriegen.“ Im Klartext: Unser Assistent muss erledigen, worauf der Chef keine Lust hat – also anstrengende oder die weniger gepflegten Patienten behandeln, blöde Präparationen machen et cetera. Durch dieses Tal der Tränen muss am Anfang aber wohl jeder Neuling im Beruf durch.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Patienten seinen Chef als Behandler kennen und zudem noch wissen, dass sie jetzt „der Neue“ ohne Erfahrung behandeln wird. Sie brauchen nur kurze Zeit, bis sie etwas finden, das „der Neue“ definitiv schlechter macht als der Chef mit dreißig Jahren Berufserfahrung. Ihren Erkenntnissen lassen sie dann nach der Behandlung bei bereits erwähnter Praxismanagerin freien Lauf: „Also … so lange habe ich noch nie für eine Amalgamfüllung im Zahnarztstuhl sitzen müssen. Eine Dreiviertelstunde hat es gedauert, und dieser Neue hat unter die Füllung auch noch eine Unterfüllung gemacht. So was hatte ich ja noch nie. Und an der Füllung hat er dann auch noch lange herumgeschnitzt. Die Krönung ist aber, dass ich morgen noch mal wiederkommen soll zum Polieren … dafür habe ich jetzt aber echt keine Zeit mehr. Beim Chef war ich immer in fünf Minuten fertig. Deshalb möchte ich in Zukunft nur noch einen Termin bei ihm haben.“

Dass der Chef allerdings so schnell fertig ist, weil er weder Unterfüllungen legt noch Amalgamfüllungen ausarbeitet oder poliert, sondern einmal kurz zubeißen und sich die Füllung selber „ihre Form finden“ lässt, ist den Patienten natürlich nicht klar – vielleicht ist es ihnen sogar egal. Weniger egal wäre ihnen wohl, was unser Assistent erkennen muss, als sein Chef ihn spontan in Behandlungszimmer 1 schickt, um dort mal eben die Füllung fertigzustellen. „Exkaviert hab ich schon – muss nur noch die Füllung drauf.“ Der Assistent stößt auf eine Kavität, aus der er eine schwimmende kariöse Masse noch mit dem Löffel herausholen könnte. Wenn er selbiges täte, müsste er gleich das Endoset fertig machen lassen. Auf Kofferdam verzichtet er bereits seit einigen Tagen – zu viele Beschwerden und Nachfragen der Patienten, was das denn sei und ob „der Neue“ so schlecht sei, dass er dieses seltsame und schmerzhafte Hilfsmittel brauche. Er lässt sich also den Rosenbohrer geben und exkaviert zögerlich noch ein wenig der kariösen Masse. „Damit war der Chef schon fertig“, schnappt die Helferin lautstark. Resigniert legt unser Assistent den Bohrer weg und legt die Füllung, denn er will sich nicht schon im ersten Monat alles verscherzen. Seine Gewissensbisse, schon nach wenigen Tagen unsauber zu arbeiten, überwiegen diese Sorge aber bereits.

Wie soll er sich aber weiter verhalten? Auch die Unterfüllung weglassen und den Patienten einfach auf die frische Füllung mal kurz aufbeißen lassen, anstatt diese auszuarbeiten? Oder nach seiner Berufsethik behandeln? Das bedeutet dann aber auch, eine auf kariösen Pfeilern stehende Teleskoparbeit zu erneuern … auch wenn sein Chef die ganze Arbeit erst im vergangenen Jahr eingesetzt hat.

Hier eine klare Linie zu fahren ist ganz schön schwierig. Unser Vorbereitungsassistent sollte versuchen, seinem Instinkt zu folgen und so weit wie möglich sein Behandlungskonzept mit ordentlicher Arbeit durchsetzen. Er muss lernen, nörgelnde Patienten und ihre Beschwerden, es dauere ihnen zu lange, auch mal zu ignorieren. Beim ein oder anderen hilft vielleicht auch mal eine Erklärung – aber Achtung keine Rechtfertigung. Und mit der Zeit wird er beim Behandeln nicht nur sicherer, sondern auch schneller. Diese Sicherheit strahlt er dann auch aus und kann seinen Patienten mit ganz anderer Überzeugungskraft gegenübertreten. Und nach einigen Monaten wird der ein oder andere Patient seine Arbeit auch zu schätzen wissen.

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Eine Antwort auf Alles wird gut … Die ersten Wochen als Vorbereitungsassistent

  1. Heike 2.3.2015

    Danke

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